30/2016 - Mehr Wertschätzung tut gut

Regional ist „in“. Immer mehr Verbraucher möchten gerne wissen, woher das Essen auf ihren Tellern stammt. Und den Trend zu mehr Regionalität sollte die Landwirtschaft weiter ausbauen und unbedingt nutzen.

Schon jetzt sollte sich jeder Landwirt den 1. Oktober in seinem Kalender eintragen und sich überlegen, mit welchen Aktionen er beim "Regio Day" punkten kann. Dr. Elisabeth Legge

Hätten Sie es gedacht? 80 % der Verbraucherinnen und Verbraucher in NRW geben an, mehrmals im Monat Lebensmittel mit regionaler Herkunft zu kaufen. Frische Erdbeeren und Kartoffeln von nebenan sind gefragt und vermitteln Identität und Heimat. Die Menschen in NRW interessieren sich zunehmend dafür, was sie kaufen, woher die Produkte kommen, wer sie erzeugt und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden. Regionalität ist gefragt wie nie zuvor.

Für Direktvermarkter ist dies nichts Neues. Im Gegenteil: Sie sind es, die vor allem auf den Verkauf von regionalen Produkten setzen und damit punkten können. Sie wissen, dass regional erzeugte Lebensmittel hoch im Kurs sind. Die Verbraucher haben nun einmal Vertrauen in die Lebensmittel, die aus ihrer Region stammen. Regionale Erzeugnisse werden schließlich mit Frische und gutem Geschmack, aber auch Gesundheit und Sicherheit verbunden. Gerade das Rheinland mit seinen rund 10 Mio. Verbrauchern vor der Haustür ist prädestiniert für die Direktvermarktung. Rund 2 000 Betriebe zwischen Rhein und Ruhr setzen auf den Ab-Hof-Verkauf. Und hier ist sicherlich noch Luft für den einen oder anderen Neueinsteiger.

Aber warum das Thema Regionalität nur den Direktvermarktern überlassen? Dazu besteht eigentlich kein Grund. Auf den Regionalzug sollten auch viele andere Landwirte aufspringen. Nicht ohne Grund gibt es zurzeit einige Initiativen, die sich die Stärkung der regionalen Lebensmittelerzeugung auf ihre Fahnen geschrieben haben:

Landesverband Regionalbewegung NRW: Anfang Juli wurde in Düsseldorf der Landesverband Regionalbewegung NRW gegründet. Rund 40 Mitglieder gehören dem neuen Landesverband an, darunter Regionalvermarktungsinitiativen wie Bergisch Pur oder die Bio-Region Niederrhein. Der junge Verband hat sich dabei zum Ziel gesetzt, nicht nur die regionale Vermarktung zu stärken, sondern auch zukunftsfähige Stadt-Land-Beziehungen zu organisieren.

Aktion „Köln isst joot“: Das NRW-Verbraucherschutzministerium und die Stadt Köln warten in diesem Jahr erstmals mit den Aktionstagen nachhaltige Ernährung „Köln isst joot“ auf (siehe Artikel auf S. 55). Am 3. September findet auf dem Kölner Rudolfplatz hierzu die Auftaktveranstaltung statt und einen Monat lang wird sich in Köln vieles um nachhaltige Ernährung und vor allen Dingen Wertschätzung von Lebensmitteln, insbesondere regionaler Lebensmittel, drehen.

„Regio Day“: Bundesweit findet in diesem Jahr erstmals am 1. Oktober der „Regio Day“ statt. Organisiert wird dieser Tag von den Landwirten selbst, Mitinitiator ist unter anderem der bekannte „Bauer Willi“ (siehe Interview auf S. 16). Geplant sind für diesen Tag Hofführungen, Nachbarschaftsfeste oder kleine Wochenmärkte. Es gibt viele Möglichkeiten, die Vorteile regional erzeugter Lebensmittel für Umwelt, Verbraucher, Region, Erzeuger, Verarbeiter und viele mehr deutlich zu machen.

Viele Landwirte werden jetzt denken, diese Aktionen sind ja alle gut und schön. Aber was soll das und warum sollen wir beispielsweise beim „Regio Day“ mitmachen? Macht das Sinn? Ja, es macht Sinn und je mehr mitmachen, desto besser. Heimische Lebensmittel sind die, die vor der Haustür wachsen und die sollen beispielsweise im Rahmen des „Regio Day“ wieder mehr in den Fokus rücken. Und hier sind nicht allein nur die Direktvermarkter gefragt. Alle Landwirte können zeigen, was sie machen, beispielsweise wie sie Getreide, Kartoffeln oder auch Zuckerrüben anbauen und ihre Tiere halten. Auch Landhandelsunternehmen, Genossenschaften oder Verarbeitung und Handel sind gefragt, teilzunehmen. Immerhin haben auch sie mit heimischen Lebensmitteln zu tun.

Also schon jetzt sollte sich jeder Landwirt den 1. Oktober in seinen Kalender eintragen und sich überlegen, mit welchen Aktionen er beim „Regio Day“ punkten kann. Dieser Tag ist ein Treffpunkt für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette und insbesondere auch Werbung für die heimischen Produkte und die Landwirtschaft. Dabei geht es vor allen Dingen um Wertschätzung, um mehr Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel und für die heimischen Landwirte. Mehr Wertschätzung können die Landwirte gerade in Zeiten schlechter Preise für ihre Erzeugnisse brauchen. Mehr Wertschätzung tut den Landwirten und ihren Familien einfach gut.