16 - Schweinefleischerzeugung: Rückgang droht

Die deutsche Fleischindustrie befürchtet einen weiteren Rückgang der hiesigen Schweinefleischerzeugung. Im Interview mit Agra-Europe (AgE) kritisiert die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF), Dr. Heike Harstick, hausgemachte Ursachen.

Foto: Andrea Hornfischer

Insbesondere das nationale Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration sei „übereilt“ und die Entscheidung „ohne wirkliche Kenntnis über die Alternativen, die Vermarktungsmöglichkeiten für Eberfleisch, die Auswirkungen innerhalb der EU und das Wohlergehen der Ferkel“ gefallen, so Harstick. Viele Fragen seien nach wie vor ungeklärt. Hinzu komme, dass kein anderer EU-Mitgliedstaat ein solches Verbot erlassen habe. „Wenn es vorteilhafter ist, die Ferkel und das Fleisch dort zu beziehen, wo das Verbot nicht gilt, wird das auch passieren“, warnt die Hauptgeschäftsführerin und sagt für diesen Fall einen drastischen Rückgang der heimischen Ferkelerzeugung voraus. Einige Fleischverarbeiter sowie der Lebensmitteleinzelhandel würden künftig einen zusätzlichen Teil ihres Bedarfs vermutlich im europäischen Ausland einkaufen. Was das für die Sauenhalter und die Schweinefleischerzeugung in Deutschland bedeuten würde, könne sich jeder „an fünf Fingern ausrechnen“. Dringend müsse mit der lokalen Betäubung ein gangbarer Weg bei der Ferkelkastration ermöglicht werden. Beim angestrebten Ausstieg aus der Kastenstandhaltung bedürfe es zumutbarer Übergangszeiten und einzelbetrieblicher Fördermaßnahmen.