Aus Sicht der EU-Kommission haben sich die Agrar- und die Ernährungssektoren in der Europäischen Union in der Corona-Krise bislang als widerstandsfähig erwiesen. Insgesamt hätten sich die Produzenten den beispiellosen Herausforderungen nach Ausbruch der Corona-Pandemie angepasst. Diese Schlussfolgerung ziehen die Brüsseler Beamten in dem am Montag vergangener Woche in Brüssel vorgestellten kurzfristigen Ausblick zur wirtschaftlichen Situation der europäischen Land- und Ernährungswirtschaft. Eingeräumt wird, dass sich Hamsterkäufe sowie die Schließung von Gastronomiebetrieben direkt auf die Lebensmittelproduzenten auswirkten. Einerseits würden Grundnahrungsmittel wie Mehl, Nudeln, Reis, Obst- und Gemüsekonserven stärker nachgefragt. Andererseits sei ein deutlicher Rückgang etwa bei hochwertigen Fleischpartien sowie Wein und Käsespezialitäten, die vielfach außer Haus verzehrt würden, zu verzeichnen. Im Hinblick auf die Ernten 2020 erwartet die Kommission nach derzeitigem Stand, dass die Getreideproduktion von zuletzt 294 Mio. t auf etwa 288 Mio. t sinken wird.
Zum Zuckermarkt sagt die Kommission eine weitere Einschränkung der Zuckerrübenfläche um 3 % zur diesjährigen Ernte in der EU voraus. Nachdem die Zuckerproduktion der Gemeinschaft 2019/20 schätzungsweise auf rund 17,4 Mio. t gesunken ist, wird der Behörde zufolge voraussichtlich auch der Konsum abnehmen, verstärkt durch die aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen. Für den Milchmarkt erwartet Brüssel – wie auch im vergangenen Jahr – ein leichtes Produktionswachstum, und zwar von 0,4 %. Als kritisch bewertet es die Kommission, dass der jährliche Höhepunkt der Milchproduktion mit der aktuellen Corona-Pandemie zusammenfalle. Zudem würden die Ausgangsbeschränkungen die Rohmilchanlieferungen an die Molkereien erschweren. Für Rindfleisch werde eine Fortsetzung des Produktionsrückgangs im Jahr 2020 aufgrund niedrigerer Preise und verkleinerter Rinderherden erwartet, erklärte die Kommission. Aufgrund der Corona-Krise sei vor allem das hochpreisige Segment betroffen, da Edelteilstücke nicht an Restaurants vermarktet werden könnten. Dagegen sagt die Brüsseler Behörde für 2020 eine steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch voraus, da die Konsumenten teureres Fleisch durch Geflügel ersetzen würden. Auch die Schweinefleischproduktion dürfte in diesem Jahr bei anhaltender Nachfrage aus Asien leicht wachsen. Dies sei vorwiegend den Exporten nach China geschuldet. Dort sorge die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach wie vor für eine hohe Importnachfrage. Für den Schweinefleischabsatz in der EU selbst erwartet die Kommission kaum negative Auswirkungen durch das Corona-Geschehen. AgE