17 - Überschüsse verringern

Foto: Detlef Steinert

Ministerin Schulze Föcking will die Nährstoffsituation in NRW durch die Verwertung in Kreisläufen verbessern

In Nordrhein-Westfalen hat der vor allem aus der Tierhaltung stammende organische Nährstoffanfall von Stickstoff (N) und Phosphor (P) von 2013 bis 2016 etwas zugenommen. In keinem Kreis wurde aber der nach der alten Düngerverordnung geltende Grenzwert von 170 kg N je Hektar landwirtschaftliche Fläche (LF) überschritten. Dies geht aus dem Nährstoffbericht

der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hervor, der vergangene Woche in Neuss vorgestellt wurde. Bei den Nährstoffsalden bestehe in mehreren Kreisen aber Handlungsbedarf, wenn neben der Nährstoffabfuhr durch Ernte auch der Einsatz mineralischer Dünger eingerechnet werde. Wird die neue Düngerverordnung als Maßstab he­rangezogen, dann übertraf gemäß den Bedingungen von 2016 in 45 % der Kreise der Phosphorüberschuss den ab 2020 geltenden Grenzwert von 10 kg/ha; bei dem geltenden Stickstoffsaldo von 50 kg/ha war das in zwei Drittel der Kreise der Fall.

Kreisläufe optimieren

Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking will sich für eine bessere Verwertung von Wirtschaftsdünger und eine Reduzierung des Einsatzes von Mineraldünger einsetzen. Ihr Ziel sei es, Nährstoffkreisläufe konsequent zu schließen.

Ihre Strategie beruhe dabei auf den Säulen Fachrecht, welches durch die neue Düngeverordnung abgedeckt werde, Nährstoffmanagement mit einer Umverteilung von Nährstoffen zwischen Betrieben mit Tierhaltung und Ackerbau, technischen Lösungen durch eine genauere und emissionsärmere Einarbeitung, die Ausweitung der bislang bereits sehr erfolgreichen Kooperationen mit der Wasserwirtschaft sowie die Unterstützung der Landwirte durch Fördermaßnahmen und Beratung.

Nitratbelastung leicht gesunken

Die laut Bericht zuletzt recht „ausgewogene Nährstoffverteilung“ und das Unterschreiten der Grenze von 170 kg N tierischen Ursprungs je Hektar LF ist Kammerdirektor Dr. Martin Berges zufolge auch auf die „Zunahme des Transports von Wirtschaftsdüngern aus Regionen mit hohem Aufkommen in Regionen mit Nährstoffbedarf, vor allem Ackerbauregionen,“ zurückzuführen. Zudem wurden Nährstoffströme aus den Niederlanden von höher belasteten Kreisen wie Kleve und Wesel in nährstoffärmere Regionen wie die Köln-Aachener Bucht umgeleitet.

Der Nährstoffbericht zeigt dem Ministerium zufolge auch, dass die Nitratbelastung des Grundwassers in der Gesamtheit der Messstellen in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahrzehnt leicht zurückgegangen ist. „Dies ist erfreulich. Allerdings haben wir nach wie vor Gebiete, in denen die Nitratgrenzwerte im Grundwasser überschritten werden“, stellte Schulze Föcking fest. Sie kündigte an, die neue Düngeverordnung in Nordrhein-Westfalen konsequent umzusetzen und durch weitergehende Maßnahmen in den Risikogebieten zu ergänzen. So sei im Rahmen einer Landesverordnung geplant, die Sperrzeit bei der Ausbringung auf Grünland zu verlängern und Landwirte zu verpflichten, vor der Ausbringung eigener Wirtschaftsdünger deren Nährstoffgehalt zu untersuchen und die Einarbeitungszeit von aufgebrachter Gülle grundsätzlich auf eine Stunde zu begrenzen. Berges wies da­rauf hin, dass moderne Ausbringungstechnik helfe, Nährstoffverluste sowie Emissionen zu vermeiden. Auch dadurch ließen sich mineralische Düngemittel einsparen.

Nährstoffkreisläufe sollen Problemlöser sein

Den entscheidenden Schlüssel für eine umweltverträgliche und zugleich wirtschaftliche Nutzung von Gülle, Mist und Ernterückständen sieht Schulze Föcking in geschlossenen Nährstoffkreisläufen innerhalb und außerhalb des landwirtschaftlichen Betriebs. Ziel müsse es sein, Wirtschaftsdünger vor Ort zu verwerten oder ihn speicher- und transportfähig zu machen. So entstehe in Velen derzeit eine der modernsten Aufbereitungsanlagen für die Gülleseparierung in Europa. Außerdem will sie dazu die Speicherung von Wirtschaftsdüngern in den aufnehmenden Regionen unterstützen. Darüber hi­naus strebt Schulze Föcking freiwillige Branchenlösungen bei der Nährstoffpro­blematik an. „Wir werden mit der Landwirtschaft weitergehende Maßnahmen vereinbaren“, so die Ministerin. Dabei werde ein kooperativer Weg mit Beratung, Anreizen und Förderung angestrebt. Kooperation sei besser und effektiver als Ordnungsrecht. Das zeige das Beispiel der Wasserkooperationen zwischen Land- und Wasserwirtschaft. ds/AgE

Mehr über die Detailergebnisse des Nährstoffberichtes lesen Sie in der nächsten Ausgabe der LZ. Der Bericht ist zudem auf der Internetseite www.landwirtschaftskammer.de abrufbar.