22 - Von nichts kommt nichts

Alles soll anders werden, Antworten auf das „Wie“ gibt es aber kaum. Die Politik verspricht, die Suche nach Lösungen zu intensivieren. Aber angesichts der Skepsis gegenüber modernen Technologien und Innovationen fällt es schwer zu glauben, dass die Lösungen so schnell verfügbar sind, wie der Ausstieg aus bewährten Verfahren vollzogen wird.

Bits und Bytes ernähren keine Pflanzen und jäten kein Unkraut. Detlef Steinert

Wenn in der übernächsten Woche nahe Bernburg in Sachsen-Anhalt die Feldtage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) stattfinden, geht es um Sorten und Strategien im Pflanzenschutz, wie sie gerade üblich sind; also um das Hier und Jetzt im Pflanzenbau. Landwirte wie Aussteller tauschen sich dann mit großer Begeisterung über aktuelle Trends aus und diskutieren, wie sie bewährte Strategien noch weiter optimieren können. So war es zumindest bisher und so wird es zumindest ein bisschen auch dieses Jahr sein.

Die Feldtage werden in diesem Jahr aber auch von der Ahnung überschattet sein, dass sich einiges tut, was Gewohntes umkrempeln wird. Die Tage von Glyphosat sind gezählt. Wichtige Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonikotinoide sind für den Einsatz im Freiland verboten. Die Düngeverordnung legt qualitätsorientierten Düngestrategien die Manschetten um. Gleichzeitig nehmen Resistenzen bei Gräsern und Unkräutern zu und die Märkte bedenken die Anstrengung der Landwirte nicht gerade mit üppigen Preisen. Und das alles spielt sich im Angesicht absehbar steigender Herausforderungen hinsichtlich Umweltschutz, Nahrungsmittelqualität und Nahrungsmittelsicherheit ab.

Gerne werden gerade für die Lösung dieses Spagats Digitalisierung und ihre technischen Möglichkeiten ins Feld geführt. Satellitenortung, neue Technologien zur Erfassung von Nährstoffversorgung, Unkraut- oder Krankheitsdruck, über leistungsfähige Prozessoren verarbeitete Datenfluten und schließlich die ebenso präzise Anwendung von Ausbring- und Bekämpfungsmitteln oder -geräten sollen es möglich machen. Bits und Bytes können zwar einen Beitrag leisten, um den Ackerbau exakter und damit ressourcenschonender und umweltfreundlicher zu machen. Aber Bits und Bytes versorgen keine Pflanzen mit Nährstoffen, jäten kein Unkraut und vernichten keine Pilze.

Dafür braucht es neue – auch mechanische – Verfahren und/oder Wirkstoffe sowie die Kultivierung besonderer Pflanzeneigenschaften. Kurz: Es braucht Innovationen, die aus Forschung entstehen. Hier habe ich aber große Zweifel, dass diese genauso schnell verfügbar sind, wie politische Entscheidungen dafür sorgen, bewährte Verfahren aufs Abstellgleis zu schicken.

Dabei geht es nicht nur um die, die am lautesten nach Veränderung in der Landwirtschaft rufen und sich dann teils als die größten Bremser für den Fortschritt in der Landwirtschaft erweisen. So haben zum Beispiel die agrarpolitischen Sprecher der Partei Bündnis 90/Die Grünen gerade ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie etwa die CRIPS/Cas-Technologie rundweg ablehnen. Mit der wäre es möglich, punktgenau das Erbgut eines Organismus zu verändern und so exakt künftig besonders interessante Eigenschaften im Erbgut zu beeinflussen, wie etwa die Pilzanfälligkeit oder die Nährstoffverwertung – und zwar schneller als mit konventionellen Züchtungsverfahren.

Schließlich lässt auch der Haushaltsentwurf für das Bundeslandwirtschaftsministerium für 2018 keine großen Impulse erwarten. Zwar ergibt sich über alle Positionen des Etats hinweg eine Anhebung der Forschungsgelder um einen einstelligen Millionenbetrag. Das ist aber allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Deswegen, weil solche Beträge im Forschungsbetrieb wenig bewirken. Und auch deswegen, weil die Einschränkungen, die die Landwirte aufgrund aktueller Entscheidungen zu verkraften haben, ein Mehrfaches davon vertragen. So befürchte ich, dass es im Pflanzenbau kommt, wie es die Sauenhalter gerade erleben. Zuerst sorgt die Politik für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration, um dann weitgehend Industrie und Wirtschaft zu überlassen, Alternativen zu erforschen. Zu guter Letzt dauert es Jahre (und es dauert noch an), bis die Politik sich durchringt, den so gefundenen Lösungen ihren Segen zu erteilen, damit die betroffenen Landwirte Verlässlichkeit bekommen.