Schätzungen zu Produktion, Nachfrage, Handel und Preisen für die wichtigsten Agrarerzeugnisse in 59 Ländern und sechs geografischen Regionen enthält der jetzt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vorgelegte „OECD-FAO Agricultural Outlook 2020–2029“. Ein Sonderkapitel befasst sich außerdem dezidiert mit den Auswirkungen der aktuell weltweit grassierenden Corona-Pandemie. Wie die beiden Organisationen anlässlich der Veröffentlichung resümieren, wird das Angebot an Agrarrohstoffen in den nächsten zehn Jahren absehbar stärker wachsen als die Nachfrage. Dadurch dürften die Realpreise der meisten Agrarrohstoffe auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben oder sinken.
Das Wachstum der Weltbevölkerung bleibt nach Einschätzung der OECD und FAO der wesentliche Nachfragetreiber bei Agrarrohstoffen. Der Anteil der Grundnahrungsmittel am Gesamtkonsum dürfte bis 2029 in allen Einkommensgruppen abnehmen. Insbesondere in Ländern der mittleren Einkommensgruppe dürften die Verbraucher zusätzliches Einkommen nutzen, um ihre Ernährung von Grundnahrungsmitteln auf höherwertige Produkte umzustellen. Unterdessen dürften ökologische und gesundheitliche Erwägungen in Hocheinkommensländern eine Abkehr von tierischen Proteinen zugunsten alternativer Pro-teinquellen begünstigen.
Die Steigerung der globalen Erntemengen in den nächsten zehn Jahren ist nach Einschätzung der beiden Organisationen zu rund 85 % Folge eines erhöhten Einsatzes von Vorleistungen, außerdem von Investitionen in Produktionstechnologien und besserer Anbaumethoden. Weitere 10 % seien durch Mehrfachernten zu erklären, und lediglich 5 % entfielen auf die Ausweitung der Anbauflächen.
Zu den aktuellen Herausforderungen zählen für FAO und OECD neben der Corona-Pandemie auch die in Ostafrika und Asien grassierende Heuschreckenplage, die anhaltende Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die Häufung extremer Wetterereignisse sowie Handelsspannungen zwischen bedeutenden Handelsmächten. Darüber hinaus müsse das Ernährungssystem an die veränderten Ernährungsweisen und Verbraucherpräferenzen angepasst werden. AgE