In der Branche gibt es vielmehr reichlich Baustellen auf allen Ebenen. Angefangen bei der Produktion, wo die Schweinehalter ein steiniges Feld zu beackern haben und sich mit einer Vielzahl von Anforderungen aus Politik und Gesellschaft auseinandersetzen müssen.
▶ Es dauert kein ganzes Jahr mehr, dann ist mit Beginn 2019 die Kastration der Ferkel ohne Betäubung verboten und noch immer ist nicht klar, welches Verfahren den Ferkelerzeugern dann zur Verfügung stehen wird. Von Seiten der Praktiker gilt die lokale Betäubung durch den Landwirt selbst als der beste Weg, der praktikabel und bezahlbar ist. Ob die Politik die Vorschläge aus der Praxis aufgreift und umsetzt, ist noch offen.
▶ Ähnlich ist es mit der Forderung, auf das Kupieren der Schwänze zu verzichten. Das gerade abgeschlossene NRW-Ringelschwanz-Projekt hat eher ernüchternde Ergebnisse geliefert, nicht einmal 30 % der unkupierten Schweine behielten bis zum Mastende ihren intakten Ringelschwanz, trotz Mehraufwand und großer Sorgfalt der Betriebsleiter sowie unterstützender Beratung. Hier bleibt also noch viel zu tun.
▶ Auch in Sachen Initiative Tierwohl läuft nicht alles rund. Zwar haben die beteiligten Handelsketten ab Jahresbeginn ihren Beitrag auf 6,25 Cent/kg Fleisch leicht erhöht, allerdings sind einige Anforderungen aus dem Pflichtenkatalog gestrichen und der Maximalbetrag je Tier wurde von 9 auf 5 € gesenkt, damit mehr Betriebe mitmachen können. Ob zum Vorteil für die Schweinehalter, bleibt fraglich. Ein Ausweg aus der gesellschaftlichen Diskussion ist das sicher nicht.
▶ Auf einem anderen Blatt steht die Sorge um die drohende ASP-Gefahr und die immensen Folgen für den Schweinemarkt, insbesondere für das marktbestimmende Exportgeschäft. Hier sind Schweinehalter wie Politiker gleichermaßen in der Pflicht, ausreichend Vorsorge zu treffen. Die einen durch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen rund um Hof und Stall, die anderen durch koordiniertes Vorgehen von Bund und Ländern. Dass Ministerin Christina Schulze Föcking als amtierende Vorsitzende der Agrarministerkonferenz das Heft in die Hand genommen hat und sich für eine effektive ASP-Bekämpfung stark macht, ist in jedem Fall zu begrüßen.
Ein Blick auf die nächste Ebene: Schlachtbranche und Handel kommen dem aufgeräumten Bild in der Fleischtheke nahe, aber nicht zum Wohl der Schweinehalter. Denn die ungesunde Konzentration in der Schlachtbranche spitzt sich weiter zu, die vier großen Konzerne Tönnies, Vion, Westfleisch und Danish Crown schlachten mittlerweile rund 65 % der Schweine. Dabei geraten die Mittelständler mehr und mehr unter Druck. Mit der Folge, dass die Zahl der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe abnimmt und die Abhängigkeit von den Großen weiter steigt. Und die erlauben sich immer öfter zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Ob es um die zum Jahreswechsel vollzogenen Änderungen der Abrechnungsmasken geht oder um die Vorgabe von Hauspreisen, mit denen die Notierung unterlaufen wird. Billig eingekauftes Fleisch einzulagern und mit lukrativer Handelsspanne dann am Markt zu platzieren, wenn der Grill wieder raucht, das hinterlässt den schalen Beigeschmack: Die Schweinehalter subventionieren mit Erzeugerpreisen unterhalb der Produktionskosten die Schlachthöfe, so wird Eigenkapital umgeschichtet.
Und wie steht es um den Lebensmittelhandel? Auch hier findet ein Wandel statt, ausgelöst vor allem durch die Discounter und ihr wachsendes Selbstbedienungssortiment. Die Supermärkte ziehen mit immer größeren Fleischtheken und noch vielfältigerem Sortiment nach. Dabei bleibt Fleisch nach wie vor der Lockartikel, der die Kunden mit Billigangeboten ins Geschäft ziehen soll. Und auch wenn die Marge beim Fleischgeschäft zu wünschen übrig lässt, die Mischkalkulation für das Gesamtunternehmen passt. Marktexperten schätzen, dass an mehr als der Hälfte aller Fleischtheken rote Zahlen geschrieben werden und über 50 % des Fleisches an den Bedientheken über Angebote als Aktionsware „rausgehauen“ wird – auf Kosten von Tierwohl und Bauernwohl!