21 - Jetzt am Ball bleiben!

Dr. Elisabeth Legge

Viele Verbände kennen es: Ihre Mitglieder werden immer älter und wenig neue kommen hinzu. Dieses Phänomen kennt auch der Rheinische LandFrauenverband (RhLV). Nun stoßen die Jungen LandFrauen Niederrhein als neue Untergruppe dazu. Und das ist auch gut so.

Besser hätte es kaum laufen können. Ein volles Haus gab es bei der Gründungsveranstaltung der „Jungen LandFrauen Niederrhein“ am 12. Mai in Sonsbeck. 91 junge Frauen waren der Einladung der drei Initiatorinnen gefolgt. Und es kam noch besser: 42 Teilnehmerinnen des Kennenlern-Brunches wurden noch während der Veranstaltung Mitglied bei den Jungen LandFrauen Niederrhein. 13 der Teilnehmerinnen hatten sich sogar schon vorher zur Mitgliedschaft entschieden. Insgesamt zählt die neue Untergruppe des RhLV damit jetzt bereits 55 Mitglieder. Ein voller Erfolg!

Die Initiatorinnen liegen offensichtlich goldrichtig mit ihrer Idee, diese Untergruppe zu gründen. Sie haben sich dabei ein großes Ziel gesetzt. Sie möchten möglichst viele junge Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren für die Landfrauenarbeit aktivieren. Wichtig ist es ihnen dabei, dass die jungen Frauen unter sich, unter Gleichinteressierten sind. Denn junge Frauen bewegen meist andere Themen als die Älteren.

Und junge Frauen auf dem Land fühlen sich irgendwann zu alt für die Landjugend und noch zu jung für die Landfrauen. Ein Zwischending ist da genau das Richtige und das wollen die Jungen LandFrauen Niederrhein bieten. Ihre Idee ist dabei nicht unbedingt neu. Auch in Niedersachsen gibt es bereits solche Untergruppen und hier hat man gute Erfahrungen gemacht. Was in Niedersachsen klappt, sollte auch im Rheinland funktionieren. Die Junge LandFrauen Niederrhein sollten also kein Einzelfall bleiben. Im Gegenteil: Andere Landfrauenverbände im Rheinland sollten hier nachziehen.

Eine gute Idee ist die eine Sache, aber eine gute Idee muss auch umgesetzt werden. Hier gilt es beispielsweise, Themen aufzugreifen, die junge Frauen auch wirklich interessieren, zum Beispiel soziale Medien und Themen rund um die Kindererziehung. Das aktuelle Jahresprogramm der Jungen LandFrauen Niederrhein wartet jedenfalls dazu mit einem interessanten Programm auf. Wichtig ist, am Ball zu bleiben und immer wieder neue interessante Themen zu finden. Mitglieder zu halten und zum Mitmachen zu motivieren, das ist gar nicht so leicht. Denn das Angebot für junge Frauen von anderen Institutionen ist riesig. Auch Kontakte knüpfen junge Frauen zunehmend über moderne Netzwerke statt über Vereine in der Region. Hier sind die Initiatorinnen der Jungen LandFrauen Niederrhein gefordert.

Und gefordert sind auch die älteren Landfrauen, sprich die Kreis- und Ortsverbände im RhLV. Denn machen wir uns nichts vor, die Kreis- und Ortsverbände brauchen jedes neue Mitglied. Rund 16 500 Frauen vom Land sind Mitglied im RhLV, früher waren es fast 30 000. Nahezu alle Landfrauen-Landesverbände und dadurch auch der Deutsche LandFrauenverband (dlv) als Dachverband auf Bundesebene haben mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Wenn sich der dlv noch vor wenigen Jahren rühmen konnte, mehr als 500 000 Frauen auf dem Land zu vertreten, gehört diese Zeit längst der Vergangenheit an. Die Kreis- und Ortsverbände sind gefordert, weiterhin an ihrem verstaubten und altbackenen Klischee zu arbeiten, das dem Landfrauenverband nach wie vor anhaftet. Aber hiergegen kämpft der Verband längst schon an. Das ist gut so und muss auch so sein. Die Landfrauen müssen zeitgemäß sein und aktuelle Themen in ihren Programmen anbieten. Denn die jungen Landfrauen, die jetzt am Niederrhein Mitglied geworden sind, gilt es auch später für die Arbeit im Kreis- und Ortsverband zu gewinnen.

Nachdenken müssen die Kreis- und Ortsverbände auch einmal über andere Zeiten für ihre Veranstaltungen. Es gehören längst nicht mehr nur Bäuerinnen dem Landfrauenverband an, sondern vielmehr auch Frauen aus anderen Berufsgruppen. Darauf müssen Verbände sich einstellen und vermehrt Abend- und Wochenendveranstaltungen einplanen. Erforderlich sind auch Themen, die Jung und Alt gemeinsam bewegen. Denn ohne die Jungen geht es nicht. Die jungen Frauen sind die Zukunft des RhLV. Dass es gelingt, diese verstärkt an sich zu binden, ist dem Verband, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, nur zu wünschen. Ein guter Anfang ist mit den Jungen LandFrauen Niederrhein jedenfalls gemacht.