Wirft man einen Blick auf das Konjunkturbarometer Agrar, das unter anderem der Deutsche Bauernverband (DBV) vierteljährlich in Auftrag gibt, dann kommt Optimismus auf. Wie die Grafik auf Seite 12 zeigt, steigt der Index des Konjunkturbarometers an. Im Vergleich zu den Krisenjahren 2015 und 2016 ist das auch nicht weiter verwunderlich. Insbesondere im vergangenen Jahr gingen die Preise für fast alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse deutlich zurück. Und viele sagen, schlimmer konnte es nicht mehr werden. Die Liquiditätslage in den Betrieben war mehr als angespannt und erst langsam geht es wieder aufwärts. Insbesondere die Erzeugerpreise für Schweine und auch Getreide werden derzeit wieder positiver beurteilt als noch im Dezember.
Nach Aussagen des DBV haben die Landwirte auch wieder Investitionspläne. Aber machen wir uns nichts vor. Es handelt sich hierbei um nachgeholte Investitionen, die in den Krisenjahren einfach nicht möglich waren. Jedenfalls ist wieder – man muss sagen endlich – eine Investitionsbereitschaft da. Die deutschen Landwirte blicken wieder positiver in die Zukunft. Aber sie stehen auch weiterhin vor großen Baustellen.
Düngeverordnung: Eine große Baustelle ist die Umsetzung der neuen Düngeverordnung. Während bislang beim Thema Düngung nur Fristen gesetzt wurden, werden jetzt auch Regelungen zu Lagerkapazitäten aufgestellt. Mit anderen Worten: Viehstarke Betriebe müssen verstärkt in mehr Lagerraum, in die Entsorgung der Gülle und auch in bessere Ausbringungstechnik investieren. Das kostet Geld. Auch von Seiten der neuen JGS-Verordnung drohen den Landwirten in NRW zusätzliche Kosten.
Pachtpreise: Die Pachtpreise sind nach wie vor zu hoch und wegen der Düngeverordnung dürften sie regelrecht explodieren, weil jetzt auch Gärsubstrate auf die Fläche angerechnet werden und die Gülleausbringung weiter eingeschränkt wird. Kleinere und mittlere Betriebe werden nicht immer mithalten können und der Strukturwandel wird sich weiter beschleunigen. Überhaupt an Pachtland zu kommen, wird immer schwieriger werden. Grund hierfür ist der steigende Flächenverbrauch. Pro Tag gehen ins unserem Bundesland der Landwirtschaft 10 bis 12 ha verloren.
Landespolitik: In diesem Jahr steht die Bundestagswahl und in NRW auch die Landtagswahl an. Was wird die neue Landesregierung bringen? Egal welche Partei das Landwirtschaftsministerium bekommt, alles wird nicht sofort rückgängig gemacht werden. Eine neue Landesregierung wird nicht von der Landwirtschaft gewählt. Dafür ist der Anteil der Landwirte und ihrer Familien an der Bevölkerung inzwischen viel zu gering. Und auch eine neue Landesregierung wird – darauf muss man sich einstellen – die Problematik, beispielsweise zu hoher Nitratwerte in manchen Regionen, nicht kleinreden können.
Gemeinsame Agrarpolitik: Die Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stehen auf dem Prüfstand. Noch ist offen, wo die Landwirtschaft in der neuen Förderperiode nach 2020 stehen wird. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass das EU-Agrarbudget auf Null zurückgefahren wird, aber es wird mit Sicherheit stark eingeschränkt. Interessant ist auch, wie die Verteilung in der ersten und der zweiten Säule zukünftig aussehen wird.
Tierhaltung: Moderne Haltungssysteme werden vermehrt von Politik und Gesellschaft in Frage gestellt. Insbesondere die Schweinehalter stehen vor großen Herausforderungen, wie dem Verzicht auf das Kupieren der Schwänze und die Einführung der betäubungslosen Kastration.
Baustellen gibt es also genug und Baustellen sind dazu da, dass sie angegangen und abgebaut werden. Denn Schwarzmalen gilt nicht. Die Landwirte und ihre Familien sollten sich nicht entmutigen lassen. Im Gegenteil: Die Landwirtschaft genießt ein tolles Image in der Bevölkerung. Laut der jüngsten Emnid-Umfrage ist die Bedeutung des Berufes Landwirt, wie die LZ berichtete, von Platz 3 auf Platz 2 aufgestiegen. Das Ansehen der Landwirtschaft in der Bevölkerung ist also nicht so leicht zu erschüttern – und das trotz der vielen negativen Medienberichte über Tierhaltung, den Vorwürfen, dass Landwirte Böden und Grundwasser belasten und vieles mehr. Dieses hohe Ansehen sollte den Bauernfamilien Mut machen. Positiv stimmen dürfte die Agrarbranche auch eines: Die Zahl der Auszubildenden in den Grünen Berufen in NRW ist seit sieben Jahren im Vergleich zum Bundestrend stabil. Insbesondere der Beruf Landwirt ist nach wie vor gefragt. Das ist doch erfreulich, oder?