Der Wolf ist zurück und es gibt ihn auch wieder in Nordrhein-Westfalen. In der vergangenen Woche wurde dreimal ein Wolf in unserem Bundesland gesichtet. Beobachtet wurde er nördlich von Bad Oeynhausen und am Stadtrand von Lemgo sowie in der Nähe von Brilon im Hochsauerlandkreis. Möglicherweise handelt es sich dabei um ein und dasselbe Tier. Über 180 Jahre galt der Wolf im Rheinland und in Westfalen als ausgerottet. Die letzte Erlegung eines Wolfes im Rheinland fand Ende des 18. Jahrhunderts bei Hilden statt. Seit 2009 sind nun einzelne Wölfe in NRW wieder gesichtet worden, und zwar etwa 14 Mal.
Bei Naturschützern ruft die Rückkehr des Wolfes große Begeisterung hervor. Sie sehen ihn als Teil einer neuen Artenvielfalt. Viele Tierhalter dagegen überkommt beim Thema Wolf ein mehr als mulmiges Gefühl. Klar ist: Mit Wegfall des „Eisernen Vorhangs“ vor mehr als 25 Jahren ist eine Zuwanderung von Wölfen aus Richtung Osten wohl kaum mehr völlig zu verhindern. Auf der anderen Seite möchte aber kein Tierhalter seine Tiere als „Wolfsfutter“ hergeben. Dass der Wolf eine Gefahr für die Weidetiere darstellt, steht außer Frage. Dabei geht es nicht nur um die kleineren Tiere wie Schafe, Ziegen oder Damtiere. Gefahr lauert hier auch bei der Weidehaltung von Rindern. Der Wolf macht auch vor Kälbern und Fressern nicht Halt, wie Vorfälle aus dem benachbarten Frankreich und auch aus anderen Bundesländern zeigen. Mehr noch: In Niedersachsen endeten zum wiederholten Mal ausgewachsene Rinder nach Angriffen von Wölfen in Entwässerungsgräben, wo sie getötet wurden.
Aber es geht nicht nur um die Wolfsrisse, es geht auch um die Folgen möglicher Panikfluchten von Nutztieren, durch die beispielsweise Verkehrsunfälle hervorgerufen und im Extremfall sogar Menschenleben gefährdet werden könnten, so jedenfalls die Sorge vieler Tierhalter.
Wie soll man also mit der Rückkehr des Wolfes umgehen? Die Tierhalter können und werden die Rückkehr nur akzeptieren können, wenn sie auf möglichen wirtschaftlichen Nachteilen und höheren Kosten nicht sitzenbleiben. Ein erster Schritt hierzu ist gemacht. Anfang Februar hat das NRW-Umweltministerium die sogenannte „Förderrichtlinie Wolf“ bekanntgegeben. Einige der vom Berufsstand vorgelegten Forderungen sind dabei berücksichtigt, aber insgesamt besteht hier noch erheblicher Nachbesserungsbedarf (siehe Artikel auf S. 12). Jegliche wirtschaftliche Nachteile, die durch den Auftritt des Wolfes entstehen, sind den Weidehaltern vom Staat dauerhaft, in vollem Umfang und rechtssicher auszugleichen. Das muss eigentlich selbstverständlich sein. Wenn die Politik mehr Weidehaltung fordert – und das tut sie auch und gerade in unserem Bundesland –, muss sie gleichzeitig dafür Sorge tragen, dass die Weidehaltung auch unbeschadet durchgeführt werden kann. Hier muss die Politik Farbe bekennen!
Zugleich muss man gerade in einem so bevölkerungsreichen Bundesland wie NRW auch über eine Einregulierung von Wölfen nachdenken. Wenn ein Zusammenleben von Wolf, Mensch und auch Nutztieren möglich sein soll, darf der Abschuss einzelner auffälliger Tiere kein Tabu sein. Dazu zählt auch und gerade die Entnahme von Wölfen, die trotz Schutzmaßnahmen wiederholt in Herden eindringen. Alles andere wäre falsch verstandener Artenschutz gegenüber dem Wolf! Denn Wölfe, die lernen, dass für sie keinerlei Grenzen gelten, die jegliche Scheu vor Schutzmaßnahmen und letztlich auch vor dem Menschen verlieren, sind eine Gefahr und der Grund für das erhebliche Konfliktpotenzial. Dies sollte auch Befürwortern der Zuwanderung von Wölfen klar sein. Vor diesem Hintergrund darf der Abschuss als letztes Mittel nicht kategorisch ausgeschlossen werden.
Brandenburg hat derzeit mit 21 Rudeln wohl die meisten Wölfe in Deutschland und mit massiven Schäden zu kämpfen. 2016 fielen dort laut Riss-Statistik des Landes 184 Schafe, 26 Kälber, 32 Stück Damwild und zwei Ziegen den Wölfen zum Opfer. Damit ist dieses Bundesland ein warnendes Beispiel. Neben besseren Entschädigungsregelungen fordern Nutztierhalter dort einen „Akzeptanzkorridor“ mit einer Ober- und Untergrenze, also ein aktives Bestandsmanagement beim Wolf. Das sollte auch in NRW Schule machen.