„Stern TV“ am vergangenen Mittwoch: Der Einbruch in einen Schweinestall im Donau-Alb-Kreis wird gezeigt. Schweine mit aufgebissenem Hinterteil und angeknabberten Ohren, Kadaver in der Bucht. Dazu abgemagerte Schweine, die nicht mehr laufen können, und vieles mehr. Das sind schreckliche Bilder. Sie machen ärgerlich. Denn sie verderben der gesamten Landwirtschaft den Ruf. Das trifft die Bauern hart. Sie verdienen schon nichts, zahlen sogar drauf. Das Image ist gefühlt schlechter denn je, pauschale Anfeindungen werden mehr. Muss man sich da nicht doch fragen: Läuft alles richtig oder ist es vielleicht doch höchste Zeit, etwas zu verändern?
Der in „Stern TV“ gezeigte Betrieb trug das QS-Siegel. Er war sogar teilnehmender Betrieb der Initiative Tierwohl. Die Initiative hat sofort gehandelt: Unmittelbar nachdem sie die Hinweise auf die Zustände vor Ort erhalten hat, gab es ein außerplanmäßiges Sonderaudit einer unabhängigen Zertifizierungsstelle. Das hat der Betrieb nicht bestanden. Damit wurde er mit sofortiger Wirkung aus der Initiative Tierwohl ausgeschlossen und musste alle bisher gezahlten Leistungen zurückzahlen. Gut so! Das war konsequent und ein richtungsweisendes Zeichen! Die „Stern TV“-Redaktion wurde übrigens vorab über das Vorgehen der Initiative und die Konsequenzen für den gezeigten Betrieb informiert. Aber das spielte keine Rolle mehr.
Zusammenstehen und die Arbeitsweise transparent machen sollte jetzt die Devise der Tierhalter sein! Sonst bekommen die Verbraucher den Eindruck, dass es überall so aussieht wie in diesen „Fuddelsbetrieben“. Das darf nicht sein!
Wenn man jede Woche einen Stalleinbruch mit bundesweiter Ausstrahlung im Fernsehen präsentiert bekommt, steigt die Angst und man hofft, dass es einen nicht selbst trifft. Schließlich kann man überall etwas Schlechtes filmen, das, wenn man es nur richtig zusammenschneidet, mit dramatischer Musik unterlegt und den richtigen Ausschnitt wählt, beschämend wirkt, selbst wenn die Betriebe sogar eigentlich in Ordnung sind. Technisch kein Problem. Wenn die Verhältnisse wirklich so sind, muss man allerdings dringend etwas ändern! Wer Landwirt bleiben will, muss der Gesellschaft deutlich zeigen, dass Betriebe, die mit solchen Bildern wie in „Stern TV“, zu Recht in die Kritik geraten, nicht schützenswürdig sind und vor allem nicht die Tierhaltung schlechthin darstellen.
Eine beschönigende Werbekampagne, die in der Vergangenheit schon so oft die vermeintliche Lösung des Berufsstandes gegen gravierende Probleme war, hilft hier nicht. Wie kann man das Vertrauen der Bevölkerung in die Landwirtschaft zurückgewinnen? Andere, der Landwirtschaft gegenüber nicht freundlich gestimmte Organisationen beeinflussen die Medien immer wieder mit kritischen Themen. Statt solche Punkte selbst anzugehen, wird abgewartet, bis die Medien wieder zuschlagen. Die Landwirtschaft muss jetzt erst einmal in die Situation kommen, dass man ihr wieder glaubt. Und dazu müssen die Bauern selbst aktiv werden!
Es ist ganz klar, dass die Medien am meisten Quote mit Skandalen und schlechten Nachrichten machen. Daher fehlt es schließlich immer mehr an positiven Nachrichten und Berichten. Trotz allem sollten Landwirte nicht aufhören, darauf hinzuweisen, dass es auch einen ganz legalen Weg gibt, sich über Tierhaltung zu informieren. Wie der Verein i.m.a richtig in seiner Pressemitteilung bemerkt, muss man nicht in Ställe einbrechen, um „Einsichten in die Tierhaltung“ (wie auch ein Projekt heißt) zu bekommen. Viele Landwirte öffnen bereits ihren Stall, sei es mit einem Fenster im Stall, mit Tagen des offenen Hofes oder Führungen.
Das Wohl der Nutztiere hat für mindestens 90 % der Tierhalter Priorität. Wie Bäuerin und Mental-Trainerin Elke Pelz-Thaller richtig feststellte: Auch nach dem „Stern TV“-Beitrag darf man überzeugt sein, dass in Deutschland unter höchsten Standards Tiere gehalten werden. Landwirte, die sich nicht ordentlich kümmern und krumme Dinger machen, verdienen diese Berufsbezeichnung nicht und müssen gestoppt werden.