Landwirte in Deutschland arbeiten nach Richtlinien und Gesetzen. Die meisten Landwirte, die ich kenne, leben für ihren Job. Sie sind mit Herzblut dabei. Sie sind jeden Tag des Jahres bei ihren Tieren und versorgen sie. Viele engagieren sich ehrenamtlich oder beteiligen sich an Projekten, nutzen neue Technik. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie selbst es wollen. Doch was passiert mit den Tieren, wenn sie den Hof verlassen? Wo kommen sie hin, wie werden sie im Ausland behandelt, wie werden sie geschlachtet? Dinge, die der Landwirt nicht mehr in der Hand hat und denen das ZDF nachgehen wollte. Dabei sind schlimme Bilder entstanden. Totgetrampelte Tiere, verdurstende Tiere, panische Tiere, qualvolle Schlachtungsprozesse, bei denen man nicht weiß, ob es sich um blutigen Stierkampf oder wirklich eine fachgerechte Tötung handeln soll. Kurz gesagt, Bilder bei dem einem das Essen wieder hochkommen kann. Und Schicksale, die sich kein Landwirt, den ich kenne, für seine Tiere wünscht oder gar tolerieren würde. Viele dieser Bilder entstanden anscheinend bei Transporten aus der EU hinaus und der Schlachtung in der Türkei und im Nahen Osten.
Nicht eingehaltene Ruhepausen, die eigentlich schon schlimm genug sind, scheinen hier fast noch das kleinere Übel zu sein, wenn man die blutigen Szenen des Ausladens und der Schlachtung sieht. Doch die Tierschützer von der Animal Welfare Foundation, die in der Dokumentation zu Wort kommen, betonen, dass viele Transportunternehmen sich stark verbessert und einiges investiert hätten. Aber das hilft wenig, wenn sie trotzdem manchmal tagelang an Grenzen festsitzen, das Wasser ausgeht und keine Möglichkeit nachzufüllen besteht. Aus Tierschutzsicht eine untragbare Situation. Und man erwischt sich selbst bei der Frage: Wie kann so etwas passieren? Darf man lebende Tiere Hunderte oder gar Tausende Kilometer durch Europa oder über Ozeane karren? Damit sie am Zielort geschlachtet werden unter Bedingungen, die in Deutschland undenkbar wären? Die Meinungen in den sozialen Medien hierzu sind eindeutig. Viele praktizierende Landwirte sind selbst erschreckt von den Bildern und fordern einen Stopp der Schlachttiertransporte in Drittländer. Gleiche Stimmen kommen von Politik und Verbänden.
Diese Reaktionen von deutschen Praktikern und Menschen aus der Branche sind wichtig. Sie widerlegen nämlich genau das, was deutschen Landwirten oft vorgeworfen wird. Tiere sind nicht egal und Tiere sind nicht nur Ware. Es ist wichtig, diese Meinung zu vertreten und gemeinsam als Branche gegen solche Bilder vorzugehen und zu sagen: Nein, das wollen wir nicht! Die Tierhaltung in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig weiterentwickelt. Neue Ställe, mehr Komfort und Tierwohl, bessere Gesundheitsüberwachung, Labels, Ringelschwanzprojekt, Initiative Tierwohl – all diese Dinge sorgen dafür, dass es Tieren in Deutschland gut geht. Und das muss so bleiben! Hier kommt jedoch auch der Verbraucher ins Spiel. Die Produktion für deutsche Landwirte wird schwieriger und die Preise sind ein ewiges Hin und Her. Die Befürchtung: eine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Doch ist es nicht besser, hier zu produzieren? Wo Tiere von Gesetzen geschützt werden und Tierschutz nicht an einem Hafen oder Tor endet?
Von Medien, Tierschutzorganisationen und Dokumentationen kann man halten, was man möchte. Doch die in der vergangenen Woche gezeigten Bilder dürfen nicht totgeschwiegen und vergessen werden. Von dem, was dort passiert, kann man sich als normaler Mensch nur ganz klar distanzieren und Veränderungen fordern. Egal ob Schlacht- oder Zuchttier, Tierschutz darf nicht an der Grenze aufhören. Kein Exportgeschäft der Welt ist es wert, dass solche Bilder entstehen. Die Antwort auf die Frage: Muss das sein? Nein!