„Eine Nutztierhaltung sieht nicht aus wie in Bullerbü und mein Kotelett fällt auch nicht vom Himmel.“ Das war René Schneider durchaus bewusst, aber mit wie viel Arbeit die Schweinehaltung Tag für Tag verbunden ist, davon hat sich der Politiker Schneider am Freitag letzter Woche selbst ein Bild gemacht. Einen Tag lang absolvierte der Abgeordnete aus Kamp-Lintfort, der seit Mai 2012 für die SPD im Landtag NRW ist, ein Praktikum auf dem Weyershof der Familie Hußmann in Alpen. Dabei ließ sich der Diplom-Journalist bei einem Gang durch die verschiedenen Stallabteile die Abläufe in der Sauenhaltung erläutern und packte auch selbst mit an. Bis zum Mittag hatte der Praktikant geholfen, eine Partie Ferkel gegen Mykoplasmen zu impfen und im Maststall Stroh als Beschäftigungsmaterial in die aufgehängten Eimer verteilt.
Ungewohnt und schweißtreibend sei die Arbeit im Stall gewesen, erzählt Schneider von seiner Erfahrung in der landwirtschaftlichen Praxis. Das Bauernhof-Praktikum sieht er als Teil seiner politischen Arbeit. Mindestens zweimal jährlich nimmt Schneider sich Zeit für ein Tagespraktikum, um in seinem Wahlkreis im linksniederrheinischen Kreis Wesel in den Berufsalltag verschiedener Bereiche reinzuschauen. „Dabei interessieren mich vor allem die Berufsfelder, die mit vielen Vorurteilen belastet sind“, erklärt der Abgeordnete und berichtet von einer Nachtschicht bei der Polizei, dem Einsatz in einer Großbäckerei, im Versandlager von Amazon oder als Erntehelfer auf einem Spargelbetrieb. „Vorurteile lassen sich entkräften, wenn man erfährt, was dahintersteckt und die Zusammenhänge begreift“, schätzt Schneider den Blick hinter die Kulissen.
Ernst und Doris Hußmann haben sich gerne Zeit genommen, ihrem Praktikanten die Fragen zu beantworten und zu erklären, warum welcher Arbeitsschritt notwendig ist. „Themen waren unter anderem die Tierwohl-Anforderungen und die freie Abferkelung und wir haben erläutert, was die Umsetzung für unseren Betrieb bedeuten würde“, erzählt Ernst Hußmann. „Wenn ich weiß, dass eine Sau nur während der dreiwöchigen Säugezeit in der Abferkelbucht mit Ferkelschutzkorb liegt und sich anschließend wieder in einer Gruppenbucht frei bewegen kann, da kann ich die Haltung doch anders beurteilen“, ist eine Erkenntnis, die Schneider aus dem Austausch mit dem Praktiker mitnimmt.
Beim Mittagessen kamen dann weitere Themen auf den Tisch. „Wir haben über den wachsenden Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen gesprochen, dem wir hier in der Region vor allem durch die Auskiesungspläne und die Ausweisung von Gewerbegebieten sowie von Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten ausgesetzt sind“, sagt Hußmann. In dem Familienbetrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau, den Ernst, Doris und Sohn Thomas Hußmann zusammen bewirtschaften, ist René Schneider eines ganz deutlich geworden: „Landwirte denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen.“ cnb