06 - Bauernbashing 4.0

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks hat in der vergangenen Woche eine Plakat-Aktion gegen die Landwirtschaft gestartet. Das hat viele Landwirte aufgeregt – zu Recht!

Andrea Hornfischer

„Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“, „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ – diese und viele weitere Bauernregeln hat Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks am Mittwoch vergangener Woche in einer Plakat-Aktion veröffentlicht. Kaum waren die Plakate bekannt (www.neue-bauernregeln.de), wurden sie auch schon kritisiert. Zu Recht! Sofort entbrannte eine aufgeregte Diskussion bei Facebook und Twitter. Hunderte Landwirte waren zur Stelle und reagierten auf die Diffamierungen. Der Deutsche Bauernverband hat unmittelbar eigene Bauernregeln präsentiert. „Steht der Traktor, die Ernte vergeht, hat der politische Naturschutz den Bauern lahmgelegt“, lautete die DBV-Antwort. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband verbreitete eine Pressemitteilung, die zahlreich in den Medien veröffentlicht wurde (siehe S. 9).

In so einer Krise steht der Berufsstand eng zusammen, ist handlungsfähig und kann zurückschlagen! Das war vor einigen Jahren noch nicht so. Dass das jetzt anders läuft, da­rauf können die Bauern stolz sein!

„Wir sind gegen ein staatliches Mobbing des landwirtschaftlichen Berufsstandes!“, schrieb die Facebook-Gruppe „Bauernwiki – Frag doch mal den Landwirt“ und benannte den Hashtag „#Bauernbashing 4.0“ als Stichpunkt. Darf ein Ministerium so etwas tun?

Nein! Eine solche Kampagne hat das Niveau von NGOs. Den gereimten Bauernregeln folgen auf den ersten Blick weder weitergehende Infos noch wissenschaftlich fundierte Argumente. Ein Ministerium sollte basierend auf Fakten arbeiten. Unsachlichkeit, nicht beide Seiten einer Angelegenheit oder keine Zusammenhänge darstellen – das darf sich eine staatliche Einrichtung nicht erlauben! Das ist kein guter Umgang mit politischer Meinungsbildung.

Nein! Denn es zerstört auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik, fair und gerecht zu entscheiden. Wie sollen sich auch andere Berufsgruppen da­rauf verlassen, dass Behörden mit Sachverstand vorgehen? Als staatliche Behörde sollte Polemik nicht der gewählte Stil sein – es sei denn, man heißt Donald Trump!

Nein! Als Ministerium steht man in der Verantwortung, für ein ganzes Volk zu sprechen und nicht bloß für eine bestimmte Wählerklientel.

Nein! Als Ministerium sollte man sich im Sinne der Lösungsfindung um einen konstruktiven Dialog bemühen. Einfach nur pauschale Parolen hinauszurufen, zerstört die Dialogbereitschaft der Betroffenen.

Nein! Als Ministerium sollte man sich hinter die heimische Landwirtschaft stellen und die Stärken he­rausarbeiten. Wenn die Behörden nur ein einziges Mal die Vorteile deutscher Lebensmittelproduktion, die Sicherheit und hohe Qualität der Lebensmittel sowie die hohe Kontrolldichte, gerade im Vergleich zu südeuropäischen Ländern, und die hohen Tierwohlstandards darstellen würden, dann hätte die Gesellschaft auch nicht so ein schlechtes Bild von der Landwirtschaft, sondern wüsste zu schätzen, was deutsche Bauern unter strengen Bedingungen leisten.

Nein! Denn mit keinem Wort wird erwähnt, wie die Landwirtschaft sich bereits weiterentwickelt hat, dass immer weniger Pflanzenschutz- und Düngemittel mit immer präziser werdender Technik eingesetzt werden und dass in der Tierhaltung immer weniger Antibiotika verwendet werden – kurzum, dass die Landwirtschaft die Probleme und auch die Schatten der Vergangenheit, die immer noch zu spürenden Folgen von „Viel hilft viel!“, bewusst angeht. Landwirte haben längst begonnen, sich für den Umwelt- und Artenschutz starkzumachen.

Nein! Bauernbashing durch den Staat führt dazu, dass das Image der Landwirte noch schlechter wird. Es wird ein regelrechtes Feindbild „böser Bauer“ aufgebaut – und das durch ein Bundesministerium auf Kosten der Steuerzahler! Wie soll die Landwirtschaft noch Hofnachfolger finden, wenn man ihnen jeden Tag einredet, dass sie alles falsch machen?

Landwirte sollten ernst genommen werden. Die Landwirtschaft selbst bittet seit Jahren um einen konstruktiven Dialog und bietet ihn alljährlich zur Grünen Woche an. Bitte, liebe Politiker, ein respektvoller Umgang sollte auf beiden Seiten möglich sein!