Selten waren die Projekte der Studierenden so vielfältig wie in diesem Jahr. Über Ackerbaustrategien in roten Grundwassergebieten, Anbaumöglichkeiten von Eiweißpflanzen für den Markt oder fürs Futter, über Kuhduschen oder Kommunikationsstrategien für den eigenen Betrieb machten sie sich Gedanken.
Obwohl der alljährlich stattfindende Tag der offenen Tür ausfallen musste, bearbeiteten die Studierenden der Fachschule für Agrarwirtschaft in Köln-Auweiler im Dezember in kleinen Gruppen wieder intensiv und fächerübergreifend Themen, die sie besonders interessieren.
Nach einem von der Schulleitung ausgeklügelten, hygienegerechten System präsentierten sie im Anschluss daran ihre Ergebnisse zuerst als Generalprobe vor ihren Klassenkameraden und dann im großen Saal der Landwirtschaftskammer in Köln-Auweiler der Parallelklasse und dem Lehrerkollegium.
In der ersten Woche war die Unterstufe dran: Hier überlegten sich zum Beispiel Matthias Becker, Jakob Jöntgen und Johannes Kirschbaum, welche Form des Erdbeeranbaus in welchen Betrieb passt und dass dabei die Art der Vermarktung eine entscheidende Rolle spielt. Auch bei anderen Projekten hatten die Wünsche der Verbraucher einen hohen Stellenwert. So befassten sich gleich mehrere Gruppen mit Hühnermobilen: Katharina Honert, Alexander Junker, Tobias Pünder und Martin Schmitz kamen zum Ergebnis, dass ein Hühnermobil ein erfolgreiches Standbein in Betrieben sein kann, die die bäuerliche Struktur mit kleineren Einheiten erhalten wollen und ihre Produkte überwiegend im Hofladen direkt vermarkten. Dass dafür eine Marktnähe und eine zahlungsbereite Käuferschicht vorhanden sein muss, erkannten auch Josua Höfer, Philipp Rosarius und Bernhard Papenhoff bei ihrem Vergleich zwischen Mobilstall und festem Stall mit größeren Einheiten und niedrigeren Stückkosten.
Hühnermobile machen Arbeit und die ist bekanntlich teuer. Deshalb bauten Moritz Behr, Mirco Nassenstein und Tom Wodtke eine Fütterungserleichterung, mit der BigPacks direkt vom Schlepper aus in die Fütterung des Mobilstalls entleert werden können. Die Gruppe mit Nils Berger, Tim Dahlhaus, Patrick vom Lehn und Tim Voswinckel bauten gar in wenigen Tagen einen Bauwagen zu einem Hühnermobil um. Die Finanzierung der Hennen erfolgt bei ihnen über Crowdfunding oder in der Landwirtschaft auch Crowdfarming genannt. Das ist eine noch relativ junge Vermarktungsform, bei der sich die ganze „Wolke“ oder der ganze „Schwarm“ interessierter Verbraucher an Investition und Risiko beteiligt.
Auch andere Gruppen stellten ihr praktisches Wissen und ihre Geschicklichkeit im Umgang mit der Technik unter Beweis: So bauten zwei Gruppen jeweils einen alten Grubber um und erweiterten ihn um Walzen und Striegel. Eine andere Gruppe entwarf eine Halterung für Wickelfolien und eine weitere überzeugte mit einer selbst gebauten hydraulisch-klappbaren Unterblattspritze. Neu war in diesem Jahr auch, dass die Praktiker nicht nur ihre Maschinen auf dem Freigelände vorführten, sondern vorab die einzelnen Arbeitsschritte und die Kosten ihrer Maßnahme in einer Powerpoint-Präsentation vorstellten.
Die Praktiker aus der Oberstufe zeigten eine Woche später die Ergebnisse ihres handwerklichen bis künstlerischen Geschicks. Jan-Philipp Gaul, Lukas Harff und Christopher Reitz fanden bereits Abnehmer für ihre freundlichen Hunde aus gebrauchten Gummistiefeln, von denen sie in der Woche ein großes Rudel erstellten und was sich heute „Upcycling“ nennt. Auch hier ging die Gruppe weiter und erläuterte grundsätzlich das Upcycling, erstellte eine Kostenkalkulation und Vermarktungsstrategien.
Die Projektgruppe mit den Studierenden Jan Eric Klinger und Jonas Konrath aus dem Westerwald und Simon Niebes aus der Eifel können jetzt mit ihrer Kuhdusche unterm Strich Wasser sparen, denn die Dusche führt bei hohen Temperaturen im Stall zu Verdunstungskälte und die Tiere müssen weniger saufen.
Andere Gruppen kümmerten sich schwerpunktmäßig um die Öffentlichkeitsarbeit. Kerstin Bohlen, Jakob Engelhardt Bochröder und Joachim Schmitz Kugel entwarfen einen Flyer, in dem sie das Engagement der Landwirte im Naturschutz vorstellen, eine andere Gruppe baute eine mannshohe Krippe als Attraktion eines Selbstvermarkters und wieder andere wollten Verbraucher zum Glühwein einladen, was leider nicht genehmigt wurde.
Auch die Schule lag Studierenden am Herzen. Florian Lemm, Marcel Möltgen und Steffen Ritz drehten einen Imagefilm über die Fachschule. Dabei nutzten sie auch ihre Drohne, die gestochen scharfe Bilder vom Schulgelände und Betrieben liefert und Martin Gerards, Jonas Kremer und Niklas Meuwissen entwarfen ein Logo für die Schule und lassen es auf Poloshirts drucken.
Am Ende waren die Studierenden selbst sehr angetan von der Projektvielfalt, haben nach den Präsentationen interessiert nachgefragt und angeregt diskutiert. Auch die diesjährige Organisation unter erschwerten Bedingungen fanden sie gut. Inge Schneider