Die italienische Regierung ist bereit, dem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur-Block zuzustimmen. Im Gegenzug stellt sie aber Bedingungen. Regierungschefin Giorgia Meloni stellte klar, dass Rom den Handelsvertrag ablehnen werde, wenn er keine konkreten Garantien zum Schutz der Landwirte in Italien und dem übrigen Europa enthalte. Konkret fordert die italienische Regierungschefin wirksame Schutzmechanismen, aber auch die Einrichtung eines angemessenen Ausgleichssystems für Branchen, die zu starke Störungen ihrer Märkte erleiden. Die Position Italiens dürfte laut Beobachtern in Brüssel entscheidend dafür sein, dass der Rat mit qualifizierter Mehrheit die Übereinkunft mit den Südamerikanern billigt. Ohne Italien würden die das Abkommen ablehnenden Mitgliedstaaten keine Sperrminorität erreichen.
Rindfleischkontingent: 15 statt 1,5 %
Das vereinbarte Rindfleischimportkontingent für die Südamerikaner trifft den europäischen Markt allem Anschein nach stärker, als die Zahlen es ausdrücken. Darauf hat jetzt Jacek Zarzecki von der polnischen Plattform für nachhaltiges Rindfleisch hingewiesen. Bezogen auf den gesamten EU-Rindfleisch- und Kalbfleischverbrauch entsprechen die 99 000 t laut Zarzecki nur einem Anteil von 1,5 %. „Das ist aber nicht ganz richtig, es verzerrt die Realität“, erklärte der Marktexperte. Denn bei diesen 1,5 % handle es sich um die besten Teilstücke des Rinds. Bei den 99 000 t gehe es nämlich um Roastbeef, Lende und Entrecôte, von dem in der EU jährlich knapp 700 000 t produziert würden. Es zeige sich also, dass es sich bei der Kontingentsmenge nicht um 1,5 %, sondern um etwa 15 % des Volumens handle. Der belgische Europaabgeordnete Benoît Cassart, selbst Rinderzüchter, hatte schon unmittelbar nach der Einigung auf die Übereinkunft erklärt, dass die Importkontingente für Rindfleisch die Premium-Teilstücke betreffen, weshalb diese eine echte Bedrohung für den EU-Markt darstellten. Denn die Landwirte in der Union würden mit den Premium-Teilstücken ihr Geld verdienen.
Zuckerrübenanbau vor deutlicher Einschränkung
Rückläufige Zuckerpreise, höhere Importe aus der Ukraine und nicht zuletzt das Mercosur-Abkommen machen der Zuckerindustrie in der EU das Leben aktuell schwer. Dies gilt auch für die Branche in Polen, wo die Zuckerfabriken den Landwirten empfehlen, die Produktion im Jahr 2025 spürbar zu reduzieren. Nach aktueller Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden des Nationalen Verbandes der Zuckerrübenproduzenten, Rafał Strachota, dürfte der Anbau in Polen zur Ernte 2025 um 9 % auf 255 000 ha eingeschränkt werden. In diesem Jahr war mit 280 000 ha aber auch ein vergleichsweise großes Areal verzeichnet worden. Zur Ernte 2023 waren in Polen 265 000 ha mit Zuckerrüben bestellt worden, 2022 nur 221 000 ha. Polen ist nach Deutschland und Frankreich das EU-Mitgliedsland mit der größten Zuckerproduktion. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 wurden dort 2,6 Mio. t Zucker erzeugt. In Deutschland waren es 4,4 Mio. und in Frankreich 4,0 Mio. t gewesen.
AgE/ke