Bernhard Conzen kann ein hartnäckiger Interviewpartner sein. Im Gespräch mit der LZ (siehe S. 18) unmittelbar nach Abschluss der neuen Rübenliefervereinbarung für die Zeit ab dem Jahr 2017 weigerte sich der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV), irgendwelche Zahlen zum neuen Vertragswerk zu nennen. Das Ergebnis sei zu facettenreich, als dass man es im Rahmen eines Interviews in einer Antwort abhandeln könnte, so sein Argument. Schließlich erhielten die Rübenanbauer in dieser Woche eine Broschüre zu den umfangreichen Vertragsinhalten. Nur, dass bei den Rübenpreisen „vorne eine 3“ steht, konnten wir dem rheinischen Zuckerrüben-Chef entlocken.
Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns auch der gemeinsame „Flyer“ von RRV und Pfeifer & Langen (P&L), der mittlerweile auch allen Rübenanbauern vorliegen dürfte. Kurzum: Ja, das dort vertraglich Unterzeichnete hätte den Interviewrahmen gesprengt und ja, das Ergebnis kann sich aus Sicht der heimischen Rüben anbauenden Praxis sehen lassen.
Die angesprochene Hartnäckigkeit und wohl auch ein nicht geringes Maß an diplomatischem Geschick der Akteure im RRV waren gewiss notwendig, um das vorgelegte Ergebnis zu erreichen. Das ist auch gut so, denn am Rübenanbau hängt im Rheinland eine ganze Menge.
An erster Stelle natürlich gewinnbringende Erlöse, die sich so mir nichts dir nichts mit anderen Ackerfrüchten nicht realisieren lassen. An zweiter Stelle das Zuckerunternehmen Pfeifer & Langen mit drei Zuckerfabriken, die nicht nur hunderte von Arbeitsplätzen in der Region sichern, sondern ohne die auch ein effizienter Rübenanbau im Rheinland nicht möglich wäre. Und drittens hängt am Rübenanbau auch die Zukunft von Maschinenringen, die sich in den vergangenen Jahren zu schlagkräftigen Partnern der Rübenanbauer gemausert haben.
Im bald wohl beginnenden Kampf um Marktanteile – anders lassen sich die starken Mengenausweitungen der deutschen Zuckerunternehmen nicht interpretieren – dürfte das Rheinland insgesamt sehr gute Karten haben. Denn die rheinischen Rübenanbauer verstehen, wie die Erträge der vergangenen Jahre gezeigt haben, ihr Handwerk aus dem Effeff. Darüber hinaus gehören die rheinischen Zuckerfabriken zu den effizientesten in Europa und Pfeifer & Langen hat mit der Marke Diamant, dessen Logo aus zwei Zuckerhüten nicht zufällig an den Kölner Dom erinnert, eine starke Marke im dicht besiedelten, heimischen Verbrauchermarkt.
Die Frage ist – und auch die haben wir Bernhard Conzen gestellt –, ob sich ähnliche Branchenvereinbarungen beispielsweise nicht auch auf den Milchbereich übertragen lassen. Aus Conzens Sicht, der auch Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes ist, spricht vieles dafür, „dass auch im Milchbereich die Marktakteure gemeinsam Instrumente zum Umgang mit Marktschwankungen abstimmen und auf den Weg bringen“. Deutlich kritischer haben sich Genossenschaftsvertreter, so ganz aktuell der Präsident des Deutschen Raiffeisen-Verbandes, Manfred Nüssel, geäußert: „Freiwillige gemeinsame Vereinbarungen zur Mengenplanung im Hinblick auf die angestrebte Marktstabilisierung haben nur eine sehr geringe Wirkung“. Auch aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes, Ralf W. Barkey, könnten freiwillige Mengen- und Preisvereinbarungen bei „den vielen Akteuren am Markt“ insbesondere durch Privatmolkereien unterlaufen werden.
Allerdings scheinen wohl auch viele Milcherzeuger nicht bereit zu sein, die Milchproduktion zurückzuführen. So hat beispielsweise die Vertreterversammlung von Deutschlands größter Molkerei, dem Deutschen Milchkontor (DMK), sich trotz bescheidener Milchpreise gegen eine freiwillige Mengenbegrenzung ausgesprochen. Offensichtlich scheint es schwerzufallen, nachdem man nach Wegfall der Quote so richtig „Gas gegeben hat“ und Stallkapazitäten aufgefüllt hat, jetzt wieder auf die Bremse zu treten und die eine oder andere Liegebox leerstehen zu lassen. Oder woran liegt es?
Die Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern will jetzt, unterstützt durch staatliche Bonuszahlungen, Erzeuger und Molkereien auf freiwilliger Basis zur Mengenreduzierung motivieren. Klappt das nicht, droht wieder eine staatliche Regelung (siehe Bericht S. 8). Im Endeffekt hätten wir dann wieder eine vom Staat verordnete Quote. Und die wollten die meisten Milcherzeuger doch eigentlich nicht mehr. Vielleicht sollte man sich doch ein Beispiel an der Zuckerbranche nehmen.