14 - Hofnachfolger gesucht

Heute einen Hof zu übergeben, ist längst nicht mehr so klar wie noch vor einigen Jahren. Die Perspektiven in der Landwirtschaft sind zwar prinzipiell gut, aber sowohl die politische Zuverlässigkeit als auch die finanzielle Planbarkeit sind ungewiss. Eine gute Organisation ist daher unerlässlich.

Andrea Hornfischer

Wenn man früher einen Hof an die nachfolgende Generation übergab, war die Sache, überspitzt formuliert, oft schon mit der Geburt des Hofnachfolgers entschieden. Heute ist das längst nicht mehr so. Macht eines der Kinder überhaupt weiter? Wenn ja, welches? Mit welcher Entscheidung möchte der Junior oder die Juniorin vielleicht ganz anders umgehen als das Senior-Ehepaar? Wirft der Betrieb in zehn Jahren überhaupt noch etwas ab? Welche Investitionen stehen kurz- und langfristig an? Diese und viele weitere Fragen müssen geklärt werden. Alle Berater empfehlen, frühzeitig – mindestens ein Jahr vorher – mit der Planung zu beginnen. Denn oft ist dieser Weg von Erkenntnissen geprägt, die sich erst entwickeln müssen und das braucht Zeit. Es gibt viel zu beachten bei einer Hofübergabe:

Bei den steuerlichen und juristischen Angelegenheiten sollte man sich Rat einkaufen. Wie finde ich die passende Rechtsform für mein landwirtschaftliches Unternehmen? Welche baurechtlichen Fragen muss ich beachten? Die weichenden Erben müssen so abgefunden werden, dass kein Familienstreit entsteht. Lesen Sie hierzu ab S. 16. Ein weiterer Beitrag erscheint dazu in der nächsten LZ-Ausgabe. Auch die Kreisbauernschaften und die PARTA können Ihre Fragen beantworten.

Bei den persönlichen Befindlichkeiten empfiehlt es sich, den Blick von außen bei einer externen Person einzuholen. Das kann zum Beispiel ein Coach sein. Oft sind unausgesprochene Erwartungen und Vorstellungen im Spiel, die zum Problem werden können. Die Eltern fragen sich möglicherweise: Wird der Hofnachfolger den Betrieb verantwortungsbewusst weiterführen? Schließlich haben sich Generationen vor ihm schon abgemüht und ihr Herzblut hineingesteckt. Werde ich als Altenteiler nach der Übergabe nicht mehr gebraucht? Diese Ängste spielen oft bei der Hofübergabe mit. Der Hofnachfolger wird sich möglicherweise fragen, ob die Hofübergeber ihm genug Entscheidungsfreiheit für Neues lassen. Hier brauchen alle Beteiligten eine gehörige Portion Mut, ihre Sorgen und Anliegen offen anzusprechen. Lesen Sie dazu auch das Interview auf S. 20 und die Berichte ab S. 56.

Was unterscheidet die Hofnachfolge auf einem landwirtschaftlichen Betrieb von anderen Unternehmen, die einen neuen Geschäftsführer suchen? Ein Hof ist ein Familienunternehmen! Das bringt sehr viele Vorteile mit sich. Denn die „Angestellten“ engagieren sich mit vollem Tatendrang, weit über das Mindestmaß hinaus für den „eigenen Laden“. Oft liegt der Lebenssinn der gesamten Familie im Leben und Arbeiten auf dem Hof. Das bringt Erfüllung und Zufriedenheit. Die Kehrseite ist eine extrem hohe Identifikation und eine Vermischung der Rollen. Wann spricht man als Vater oder Sohn/Tochter und wann als Betriebsleiter oder Hofnachfolger? Auf den Höfen vermischen sich diese Werte oft und so kann es passieren, dass sich der Betriebsleiter so sehr über seine gute Arbeit auf dem Hof und sein geschaffenes Lebenswerk definiert, dass er sich sein Leben ohne Hof nicht vorstellen kann. Auch hier hilft eine Beratung.

Finanzielle Planbarkeit: Wie kann ich den Betrieb so aufstellen, dass er auch die nächsten Jahre noch eine Familie ernähren kann? Stichwort Diversifizierung: Viele Betriebe bauen noch ein weiteres Standbein auf. Nicht jeder will und kann einen Hofladen führen oder Ferienwohnungen anbieten. Das neue Standbein muss zum Betriebsleiter passen. Und es muss geprüft werden, ob die Nische erfolgreich werden kann.

Wenn keines der eigenen Kinder den Hof weiterführen möchte oder man keine Kinder hat, gibt es viele Möglichkeiten, sich auf die Suche zu machen: Inzwischen kommen 50 % der landwirtschaftlichen Auszubildenden nicht mehr vom Hof. Diese suchen einen Hof oder wollen als Mitarbeiter eingestellt werden. Auch Unternehmen wie Westfarm in Geilenkirchen bieten Lösungen. Der Eigentümer behält seine Flächen und die Westfarm-Landwirte bewirtschaften sie für ihn, Kosten und Gewinne werden geteilt. So kann der Betrieb erhalten bleiben.

Eine Hofübergabe ist immer auch ein Spagat, Altes zu bewahren und Neues zu etablieren. Ideen und Ziele müssen natürlich vorher auf Herz und Nieren geprüft werden. Es muss geklärt werden, ob sie auch der Unternehmensanalyse und Umsetzung in die betriebliche Wirklichkeit standhalten. Wenn alles gut geht, bedeutet eine Hofübergabe eine Betriebsentwicklung im besten Sinne.