(30.06.2016) Weltweit sprechen Marktanalysten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, von Agritel, Coceral oder dem Internationalen Getreiderat, von einer guten Versorgungslage für Getreide 2016/17.
Insgesamt sollen in der neuen Saison 2 034 Mio. t Getreide geerntet werden. Demgegenüber steht ein Verbrauch von
2 022 Mio. t. In der Folge beträgt das Verhältnis von Vorrat zu Verbrauch, auch „Stock to use Ratio“ genannt, rund 25 %. Mit anderen Worten: Der Getreidemarkt ist auch im neuen Wirtschaftsjahr 2016/17 komfortabel versorgt.
Auch für die EU stehen die Zeichen auf grün. Die Getreideernte soll gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2015/16 sogar noch einmal um 7 Mio. t steigen. Eine Erzeugung von 318 Mio. t würde dann einem EU-weiten Getreideverbrauch von 289 Mio. t gegenüberstehen. Angesichts einer deutlich höheren EU-Maisernte wird der Importbedarf der EU-28 im Wirtschaftsjahr 2016/17 zurückgehen.
Aktuelle Meldungen aus den US-Weizenanbaugebieten sprechen bisher von einer mengenmäßigen und hinsichtlich Qualität guten Ernte. Auch für die US-Maisernte überwiegen bisher die positiven Meldungen über die Bestandsentwicklung. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) geht in seiner Juni-Schätzung mit gut 48 Mio. t ebenfalls von einer leicht überdurchschnittlichen Getreideernte aus. Hierbei rechnet der DRV mit einer Weizenernte von 25,4 Mio. t. Dies würde im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2015/16 einen Rückgang um 2,9 % bedeuten. Weiterhin könnten die deutschen Landwirte 9,4 Mio. t Wintergerste (–2,6 %), 3,3 Mio. t Roggen und 4,5 Mio. t Mais (+ 14 %) ernten.
Am deutschen Kassamarkt herrscht weitgehend Ruhe. Im Südwesten Deutschlands liegen die Notierungen für Futterweizen bei rund 150 €/t, ex Ernte wird Futterweizen mit 140 €/t Ende Juni bewertet. Die Rheinische Warenbörse nannte Ende letzter Woche für Brotweizen, ex Ernte, Preise von 152 bis 153 €/t auf der Basis der Rheinischen Mühlenbedingungen. Für den Termin Oktober/Dezember werden 162 bis 163 €/t kommuniziert.
Die Mühlen sind im vorderen Bereich gut mit Backweizen und Brotroggen versorgt und werden erst nach Vorliegen der Ernteergebnisse hinsichtlich Menge, Hektolitergewicht, Proteinwert und Fallzahl verstärkt als Käufer auftreten. Die Mischfutterwerke halten sich nach einem zeitweiligen Preisanstieg für Futtergetreide mittlerweile vom Markt fern. Zu tief sitzen die Erfahrungen des letzten Jahres, als Getreide nach der Ernte vielfach teurer war als in den Folgemonaten. Tatsache ist, dass die Mischfutterindustrie für die Termine August bis Dezember noch Futtergetreide benötigt.
Für detaillierte Prognosen wird auch die Rabobank überregional geschätzt. Sie erwartet, dass in diesem Jahr die deutschen und französischen Weizenproduzenten mit Qualitätsproblemen konfrontiert werden. Aufgrund der weltweit guten Versorgungslage bei Getreide ist jedoch das Aufwärtspotenzial für Weizen begrenzt, zumal unsere Konkurrenten aus den USA, Australien, Argentinien, Russland und der Ukraine mit positiven Meldungen auf sich aufmerksam machen. Die Rabobank erwartet hohe Ernten und umfangreiche Exportaktivitäten. Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums wird die EU-28 auch 2016/17 viel Weizen exportieren. Im Vergleich zu 2015/16 könnte der Weizenexport noch einmal um 2,5 Mio. t auf 35,5 Mio. t Weizen zulegen.
Eine Prognose hinsichtlich der weiteren Preisentwicklung für Getreide ist angesichts der Wetterkapriolen in den letzten Wochen gerade in diesem Jahr besonders schwierig. Abgeleitet vom Terminmarkt in Paris könnte der Erzeugerpreis für Weizen zwischen 140 und 150 €/t ex Ernte liegen, für Körnermais könnte sich der Preis um 150 bis 160 €/t einpendeln. Glaubt man den Aussagen der australischen Rohstoffbehörde Abares, so soll der weltweite Weizenpreis 2016/17 im Durchschnitt nicht mehr als 190 US-Dollar oder 167 €/t betragen. Das wäre der niedrigste Durchschnittspreis seit dem Wirtschaftsjahr 2001/02.
Das Wetter wird an den Terminmärkten und Kassamärkten weiterhin eine maßgebliche Rolle spielen. Das Phänomen „La Nina“ – eine sehr trockene und heiße Wetterlage – hält die Marktteilnehmer in Atem. Insgesamt betrachtet bleibt die globale Versorgungslage für Weizen, Roggen, Gerste, Triticale und Körnermais in der neuen Saison komfortabel. Preisanhebungen nach oben sind angesichts der bisher vorliegenden fundamentalen Daten daher begrenzt.