Die deutsche Landwirtschaft erlebt eine Akzeptanzkrise in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Das Themenangebot ist üppig. Nitrat im Grundwasser, Glyphosat und Pflanzenschutzmittel überhaupt, Artensterben, Vermaisung und Verarmung der Landschaft sind Dauerthemen in Politik und Medien. Aber eben nicht nur da, sondern auch in Bürgerversammlungen und in persönlichen Gesprächen. Ferkel kastrieren, Ringelschwänze abschneiden, Schnäbel kürzen, Küken schreddern, Gentechnik füttern, wer will das schon?
Irgendwas läuft schief zwischen Bauern und Bürgern. Die Ursachenforschung ist nicht so einfach. Sind die Verbraucher einfach zu satt? Lassen billige Lebensmittel vergessen, wer den Kühlschrank voll macht? Preiswerte Lebensmittel gibt es seit den 50er-Jahren. Damals fand man das einfach gut, wie sie produziert wurden, war uninteressant.
Sind die Medien an allem schuld? Natürlich können Medien Trends verstärken und Stimmung machen. Und wer mit dem WDR über Landwirtschaft spricht, hat häufiger das Gefühl, dass das Ergebnis schon vorher feststeht. Aber wer über Fake News wettert, verkennt, dass Medien immer auch – zumindest teilweise – das wiedergeben, was Zuschauer und Leser denken. Meinungsbildung läuft längst nicht immer rational. Missstände bei der Zucht und Haltung von Haustieren werden hin und wieder angeprangert, der große Aufschrei bleibt aus. Eine Katzensteuer als Beitrag zum Schutz der Singvögel? Kurz angedacht und schnell weg damit. Bei der Landwirtschaft ist das anders. Jeder kann mitreden, ähnlich wie beim Fußball, aber betroffen ist kaum einer. Jedenfalls kaum ein Wähler. Und die Bauern werden jeden Tag weniger.
An Vorschlägen für Wege aus der Krise fehlt es nicht. Sicher ist vor allem eins: Patentrezepte gibt es nicht. Der klassische Weg, den Mitbürgern zu erklären, was die Landwirte machen und warum, reicht nicht mehr. Wer einen großen Schweinestall besichtigt hat, hat vielleicht einiges gelernt, toll findet er ihn aber noch lange nicht.
Auch die klassische Pressearbeit hilft oft nicht mehr. Natürlich freut man sich, wenn die Presse am Tag nach der Demo berichtet, dass die Bauern erfolgreich waren. Dass die unsäglichen Bauernregeln-Plakate in den Reißwolf kommen, dass eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung verhindert werden konnte. Aber in den Köpfen der Bürger verändert das wenig. Ganz im Gegenteil. Wenn Politiker etwas planen und Bauern so vehement dagegen sind, dann muss ja was dran sein. Bei einigen Themen wäre die Landwirtschaft gut beraten, mehr über Veränderungen nachzudenken, statt nur zu erklären, warum es anders nicht geht. Hätte die Branche die Themen Schwänze kürzen und Ferkel kastrieren bereits vor Jahrzehnten ernsthaft angegangen, wären diese vermutlich schon lange erledigt.
Eine zunehmende Anzahl von Menschen, insbesondere in der jüngeren Generation, erreicht man mit Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen kaum noch. Über Landwirtschaft wird intensiv in den sozialen Medien diskutiert, meistens von den Gegnern. Eine kleine Gruppe von Landwirtinnen und Landwirten hat dies erkannt und diskutiert mit. Zumeist Einzelkämpfer, die mehr Anerkennung und Unterstützung brauchen. Facebook, Twitter & Co. sind keine Wunderwaffen, aber Meinung wird zunehmend in sozialen Medien gemacht. Deshalb twittert Trump. Meistens Schwachsinn, aber er wird gelesen. Hier hat die Landwirtschaft noch einiges aufzuholen.
Das wichtigste ist, nicht aufzugeben. Hoffen Sie nicht darauf, dass Verbände und Organisationen alleine für eine bessere Akzeptanz der Landwirtschaft sorgen können. Nutzen Sie jede Gelegenheit zur Kommunikation mit Ihren Mitbürgern, beim Gespräch mit den Kunden im Hofladen, auf dem Feld, im Verein. Ob bei der Anfrage der Lokalzeitung oder der ganz großen Nummer im Fernsehen: sagen Sie nicht Nein, auch wenn der Frust vorprogrammiert ist. Auch bei Reizthemen wie „Warum Gülle?“, „Warum Mais?“ oder „Warum Pflanzenschutz?“ gibt es Antworten. Wenn die nicht aus dem Berufsstand kommen, gibt es immer genügend professionelle und freiwillige Landwirtschaftsgegner, die nur auf die Gelegenheit warten.