01 - Die Weichen richtig stellen!

Das Jahr 2016 ist vorbei und 2017 gerade mal ein paar Tage jung. Zum Jahreswechsel heißt es, auf das alte Jahr zurückzuschauen und einen Ausblick für das neue zu wagen. So viel ist sicher: Auf die Landwirtschaft kommen auch 2017 wieder große Herausforderungen zu.

Dr. Elisabeth Legge

Wenn Sie auf das Jahr 2016 zurückblicken, was fällt Ihnen dabei ein? Dazu gehören sicherlich Stichworte wie Flüchtlinge, Terroranschläge, die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, die Olympiade in Brasilien, aber auch Brexit oder die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Und was wird den Bäuerinnen und Bauern in Erinnerung bleiben? Jedenfalls nicht viel Gutes. Für die Landwirtschaft war 2016 ein schwieriges Jahr, manche sprechen sogar von einem schwarzen Jahr.

Kein Wunder. So spielte beispielsweise das Wetter nicht mit. Verheerende Unwetter, Starkregen und Hagel im Mai und Juni machten vielerorts die bis zum Frühjahr durchaus berechtigten Hoffnungen auf eine gute Ernte zunichte. Betroffen war insbesondere der Westen des Rheinlandes. Am Niederrhein standen Flächen teils wochenlang unter Wasser. Auch wirtschaftlich war das Jahr 2016 für viele Betriebe ein Extremjahr. So gingen die Gewinne der Landwirte in Nordrhein-Westfalen im zurückliegenden Wirtschaftsjahr um über 15 % auf nur noch 37 600 € zurück. Die Preismisere machte nicht nur Milchvieh- und Schweinehaltern zu schaffen, sondern auch den Ackerbauern. Erfreulicherweise geht es, insbesondere bei den Milchviehbetrieben, wieder aufwärts.

Aber machen wir uns nichts vor: Bessere Preise sind bitter nötig, um die gewaltigen Löcher in den Haushalten der Landwirte zu stopfen. Kurz vor dem Jahresende gab es hierzu noch eine erfreuliche Botschaft für die landwirtschaftlichen Betriebe: Die Möglichkeit der steuerlichen Gewinnglättung. Damit wurde eine jahrelange Forderung des Berufsstandes endlich erfüllt. Zumindest dies ist eine positive Nachricht.

Ob unkalkulierbares Wetter oder nicht vorhersehbare Preisschwankungen, all dies sind Situationen, mit denen unsere Landwirte umgehen können und müssen. Allerdings hart trifft die Landwirte und ihre Familien der enorme Wertewandel gegenüber der Landwirtschaft, der sich in Teilen der Bevölkerung vollzieht. Auch im vergangenen Jahr gab es immer wieder unsachliche Kampagnen in den Medien, die am bäuerlichen Selbstwertgefühl nagen. Selbst wenn der eine oder andere es nicht mehr hören oder lesen mag: In punkto Öffentlichkeitsarbeit gilt es, weiterhin am Ball zu bleiben. Denn in der Gesellschaft besteht nach wie vor ein völlig falsches Bild von der Landwirtschaft. Das darf nicht verwundern, denn heute sind die meisten von der Landwirtschaft weit entfernt. Sie haben keinen Kontakt zu Landwirten. Woher sollen sie also Landwirtschaft kennen? Hier tut Aufklärungsarbeit weiterhin dringend not. Keiner ist dafür besser geeignet als der Bauer und seine Familie selbst, das Thema Landwirtschaft dem Otto Normalverbraucher rüberzubringen. Und man sollte sich einmal klarmachen, dass die Bilder der modernen Landwirtschaft bisher von anderen, den Kritikern, gemalt wurden. Hier ist die Landwirtschaft gefordert, zu zeigen, wie und warum sie etwas tut. Dieses Feld darf man nicht den anderen überlassen.

Die Landwirte sind also gefordert, aber dies gilt auch für die Politik. Gerade im neuen Jahr gilt das umso mehr. Denn es ist ein Jahr, in dem politisch viele Weichen für die Landwirtschaft gestellt werden. Es wird verhandelt, wie es nach dem EU-Austritt der Briten weitergeht, es geht um die Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik ab 2020 und auch um die zukünftige Außenhandelspolitik der USA. In Deutschland steht die Bundestagswahl im September und in NRW am 14. Mai die Landtagswahl an. Die Landwirtschaft wird dabei, ob wir wollen oder nicht, mit Sicherheit wieder ein Wahlkampfthema sein. Tierschutz und Umweltschutz bieten sich dazu regelrecht an.

Aber dieser Wahlkampf sollte sachlich geführt und die Weichen für eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft sollten richtig gestellt werden. Die Landwirte brauchen nicht noch mehr Bürokratie, noch mehr Auflagen, sondern sie brauchen Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit. Politiker, die landwirtschaftliche Familienbetriebe erhalten wollen, müssen dafür auch etwas tun. Und Politiker, die sich die nachhaltige Landwirtschaft auf ihre Fahnen geschrieben haben, müssen auch ehrlich in der Diskussion sein. Noch mehr staatliche

Reglementierung jedenfalls führt sicherlich zu einer Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland. Aber ohne Landwirtschaft geht es nicht. Die deutschen Landwirte produzieren hochwertige Lebensmittel nach höchsten Standards. Sie haben dafür mehr Wertschätzung verdient, und zwar nicht nur von den Verbrauchern, sondern auch von der Politik. Den Landwirten jedenfalls wäre es für das neue Jahr mehr als zu wünschen.