Noch größer und noch internationaler wird sie sein. Auf diesen kurzen Nenner kann die EuroTier 2016 gebracht werden. Die Messe setzt eine neue Rekordmarke in punkto Ausstellerbeteiligung. Knapp 2 600 Aussteller aus 57 Ländern werden vom 15. bis 18. November in Hannover vertreten sein. Die Zahl der Aussteller liegt damit um 4 % über dem bisherigen Rekordergebnis der EuroTier 2012. Gewachsen ist auch erneut die Ausstellungsfläche auf nunmehr über 280 000 m². Diese Rekordzahlen hören sich nicht schlecht an. Eigentlich. Aber die Investitionsbereitschaft in der Branche lässt mehr als zu wünschen übrig.
Und die geringe Investitionsbereitschaft kommt nicht von ungefähr. Für die deutschen Tierhalter tun sich eine Menge Probleme auf:
Stichwort Preissituation: Nach wie vor drücken vor allen Dingen die Erzeugerpreise auf die Stimmung. Hinter den Milcherzeugern und den Schweinehaltern liegt ein langes Preistal. Bei der Milchpreisen geht es inzwischen wieder aufwärts. Ob bei den Schweinepreisen ebenfalls das Ende der Talfahrt erreicht ist, muss sich noch zeigen.
Stichwort Verordnungen und Gesetze: Die Politik macht den Landwirten schwer zu schaffen. Insbesondere auf die Tierhalter prasseln eine Menge von Verordnungen und Regelungen ein. Dazu gehört unter anderem die Forderung von Bundesumweltministerin Barbara Hendriks nach einer Änderung des Baurechts hinsichtlich der landwirtschaftlichen Privilegierung, sprich dem Stallbau im Außenbereich.
Stichwort Tierschutz: Moderne Haltungssysteme werden vermehrt von Politik und Gesellschaft in Frage gestellt. Zunehmend unter Beschuss stehen dabei vor allen Dingen die Schweine- und Geflügelhalter. Fakt ist, der Tierschutz hat einen immer höheren Stellenwert und die Tierhalter müssen die Diskussion um Tierschutzthemen ernst nehmen. Dies gilt mehr denn je. Schwarze Schafe gibt es zwar in jeder Branche, aber Tierhalter sind keine Tierquäler. Im Gegenteil: Allein aus wirtschaftlichen Gründen sind sie an einer optimalen Haltung ihrer Tiere interessiert.
Stichwort Image: Der Druck von Seiten der Gesellschaft auf die Tierhalter wird immer größer. Schlagwörter wie Agrarfabriken und Megaställe sind in den Medien inzwischen gang und gäbe. Unbestritten ist: Das Image der Tierhaltung hat einen dicken Knacks bekommen. Dies sorgt neben dem wirtschaftlichen Druck für weiteren Druck auf die Tierhalter.
Die landwirtschaftliche Tierhaltung braucht allerdings die gesellschaftliche Akzeptanz und sie muss weiter an ihrem Image arbeiten. Ja, sie braucht ein anderes, ein wieder positiveres Image. Und das hat sie auch verdient. Die Nutztierhaltung in Deutschland ist viel besser als ihr Ruf. Sie hat in den vergangenen Jahren eine Menge erreicht und vor allen Dingen verbessert. Wer hätte denn beispielsweise an den großen Erfolg der Antibiotikareduktion gedacht? Und auch was die Haltung anbelangt, so hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Haltung von Schweinen, Geflügel oder Rindern in muffigen, dunklen und beengten Ställen ist Vergangenheit und hat nichts mehr mit der Tierhaltung von heute in modernen, gut durchlüfteten, klimatisierten und hellen Ställen zu tun. Außerdem werden in Deutschland tierische Produkte – egal ob Milch, Fleisch oder Eier – unter höchsten Standards erzeugt und diese Lebensmittel haben eine Top-Qualität.
Die Tierhalter wissen das, aber sie müssen diese Botschaft auch der Politik und dem Verbraucher vermitteln. Vor allen Dingen müssen sie sich zusammen mit dem Berufsstand in die Diskussion einmischen und aufzeigen, was geht und was nicht geht. Natürlich ist auch die Forschung gefordert. Nicht alles, was vermeintlich als Tierschutz angesehen wird, darf auf Kosten der Landwirte durchgepeitscht werden. Ansonsten gerät der Nutztierstandort Deutschland ernstlich in Gefahr.
Das Thema Tierschutz ist längst in der Branche angekommen. Auch die diesjährige EuroTier wird dies wieder zeigen. Mit dem Thema tiergerechte Haltung und Tiergesundheit setzt man sich auseinander und Innovationen in diesem Bereich werden in Hannover nicht fehlen. Mit zahlreichen Verbesserungen zur Arbeitswirtschaft in den Betrieben wird die Messe ebenfalls aufwarten. Und auch wenn sich die Investitionsbereitschaft der Tierhalter momentan in Grenzen hält, so dürfte die EuroTier auch diesmal wieder einen Besuch wert sein.
Also auf nach Hannover!