Die Bayer AG – auch und gerade ihre Agrarsparte CropScience – stand bei diversen Imageumfragen innerhalb der Branche immer ganz oben, wenn nicht sogar an der Spitze. Bayer, das sind die Guten, die sich um Nachhaltigkeit kümmern, denen der Bienenschutz am Herzen liegt, die sich im Artenschutz engagieren und die nicht zuletzt natürlich für die konventionelle Landwirtschaft hervorragende Pflanzenschutzmittel entwickeln.
Und jetzt kaufen die Leverkusener das umstrittene US-Saatgutunternehmen Monsanto. Nach monatelangen harten Verhandlungen unterzeichneten die Konzerne Mitte vergangener Woche eine bindende Fusionsvereinbarung. Wenn der Deal auch noch von den Kartellbehörden genehmigt wird, entsteht der weltgrößte Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.
Ein Pakt mit dem Teufel. So jedenfalls lassen sich viele Kommentare interpretieren, nachdem die Meldung vom Kauf des amerikanischen Saatgutunternehmens die Runde machte. Monsanto: Der Name steht für Gentechnik, die in Europa, insbesondere in Deutschland, auf breite Ablehnung stößt und für Glyphosat (Roundup), das – und dieser Hinweis fehlte in keiner Nachrichtensendung – im Verdacht steht, Krebs auszulösen. Für seine Kritiker ist Monsanto damit das Symbol einer Landwirtschaft, die ohne Rücksicht auf Natur und Mensch die reine Profitmaximierung zum Ziel hat. Kein Wunder, dass die Kritik hauptsächlich von Grünen oder Umwelt- und Naturschutzaktivisten kommt.
Aber auch bei Bauern und ihren Verbänden macht sich Unbehagen über die Hochzeit der beiden Agrarchemieriesen breit. Die Kritik aus diesen Kreisen manifestiert sich weniger an der Gentechnik- oder Glyphosatproblematik, sondern an der hohen Konzentration in der Branche. Mit der Fusion hätte der neue Konzern unter dem Bayer-Emblem bei Pflanzenschutzmitteln einen Marktanteil von 27 % und bei Saatgut von 30 %.
Schlechte Erfahrungen mit einer hohen Unternehmenskonzentration haben die Landwirte schließlich beim Lebensmitteleinzelhandel genug gesammelt. Dort haben die fünf größten Unternehmen einen Marktanteil von fast 75 % und bestimmen letztendlich, was die Bauern für ihre Produkte bekommen. Das ist im Augenblick bekanntlich viel zu wenig.
Droht jetzt das Gleiche bei den wichtigen Produktionsmitteln Pflanzenschutz und Saatgut? Wird das Preisniveau in diesem Bereich steigen, auch um den hohen Fusionspreis von rund 59 Mrd. € wieder einzuspielen? Wenn ja, hätten die Bauern nicht nur auf der Erlösseite ein Problem, sondern auch bei den Kosten für wichtige Betriebsmittel.
Keine Frage, der Strukturwandel in der Agrarchemiebranche ist weit fortgeschritten: Wer kennt sie noch die „Vorgänger-unternehmen“ wie Hoechst, Schering, Agrevo, Aventis, Zeneca oder Rhône-Poulenc? Und die Konzentration geht weiter. Nicht nur Bayer und Monsanto „heiraten“, auch andere Zusammenschlüsse in dieser Branche scheinen vor dem Abschluss zu stehen. So liebäugelt Dow Chemical mit DuPont und ChemChina mit Syngenta. Insofern war Bayer fast gezwungen, den Deal mit Monsanto unter Dach und Fach zu bekommen. So sichern sich die Leverkusener ihre Stellung am Weltmarkt und entgehen wohl auch der Gefahr, jemals selbst aufgekauft zu werden.
Bayer-Chef Werner Baumann hat sich Anfang der Woche gegen Kritik an der Milliardenübernahme des US-Saatgutunternehmens vehement gewehrt. Die Übernahme werde – anders als von Skeptikern behauptet – sogar positive Auswirkungen für die Ernährung der Weltbevölkerung haben, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). „Gemeinsam können wir noch mehr dazu beitragen, dass im Jahr 2050 10 Mrd. Menschen satt werden.“ Aber das könnten wohl viele kleinere Unternehmen im Wettbewerb um innovative und praxisgerechte Lösungen auch schaffen. Doch der Trend zu immer größeren Konzernzusammenschlüssen, der auch in anderen Branchen zu beobachten ist, lässt sich – und das darf man bedauern – nicht aufhalten. Bleibt zu hoffen, dass die wohl übrigbleibenden vier Riesen-Konzerne weiter einen fairen Wettbewerb pflegen und dass Bayer seine Firmenkultur, die bislang zu einem herausragenden Image beigetragen hat, auch bei seinem neuen amerikanischen Partner durchsetzt.