23 - Schreckgespensts Facebook?

Kaum eine soziale Plattform hat so viel Macht und Schlagkraft wie Facebook. Es wird veröffentlicht, geteilt, diskutiert, angegriffen und reagiert, geliked und geworben. Landwirtschaft steht dabei oft im Fokus: ein hochsensibles Thema, das von Emotionen und einer Menge Fehlwissen geprägt ist. Könnten wir über Facebook in Sachen Öffentlichkeitsarbeit noch mehr erreichen? Eindeutig ja!

Marilena Kipp

Bei vielen gilt der erste Blick morgens am Frühstückstisch nicht mehr der Zeitung, sondern dem Smartphone. Falls man es überhaupt so weit schafft, denn man munkelt, dass das Smartphone bei (zu) vielen Menschen schon auf den Nachttisch gewandert ist. Bereits im Jahr 2016 überholten die sozialen Medien erstmals Zeitungen als regelmäßig genutzte Nachrichtenquelle. Das kann man blöd finden, Fakt ist aber: Es passiert! Nicht zuletzt, weil auf Facebook, Instagram, Twitter und Co. auch alle wichtigen Zeitungen, Fernseh- und Radiosender vertreten sind und man alle Neuigkeiten kostenlos bekommt. Und was noch viel wichtiger ist: Dadurch, dass Beiträge geteilt oder kommentiert werden, erhöht sich deren Reichweite. Medien haben das im Blick, werden auf Themen aufmerksam und reagieren.

Bestes Beispiel: Auf Facebook ging ein Video um, auf dem ein Landwirt von einer Spaziergängerin mit veganem Hintergrund beschimpft wird. Hunderte Menschen reagierten darauf und teilten es. Am nächsten Tag berichtete „Die Welt“ über den Vorfall und zwar positiv für den Landwirt. Doch auch Kleinigkeiten haben eine große Wirkung: Die „NRZ“ hat in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband einen Artikel über Landwirte und den Ärger mit Hundehaltern verfasst. Dadurch, dass viele Landwirte diesen auf Facebook teilten, erreichte der Beitrag der „NRZ“ auf Facebook über 35 000 Menschen.

So etwas klappt manchmal, aber nicht immer. Es kommt auch zu Angriffen auf die Landwirtschaft. Zu unsachlichen Diskussionen oder zum Einsatz von Argumenten, bei denen man manchmal nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Kurz gesagt: Sachen, die einen auch mal gehörig auf die Palme bringen können.

Aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es wichtig, dass man weiß, was in diesen Netzwerken passiert und worüber gesprochen wird. Dass man am Ball bleibt. Dass man manchmal, auch wenn es schmerzhaft ist, mitbekommt, wie Menschen über unsere Branche denken und reden. Dass man Berufskollegen unterstützt und deren tolle und innovative Beiträge nach vorne bringt. Dass man mitdiskutiert, damit auch mal eine fachlich richtige Gegenstimme gehört wird. Dass man geschlossen auftritt und zeigt: Hey, wir kennen uns aus, wir zeigen euch unsere Arbeit. Denn Fakt ist auch: Man verpasst sonst etwas! Klar, es ist komisch, mit so etwas anzufangen, wenn man nie Kontakt damit hatte. Und man muss sich auch erst mal ein wenig damit anfreunden. Aber warum nicht einfach mal ausprobieren?

Nicht jeder braucht sofort eine eigene Facebook-Seite für seinen Betrieb und muss Beiträge posten wie verrückt. Aber jeder hat die Möglichkeit, ein privates Profil anzulegen und dabei seine Privatsphäre zu schützen. Einfach mal vorsichtig anfangen, rumstöbern, sich mit Bekannten und Freunden vernetzen, seine Interessen verfolgen und ganz nebenbei mitbekommen, was gerade diskutiert wird. Das kostet zwar auch ein bisschen Zeit, kann aber auch ziemlich interessant sein. Und der beste Nebeneffekt: Selbst wenn man nicht in der Öffentlichkeit stehen möchte, man kann ganz nebenbei andere Landwirte und Organisationen unterstützen. Und wer weiß, wenn man sicherer ist, hat man vielleicht Lust, selbst mal ein Bild aus dem Stall oder vom Feld zu posten.

Dass man mit dieser Offenheit großen Erfolg haben kann, dafür gibt es viele Beispiele. Egal ob Bauernwiki, Brokser Sauen oder Thomas Fabry: Viele Landwirte haben bereits den Schritt in die sozialen Medien getan. Sie leisten dort großartige Arbeit und zeigen den Menschen, was sie tagtäglich machen und wie es auf Betrieben wirklich läuft. Doch es könnten noch mehr sein. Und wer weiß, vielleicht tastet jemand in Köln ohne Kontakt zur Landwirtschaft demnächst morgens verschlafen nach seinem Handy und sieht ein Bild aus dem Kuhstall, das ein Bekannter „geliked“ hat. Irgendwie auch ein ganz guter Gedanke, oder?