Eine gute Portion Himmel un Ääd, ein Teller Kartoffelcremesuppe, eine leckere Pellkartoffel mit Butter oder Kräuterquark – für mich zählen diese Kartoffelgerichte zu den Lieblingsessen. Den Anbauern von Speisesorten, die uns Verbraucher übers ganze Jahr mit Knollen in guter Qualität versorgen, gebührt Dank für ihren Einsatz. Dass der hohe Aufwand, den insbesondere Speisekartoffeln in Anbau, Lagerung und Vermarktung erfordern, vom Lebensmittelhandel und den Verbrauchern nicht immer gebührend honoriert wird, schlägt sich in den Zahlen nieder – und das wird in diesem Jahr besonders deutlich.
Weiter zurückgegangen ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln. Diese Entwicklung ist wahrlich nicht neu und wird seit Jahren beobachtet. Wurden in der Saison 1996/97 noch 73,3 kg Knollen verzehrt, sind es 20 Jahre später gut 20 kg weniger. Auf 53,1 kg pro Kopf und Jahr ist der Kartoffelverbrauch 2015/16 gesunken und damit laut Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) auf die kleinste Menge der vergangenen Jahrzehnte. Noch drastischer als der Rückgang der Verzehrmenge schlägt sich allerdings die Verschiebung innerhalb der Verwertungsrichtungen nieder. Erstmals sinkt der Anteil der als Frischkartoffeln verwerteten Knollen auf 19,1 kg, dagegen konnten verarbeitete Kartoffelprodukte auf 34 kg zulegen. Favoriten sind hier vor allem Tiefkühlprodukte, wie Pommes frites, gefragt bleiben auch Chips.
Fast Food erfreut sich immer noch wachsender Beliebtheit, auch dank der allgegenwärtigen Werbung der globalen Konzerne. Anders bei den Frischkartoffeln: Hier ist die Branche selbst gefordert, um den Rückgang beim Speisekartoffelverbrauch endlich zu stoppen oder wenigstens zu verringern. Die von Erzeugern, Händlern und Verbänden eigenfinanzierten Marketingprogramme, wie sie die Kartoffel-Marketinggesellschaft (KMG) entwickelt, sind sicher ein richtiger Ansatz und müssen noch stärker verfolgt werden.
Solche Sorgen drückt die Industrie rund um die Veredelungskartoffeln nicht, hier scheint der Boom ungebrochen. Unternehmen wie McCain, der Weltmarktführer im Frittengeschäft aus Kanada, haben deshalb in den letzten Jahren in Westeuropa kräftig investiert. Es wurden etliche niederländische und belgische Familienunternehmen übernommen, Fabrikstandorte auf- und ausgebaut und neue Verarbeitungskapazitäten geschaffen. Und diese Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen, der Zubau geht weiter und damit wächst auch der Rohstoffhunger. Allerdings gilt auch hier, sich nicht in Euphorie zu verlieren. Der launische Schweinemarkt mit der wachsenden Abhängigkeit von den internationalen Märkten, insbesondere dem Absatz in Richtung Asien, lehrt Vorsicht. Auch der Export von tiefgekühlten Fertigprodukten, ob nach Asien, in den Nahen Osten oder nach Südamerika, bleibt gerade in politisch unsicheren Zeiten anfällig – angedrohte Einfuhrzölle und Handelsbeschränkungen wirken wie ein Damoklesschwert.
Das Marktumfeld sorgt für Veränderungen in der Kartoffelbranche. Auch hier vollzieht sich eine Konzentration: Die anbauenden Betriebe werden weniger und wer dabeibleibt, der dehnt seine Kartoffelflächen aus. Und weil der Absatz von Speisekartoffeln im Vergleich zu Pommes- oder Chipskartoffeln unsicherer ist und auch finanziell ein höheres Risiko darstellt, wenden sich immer mehr Anbauer den Industriekartoffeln zu. Gerade in dieser Saison ist festzuhalten: Der Markt für Veredelungskartoffeln ist ein Selbstläufer, während sich der Anbau von Speisekartoffeln mehr und mehr auf immer weniger Spezialisten fokussiert.
Dieser Strukturwandel mit der Konzentration des Kartoffelanbaus auf weniger Betriebe, wie er auch im Rheinland festzustellen ist, muss jedoch nicht zum Schaden der Region sein. Selbst in einem witterungsbedingt so schwierigen Jahr wie 2016 haben die Profi-Anbauer Geld verdient, was auch die vor- und nachgelagerten Bereiche freut. Über die Verpachtung oder den Flächentausch profitieren auch die Berufskollegen, die sich aus dem hochspezialisierten Kartoffelanbau zurückgezogen haben und sich auf andere Betriebszweige konzentrieren.
Das Jahr 2016 war ein außergewöhnliches Kartoffeljahr und was uns die neue Saison beschert, ist noch offen. Fest steht in jedem Fall: Die Anbaukosten steigen, zu Buche schlagen vor allem die Kosten für das Pflanzgut, das insbesondere bei den begehrten Sorten knapp und teuer ist. Tiefer in die Tasche zu greifen, heißt es auch beim Pflanzenschutz. Aber vieles spricht dafür, dass 2017 ein gutes Kartoffeljahr wird. Die Marktchancen stimmen optimistisch, die rege Nachfrage wird für eine frühzeitige Räumung der Läger sorgen, sicher auch zur Freude der Frühkartoffelanbauer. Ob die gute Stimmung Anlass ist, die Anbauflächen auszudehnen? Vielleicht ist es auch gut, dass der Engpass beim Pflanzgut hier natürliche Grenzen setzt.