Die genauen Ursachen des Insektenschwundes will das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium mit einem analysieren. Dazu wurde beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz eine flächendeckende Insektenbeobachtung in Auftrag gegeben. Dafür sollen auf 120 repräsentativ ausgewählten Probeflächen die fliegenden, blütenbestäubenden Insekten, wie zum Beispiel Bienen und Schmetterlingen, untersucht werden. Anlass für das Vorhaben ist laut Ressortchefin Christina Schulze Föcking die „Gefahr des zunehmenden Insektenschwundes“. Dieser sei ein europa- und sogar weltweites Phänomen. Weil mehrere Faktoren im Verdacht stünden, zum Rückgang der Insekten beizutragen, sei die Ursachenforschung das „Gebot der Stunde“, so die Ministerin. Dazu zählen unter anderem der Pflanzenschutzmitteleinsatz, der Verlust blütenreicher Lebensräume, Nährstoffeinträge aus der Luft, Lichtverschmutzung und der Klimawandel. Die Untersuchung solle eine Datengrundlage bieten, aus der heraus Maßnahmen zur Eindämmung des Insektenschwundes entwickelt werden können.
Auch häufige Arten betroffen
Bisher wurde vermutet, dass besonders Tiere, die auf einen besonderen Lebensraum angewiesen sind, vom Artensterben bedroht sind. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen ein anderes Bild. Mitarbeiter vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut Müncheberg konnten gemeinsam mit Kollegen der TU München bei Untersuchungen mit Schmetterlingen nachweisen, dass künftig auch die sogenannten Allerweltsarten massiv gefährdet sind. Als einen Grund für den Rückgang der Generalisten nennt das Forscherteam, das die Lebensräume zunehmend zu Inseln werden. Das führt nach Angaben der Wissenschaftler auch dazu, dass die genetische Vielfalt abnimmt. Arten mit geringen Ansprüchen an ihren Lebensraum seien auf den Austausch zwischen verschiedenen Populationen angewiesen. Durch die Verinselung ihrer Lebensräume sei es ihnen immer weniger möglich, die genetische Vielfalt durch Austausch zwischen den Populationen aufrechtzuerhalten. Das führt dazu, dass die Insekten sensibler auf Umweltveränderungen reagieren.