02 - Abschied von Stefan Sallen

Wie sehr hätten wir uns auch in dieser LZ-Ausgabe unter dem Kommentar – wie meist in den letzten 23 Jahren – das Autorenkürzel „sts“ gewünscht. Doch es sollte nicht sein. Nach schwerer Erkrankung, die er mit bewundernswerter Tapferkeit trug, verstarb der langjährige Chefredakteur der LZ Rheinland, Stefan Sallen, am 3. Januar im Alter von nur 59 Jahren.

Über ein Vierteljahrhundert hat Stefan Sallen die LZ gemeinsam mit einem engagierten kleinen Redaktionsteam geprägt und die rheinischen Bauern und ihre Familien in einer Zeit großer agrar- und gesellschaftspolitischer Veränderungen begleitet.

In Salzkotten im Kreis Paderborn zu Hause, führte den Landwirtssohn der Weg nach dem Abitur in das Rheinland. Dieses sollte ihm nach dem Studium der Agrarwissenschaften in Bonn berufliche Heimat werden. Während seiner vierjährigen Tätigkeit beim Bund der Deutschen Landjugend wurde der Rheinische Landwirtschafts-Verlag auf den jungen talentierten Chefredakteur der Landjugendzeitschrift aufmerksam. In Nachfolge von Dr. Hasso Pacyna bestellte ihn der Verwaltungsrat zum

1. Mai 1993 zum Chefredakteur der LZ. Dieser Aufgabe verschrieb er sich mit Leidenschaft und Hingabe. Informationsbedarf und Interesse der Leser waren der Maßstab für die Fortentwicklung der LZ, die insbesondere den Ereignissen in den Regionen immer mehr Aufmerksamkeit schenkte. Unter der Maxime „LZ – radikal regional“ wurde die LZ inhaltlich und gestalterisch immer weiter optimiert. 2012 gelang in dieser Kette eine weitere große Verbesserung: Die LZ präsentiert sich seitdem in einer modernen, ansprechenden Aufmachung. Vom Inhalt wie vom Layout her genießt die LZ allenthalben sehr hohes Ansehen.

1993 übernahm Stefan Sallen zusätzlich die Funktion des Pressesprechers des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes – ein schwieriger Spagat. Gleichwohl gelang es ihm meisterlich, als LZ-Chefredakteur frei und unabhängig zu schreiben, wenn auch nicht jeder Kommentar auf Verbandsseite dabei Begeisterung hervorrief. Doch auf der Grundlage verbandlicher Loyalität stand die Meinungsfreiheit des Journalisten über allem. Über viele Jahre verantwortete Stefan Sallen auch die Schriftleitung des gemeinsamen Pressedienstes „LCN Nordrhein“ des RLV und der damaligen Landwirtschaftskammer Rheinland sowie des juristischen Pressedienstes „agri-jur“. Die Chefredakteure aller landwirtschaftlichen Wochenblätter in Deutschland wählten ihn im Jahr 2008 zu ihrem Sprecher – ein Beleg für seine bundesweite Anerkennung.

Stefan Sallen war Agrarjournalist und Chefredakteur aus Berufung. Bis in seine letzten Lebenstage hinein verfasste er selbst aus dem Krankenhaus noch einzelne Artikel für „seine LZ“. Seine „besondere Leidenschaft“ war – so formulierte es der Verwaltungsratsvorsitzende des Rheinischen Landwirtschafts-Verlages, RLV-Präsident Bernhard Conzen, 2014 in seiner Laudatio zum 25-jährigen Dienstjubiläum des LZ-Chefredakteurs – „das Verfassen von Kommentaren“. Woche für Woche habe er sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – der hohen Kunst des Kommentierens gewidmet. Immer neue Themen zu finden, immer aktuell zu sein, immer den Nerv der Leser zu treffen und immer objektiv zu bleiben – dies war wahrlich eine außerordentliche Herausforderung. Stefan Sallen meisterte dies „lesenswert in der Sprache, pointiert in der Sache und klar in der Aussage, aber nie verletzend im Persönlichen“.

Mit Stefan Sallen haben wir nicht nur einen herausragenden Chefredakteur, sondern auch einen Freund und Menschen mit großer Sensibilität und Emotionalität verloren, der sich stets durch Hilfsbereitschaft und Verlässlichkeit auszeichnete. Mit seiner Paderborner Heimat eng verbunden und als Oberst in seiner geliebten St. Johannes-Schützenbruderschaft von Salzkotten hoch engagiert, war er ebenso dem Rheinland und den von ihm sehr geschätzten Rheinländern verbunden. Sein letzter Kommentar in der LZ vom 6. Oktober 2016 stand aus Anlass des 70-jährigen RLV-Jubiläums unter der Überschrift „Stärke durch Einigkeit“. Nicht zuletzt in Erinnerung an ihn wird dies auch künftig die Maxime unserer Arbeit sein.

Stefan Sallen wird den Leserinnen und Lesern sowie allen, die mit ihm zusammenarbeiten durften, überaus fehlen. In unserer Erinnerung wird er weiterleben. Unsere Gedanken sind bei seiner Ehefrau und seinen drei Kindern.

Dr. Elisabeth Legge
Stellvertretende LZ-Chefredakteurin

Dr. Reinhard Pauw
Geschäftsführer des Rheinischen Landwirtschafts-Verlages