NRW-Erntebilanz: regionale Unterschiede und deutliche Qualitätseinbußen
„Große Erwartungen, dann ein enttäuschendes Ergebnis“, so bilanzierte Ministerin Silke Gorißen am Dienstag bei der Ernte-Pressekonferenz des Landwirtschaftsministeriums auf dem Gut Marienfelde der Familie Hogen in Titz die diesjährige Getreideernte. Die war laut Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer, „in diesem Jahr herausfordernd und wurde für viele Betriebe zu einem Geduldsspiel“. Ursache seien die extremen Witterungsverhältnisse, die zu deutlichen Ertragsunterschieden und Einbußen in der Qualität geführt haben.
Werring zufolge gab es in diesem Jahr drei solcher Wetterphasen. Zunächst bis in den Mai hinein ein nasses und kühles Frühjahr, das die Befahrbarkeit der Flächen und damit Düngung und Pflanzenschutz erschwert habe. Auf die darauf schlagartige Trockenheit seien die Pflanzen aufgrund zu geringer Wurzelbildung nicht genügend vorbereitet gewesen. Hinzu kamen Regenfälle während der Haupterntewochen ab Ende Juli. Allerdings stellt Werring deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen fest. In allen Landesteilen konnte die Wintergerste weitgehend vor der Regenphase abgeschlossen werden, so dass dafür belastbare Zahlen vorliegen. Mit 8,1 t/ha und guten Qualitäten sei das Ergebnis überdurchschnittlich. Bei Winterweizen schwanken den Angaben zufolge die Erträge aber zwischen Totalausfällen und 9 t/ha auf Flächen, die vor Mitte Juli gedroschen wurden. Hier machte Werring deutliche Unterschiede in den Druschzeitpunkten zwischen den Regionen aus. So hätten bis zu Beginn der Regenphase im Rheinland 70 % abgeerntet werden können, während in Münsterland und Ostwestfalen, am Niederrhein und in den Höhenlagen bis dahin noch 70 % des Weizens auf dem Feld gestanden habe.
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70 % geerntet, 70 % auf dem Halm
Foto: Mark Hermenau für MLV