18 - Die bösen Bilder müssen weg

Ist die Initiative Tierwohl nur eine PR-Lüge? Das behauptet jedenfalls der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“.

Bernhard Rüb

Und wieder sind es die Bilder. Bilder aus deutschen Schweineställen, heimlich aufgenommen von selbst ernannten Tierschützern, die illegal in Ställe eingedrungen sind. „Der Schweineschwindel“ überschreibt der „Spiegel“ seinen Beitrag zum Thema. Die Recherche hat der „Spiegel“ diesmal der radikalen Tierschutzorganisation Peta überlassen. So richtig schlimm ist es eigentlich nicht. Das einzige Foto im Beitrag ist nicht schön, lässt aber auch noch keine schwerwiegenden Haltungsmängel erkennen. Bei Peta gibt es nur eine kurze Zusammenfassung der Videos aus angeblich zehn Betrieben, die laut Peta alle bei der Initiative Tierwohl mitmachen. Die sind schon weniger schön, aber kein Vergleich mit den Horrorvideos aus deutschen Ställen, die da sonst geboten werden. Die Botschaft ist allerdings verheerend. Die Initiative Tierwohl sei eine der größten PR-Lügen der vergangenen Jahre, wird der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, zitiert und viele Leser werden denken, dass er damit recht hat.

Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn Unbefugte nachts in Ställe eindringen, um dort Bilder zu machen. Aber richtig weiter hilft das nicht. Auch wenn meistens am Ende keine Verstöße festgestellt werden, bleibt immer verlorenes Vertrauen und das ist ganz schlecht, erst recht bei einer Initiative, die sich das Tierwohl auf die Fahnen geschrieben hat.

Um solche Bilder zu verhindern, gibt es eigentlich nur zwei Wege. Der erste sind hohe Mauern um die Ställe. Das Vertrauen der Verbraucher wird man aber kaum zurückgewinnen können, wenn jeder Schweinestall zur Festung ausgebaut wird. Die einzige Alternative sind Ställe, die jederzeit in einem absolut vorzeigbaren Zustand sind. Wer mit Tieren lebt und arbeitet, weiß, dass es da nicht immer schöne Bilder geben kann. Entscheidend ist, dass die Betreuung nicht unter dem Kostendruck leidet, dass ernst zu nehmende Kontrollen regelmäßig stattfinden und erkannte Probleme umgehend beseitigt werden, nicht nur einmal am Tag.

Die Reaktion auf den „Spiegel“-Beitrag ist bisher überschaubar. Dennoch zeigt der Beitrag, dass die Initiative Tierwohl es noch nicht geschafft hat, Vertrauen zu gewinnen. Dabei ist die Idee, dass Landwirte freiwillig in mehr Tierwohl investieren und dafür die Verbraucher über den Handel zumindest an einem Teil der Kosten beteiligt werden, absolut richtig. Dass der Durchbruch bisher nicht gelungen ist, hat verschiedene Gründe. Ein Grund ist sicher, dass die Gesellschafter der Initiative allesamt Verbände von Unternehmen sind, die mit der Tierhaltung Geld verdienen. Dass es nicht gelungen ist, die wichtigsten Tierschutzorganisationen in der Initiative Tierwohl zu halten, macht die Aufgabe nicht leichter.

Durchgeknallte Tierschützer wie Peta, die jegliche Art der Nutztierhaltung ablehnen, wird man auch mit einer noch so neutralen Kontrollorganisation nicht überzeugen können. Überzeugen muss man die große Mehrheit der Verbraucher, die nach wie vor gerne Fleisch isst, aber sich nicht immer wieder von bösen Bildern den Appetit verderben lassen will. Bei der Suche nach einer Lösung denkt man natürlich zuerst an das Tierwohllabel von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (siehe S. 8). Viele Landwirte fürchten bei einem staatlichen Siegel noch mehr Papierkram und wirklichkeitsfremde Auflagen, die es am Ende unmöglich machen, mit Tierhaltung Geld zu verdienen. Ganz von der Hand weisen sollte man das staatliche Tierwohl-Label aber nicht, das lehrt der Blick auf die Ökobranche. Das unter dem Eindruck der BSE-Krise eingeführte deutsche staatliche Biosiegel hat dem ökologischen Landbau zu einer beispiellosen Entwicklung verholfen. Seit 2001 ist klar, wo bio draufsteht, ist auch bio drin. Die Regeln sind vom Staat, kontrolliert wird von privaten Kontrollorganisationen, die wiederum von Behörden überwacht werden. Die wenigen Bioskandale hat die Branche schadlos überstanden, weil sie schnell bekannt und die Ursachen meist zügig aufgeklärt wurden. Von solchen Zuständen ist die konventionelle Tierproduktion noch weit entfernt.

Die Diskussion über den richtigen Weg zu mehr Tierwohl ist noch lange nicht zu Ende. Sicher ist, die bösen Bilder müssen weg. Was Tierwohl bedeutet, muss klarer definiert werden. Die Spielregeln müssen neutral und glaubwürdig kontrolliert werden. Die Bauern sind gut beraten, sich konstruktiv an dieser Diskussion zu beteiligen, wenn sie dabei nicht unter die Räder kommen wollen.