27/2016 - Nicht nur ums Geld

Der diesjährige Deutsche Bauerntag in Hannover stand ganz im Zeichen der augenblicklichen Markt- und Preiskrise in der Landwirtschaft. Nicht nur finanzielle Hilfen standen dabei im Fokus der intensiven Diskussionen.

Der Bauernverband zeigte beim diesjährigen Bauerntag Selbstbewusstsein und eine große Geschlossenheit - trotz der augenblicklichen Krise. Stefan Sallen

Böse Zungen könnten behaupten: Bei Deutschen Bauerntagen geht es mehr oder weniger immer um finanzielle Hilfen, die den arg gebeutelten Landwirten „aus der Patsche helfen“ sollen. Ein Körnchen Wahrheit ist ja auch daran. So ging es in den 70er und 80er Jahren meistens um auskömmliche Preise für Getreide, Raps oder Milch, die per Interventionspreis in Brüssel festgelegt wurden. Ein Bundeslandwirtschaftsminister – Ignaz Kiechle – wurde sogar beim Deutschen Bauerntag in Aachen ausgeladen, weil er mit einer 3-prozentigen (!) Agrarpreissenkung für Getreide und Ölsaaten vom europäischen Agrarratstisch nach Haus kam. Mit der Liberalisierung der Agrarmärkte standen dann in den 90er und 2000er Jahre die verschiedenen Agrarreformen im Mittelpunkt der jährlichen Bauerntreffen und die Frage, was die Bauern und ihre Familien der Europäischen Union (Direktzahlungen) wert sind.

In diesem Jahr ging es um mehr, es ging ums Eingemachte. Schließlich stehen die deutschen Bauern in einer der wohl schwierigsten markt- und preispolitischen Krise der vergangenen Jahrzehnte. Täglich wird auf den Höfen – insbesondere im Milchbereich – „Geld verbrannt“, viele Bauern haben schon das Handtuch geworfen und eine durchgreifende Besserung ist kurzfristig nicht zu erwarten.

Insofern war es wichtig und richtig, dass Bauernpräsident Joachim Rukwied an die Verantwortlichen in Brüssel und Berlin appelliert hat, tief in die Tasche zu greifen, um weitere Strukturbrüche zu verhindern. Er tat dies in einer kämpferischen Art und Weise, wie man es selten bei ihm erlebt hat. Wenn die Not groß ist, müssen Verbandsvertreter zur Höchstform auflaufen. Das weiß auch Joachim Rukwied und er enttäuschte nicht. Die Delegierten der Landesbauernverbände quittierten seinen Vortrag jedenfalls mit „Standing Ovations“.

Der Bauernpräsident vergaß aber auch nicht, Anerkennung und Respekt für die Bauernfamilien einzufordern. In ungewöhnlich scharfer Form kritisierte er die „Agrarwende-Forderung“ insbesondere grüner Politiker und von Umwelt- und Naturschutzverbänden. „Ihr Fett ab“ als Ministerin „ohne blassen Schimmer“ bekam aber auch Umweltministerin Barbara Hendricks, die erst kürzlich den verstärkten Maisanbau für die Folgen der Hochwasserschäden in Deutschland verantwortlich gemacht hatte.

Gut in Form war auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Zwar nannte er keine konkreten Zahlen, mit denen er den deutschen Bauern helfen will, aber die Art und Weise seines Vortrags kam bei den anwesenden Bäuerinnen und Bauern sehr gut an. Dies wohl auch, weil er keinen Hehl daraus machte, wie sehr ihm die Vorstöße aus den grünen Länderagrarministerien mit immer neuen Belastungen, mit neuen Forderungen und mit neuen Auflagen „so langsam richtig auf die Nerven gehen“.

In Hannover ging es also nicht nur ums liebe Geld. Das wurde auch in den Foren deutlich, in denen um die Zukunft des Milchmarktes, der Tierhaltung, um Umwelt- und Naturschutz oder die Gemeinsame Agrarpolitik heftig und zum Teil kontrovers diskutiert wurde, insbesondere im Bereich der Tierhaltung. Keine Frage: Dieses Thema wird weiterhin – und wohl vor allem im Wahlkampfjahr 2017 – der wohl heißeste Brennpunkt in der künftigen berufsständischen Arbeit bleiben.

Insgesamt zeigte der Bauernverband beim diesjährigen Bauerntag Selbstbewusstsein und eine große Geschlossenheit – trotz der augenblicklichen Krise. Sein Kurs findet auch viel Anklang bei den jungen Betriebsleitern, die sich an der anschließenden Kundgebung mit 3 500 Teilnehmern eindrucksvoll zu Wort meldeten. Auch die Neuwahl des Präsidenten und seiner Vizepräsidenten bestätigte im Prinzip, dass die Landesbauernverbände hinter ihrer Führung stehen, mit einer kleinen Einschränkung: Das relativ schlechte Abschneiden der Vizepräsidenten Werner Hilse (Niedersachsen) und Wolfang Vogel (Sachsen) macht deutlich, dass sich viele doch wohl eine Verjüngung dieses Gremiums gewünscht hätten. Beide Präsidenten sind schließlich schon 64 Jahre alt. Und noch etwas: Mit dem Ausscheiden von Udo Folgart fehlt jetzt ein Milcherzeuger in diesem Gremium. Das ist bei nicht allen Delegierten gut angekommen und sollte bei der nächsten Wahl schnell wieder korrigiert werden.