Blauer Himmel, Sonnenschein, eine gut gelaunte Ministerin und ein nicht minder optimistischer Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau NRW – das bot gute Voraussetzungen für die Eröffnungsveranstaltung der Aktionstage Ökolandbau, die 2020 aus bekannten Gründen deutlich anders, auf jeden Fall weniger betriebsam ausfallen müssen, als es die Landwirte und Hoffestbesucher aus der Vergangenheit gewohnt sind. Umso erfreuter waren Christoph und Beate Leiders, NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser, Jan Leifert, Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau NRW (LVÖ), und einige Journalisten am Mittwoch vergangener Woche auf ihrem Betrieb in Willich-Anrath begrüßen und bei einer Führung über den Hof ihre vielseitige Landwirtschaft zeigen zu können.
64 ha Acker, Grünland und Gemüsebau gehören zum Stautenhof, in den Ställen stehen 350 Mastschweine, 55 Zuchtsauen und 200 Mastrinder. Hühnermobile mit 2 400 Legehennen und 2 000 Weidehähnchen fallen den Besuchern ins Auge, wenn sie zum Einkaufen im großen Hofladen kommen. „Als besonders auf unserem Hof stellen wir immer gerne den geschlossenen Kreislauf in der Fleisch- und Wurstproduktion heraus. Unsere Tiere leben hier wesensgemäß und werden auch hier geschlachtet“, erläuterte Christoph Leiders. Für das überzeugende Gesamtkonzept hat der Stautenhof 2014 den Bundespreis Ökologischer Landbau erhalten. Das überzeugte auch die Ministerin: „Ich bin beeindruckt, wie vielseitig Familie Leiders aufgestellt ist. Erzeugung, Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung finden unter einem Dach statt!“ Heinen-Esser betonte, dass es eben diese kurzen Versorgungswege und damit die regionale Wertschöpfung sowie Transparenz und Kundennähe seien, die die Ökobetriebe als Stärken ausspielen könnten. Das Land NRW schätze die gesellschaftlichen Leistungen des Ökolandbaus: „Ihr Beitrag zum Erhalt von Biodiversität, zum Gewässerschutz und zum Tierwohl hilft uns bei unserer Aufgabe, nachhaltiger zu wirtschaften“, lobte die Ministerin.
Dass die ökologische Landwirtschaft auch jüngeren Landwirten gute Chancen bietet, ihre kleineren Familienbetriebe wirtschaftlich und damit zukunftsfähig zu führen, betonte Jan Leifert. „Viele Menschen wissen, dass Bioprodukte unter strengeren Regeln produziert werden. Und es ist ein Verdienst der Ökobetriebe, die an den Aktionstagen teilnehmen, dass die Menschen ökologische Landwirtschaft hautnah erleben und erfahren können“, dankte auch der LVÖ-Vorsitzende Familie Leiders stellvertretend für das Engagement der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter. Die Menschen an Rhein und Ruhr zeigten mit ihrem Einkaufsverhalten, dass sie mehr Bio-Produkte wollen und verstanden haben, dass alle ihr Verhalten ändern müssen. „Von der Politik erwarten wir neben guten Worten vor allem Taten“, machte Leifert deutlich und spielte damit unter anderem auf die Probleme bei der Genehmigung von kleineren Schlachtstätten auf den Höfen und damit die Erschwernis regionaler Vermarktungsketten an, die die angesprochenen kurzen Wege schier unmöglich machten.
Nicht zuletzt habe die Corona-Krise gezeigt, dass im Ökolandbau große Chancen und Potenziale liegen: „Das Interesse an Bio-Produkten aus der Region ist in Corona-Zeiten noch mal deutlich gestiegen. So muss noch mehr versucht werden, auch in den Kantinen verstärkt Bio-Produkte anzubieten“, meinte er.
Viele Bio-Betriebe geben während der Aktionstage Ökolandbau Besuchern Einblicke in den Alltag des Ökolandbaus. Die Aktionstage gehen noch bis zum 20. September. Nähere Informationen zu den Aktionstagen gibt es unter www.oekolandbau-nrw.de.
TK-Script/ms