47 - EuroTier: Eine Nachlese

Sie ist die Weltleitmesse für die Veredelungswirtschaft: die EuroTier. 2 629 Aussteller aus 58 Ländern und 163 000 Besucher – davon 36 000 aus dem Ausland – sind beeindruckende Zahlen. Das internationale Publikum fehlte jedenfalls bei der Messe in Hannover nicht. Aber kann die EuroTier ihren Status halten?

Dr. Frank Greshake

Diesmal war es in Hannover ein wenig anders als sonst. Sah man einst viele Landwirte – ein wenig gestresst – ein ordentliches Besuchsprogramm absolvieren, so war in diesem Jahr der Besucherandrang bei den Firmen für Stallbau-, Haltungs- und Energietechnik überschaubar. Auf eine Gelegenheit, mit den Repräsentanten der Firmen ins Gespräch zu kommen, musste man nicht lange warten. Miserabele finanzielle Ergebnisse in der Milchvieh- und Schweineproduktion hinterlassen eben auch in der Leitmesse für diese Sektoren ihre Spuren. Aber es sind ja nicht nur die leeren Kassen der Landwirte. In früheren Zeiten wurde dann zum Teil bewusst „antizyklisch“ investiert, weil die Hersteller zu Preiszugeständnissen eher bereit und Liefertermine kein Thema sind – was die Planung und Bauabwicklung erheblich erleichtert.

Aktuell nichts dergleichen! Teure und umständliche Genehmigungsverfahren, Unsicherheiten bei der „Laufzeit“ der gewählten Haltungsverfahren, die anstehende Verschärfung des Düngerechts, verschiedene Fragezeichen bei der weiteren Förderung der alternativen Energien – es ließe sich hier noch einiges mehr an Gründen aufzählen. Der vor- und nachgelagerte Bereich spürt die Folgen in seinen Auftragsbüchern. Auch wenn die großen wie auch viele mittelständische Stalleinrichter das „große Geschäft“ längst in Übersee tätigen, ein weiterer Ausfall der deutschen und/oder europäischen Kundschaft wäre für diese Firmen langfristig kaum zu verkraften. Ein weiterer Verlust an qualifizierten Arbeitsplätzen auf dem Land – ein Gruß an die Politiker aller Couleur – würde die ohnehin strukturschwachen Regionen zusätzlich benachteiligen.

Zurück zur EuroTier. Die Stände der Futtermittelfirmen, Zuchtverbände und Organisationen der Tierproduktion waren zumindest an den Nachmittagen besser besucht und Meinungsaustausch war angesagt. Verständlich in einer Zeit, in der die Verunsicherung tiefsitzt. Auch bei den Ausstellern ist der Wandel zu erkennen. So manche regionale Zuchtorganisation ist nicht mehr am Markt oder in Zusammenschlüssen aufgegangen.

Also in Zukunft zu Hause bleiben und nur noch im Internet recherchieren? Sich die lange An- und Abfahrt nach Hannover ersparen und später die Reisenden befragen? Nein. Auch wenn die große Investition nicht mehr ansteht, so kann und wird der eigene Blick in die neuesten technischen Entwicklungen nicht schaden. Denn Reparatur- und Ersatzinvestitionen stehen immer wieder an. Da die technische Entwicklung immer weiter geht, muss man auch da auf dem aktuellen Stand der Technik sein. Ein Beispiel dafür sind die Lüftungsmotoren. Die „laufen“ zwar oft viel Jahre, fressen aber nicht selten immer mehr Strom. Austausch ist da auch in finanziell schwachen Zeiten angesagt. Ein immer umfangreicheres Gebiet ist auch die Überwachung technischer Abläufe oder gar die Wiederinbetriebnahme nach Störungen per Smartphone. Vernetzung ist das Thema der Zukunft und entwickelt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Wichtig ist aber, dass bei den Entwicklungen auch die kleineren landwirtschaftlichen Betriebe im Blickfeld der Hersteller bleiben. Ganz fatal wäre, wenn die Landwirte zu der Erkenntnis kommen müssten, dass sie nicht nur mit den Größenordnungen in Übersee nicht mehr mitkämen, sondern auch technisch abgehängt würden. Einiges deutet darauf hin. Eine ganz ungute Entwicklung!

Übrigens sind es nicht nur die großen, bekannten Namen, die den technischen Fortschritt präsentieren. Ein Bespiel: Ein kleines Unternehmen aus Österreich könnte ab Sommer 2017 den Schweinemästern einfach per Fotoklick das lästige Wiegen der Mastschweine abnehmen. Für Mensch und Tier wäre das ein wirklicher Fortschritt – 120-kg-Schweine auf die Waage zu dirigieren, ist echte Maloche.

Und so lohnt er denn doch, der lange Weg durch die Messehallen, durch das Gewirr auch unbekannter Austeller, zum Beispiel aus dem asiatischen Raum. Denn immer internationaler wird die gesamte Landtechnik. Dabei ist zu hoffen, dass die EuroTier Magnet der deutschen und europäischen Viehhalter bleibt und diese Position auch im Wettbewerb mit den erstarkenden asiatischen und amerikanischen Messestandorten halten kann. Innovation und Leistungsfähigkeit sind die wesentlichen Voraussetzungen dafür. Die Politik – das zeigt auch immer wieder so eine Messe – muss dafür Freiräume schaffen. Allein durch Gesetze und Verordnungen wird der Fortschritt nicht beflügelt, nicht selten auch zu Lasten von Mensch und Tier gebremst. Und Fortschritt muss ja nicht gleich wieder größere Ställe bedeuten. Die EuroTier war wieder das große Treffen der Veredelungswirtschaft. Bleibt zu hoffen, dass sie auch in Zukunft ein fester Termin im Kalender der Landwirte bleibt und ein Angebot für große und kleine landwirtschaftliche Unternehmen bietet. Sonst würde doch etwas fehlen!