Alles hät sing Zick

Dr. Bernd Lüttgens

Ja – alles hat seine Zeit! Aus der Sicht von uns Buure stellt sich mit Blick auf die gesellschaftspolitische Großwetterlage nur die bange Frage: Wie lang duurt die jecke Zick, bis der Kopp wieder klor ist? Die Sorgen sind zu groß, dass bei der Aktion „Einfach nur die Welt retten“ die heimischen Politiker verkennen, dass sich die Welt weiterdreht, auch wenn die heimische Landwirtschaft auf dem Kopp steht. Drum sagen wir euch: Ach, hört nur e einzig Mol auf den Buure Saal – das wäre so wunderschön, das wäre zu schön, um wahr zu sein!

Alles braucht sing Zick! Wer nach der Bundestagswahl als Rheinländer das Prozedere der Regierungsbildung beobachtet hat, denkt nicht schlecht, das hat was von einer Prinzenproklamation. Mit dem Unterschied, dass in Köln jeder „noch so kleene Fetz davon dräumpt“, das Amt unbedingt zu bekommen, und dass jeder im Dreigestirn zumindest äußerlich etwas mit dem Typ zu tun hat, den er verkörpert. Gut, bei Prinz Robert und Prinzessin Steffi passt das vielleicht noch, aber bei Bauer Schem? Der wollte, konnte aber nicht (Landwirtschaft). Während der Anton meinte, er konnte, ihn nur niemand wollte. Und so denkt der Schem*), das wird ʻne super geile Zick, mit Geschick was für die Buure zu tun. Auf der einen Sigg die Buure glöcklich, der Anton wird es nicht, auf der anderen Sigg die Buure sind skeptisch, der Schem schon mal jecke Sachen vom Vorne und  Hinten beim Tier erzählt. Das braucht sing Zick!

Jeder bekommt sing Zick! Denn schnell wird klar, op dem Maat stonn die Buure mit dicken Eiern, feine Prumme, lange Muhre. Und die Lück sin am luure, auf die Preise der Eier, der Prumme und der Muhre. Kaum hat Schem die Bevölkerung beim Wort genommen und klargemacht, dass seine Politik den Geldbeutel auch beim täglichen Brot strapaziert, war der Aufschrei groß. Jetzt kommt die Zick! Denn wer einzig da­­rauf vertraut, dass Meinungsumfragen auch die Zahlungsbereitschaft an der Kasse widerspiegeln, der hat die Doppelmoral der Menschen aus dem Blick verloren. Dabei müsste es der Schem doch besser wissen. Ständig gute Umfrageergebnisse führen noch lange nicht zum gewünschten Wahlerfolg. Am Ende ist die Angst gegenüber den Grünen zu groß, dass sie nach der Wahl das machen, was vorher angekündigt wurde. Im Unterschied zu denen, die nicht selten Wahlerfolge verzeichnen. Wie soll dat nur wigger jon? Da hilft vielleicht, nach dem vermeintlich guten Grundsatz des „Alten“ zu verfahren: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ Denn viele vergessen den Nachsatz: „Nichts hindert mich daran, weiser zu werden.“ Und so geben die Buure dem Minister in Berlin die Chance auf die Erkenntnis, mit Vernunft Abstriche von seinen Zielen zu machen: Hin zu mehr ökonomischer Realität und hin zu dem, was auf dem Feld und im Stall überhaupt machbar ist. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Aber jeder bekommt sing Zick!

Alles hät sing Zick! Auch am Rhein stehen in diesem Frühjahr Wahlen an. Da stellt sich die Frage: Wie war die Zick? Mancher denkt, fünf Johr lang häs du jeschlofe. Jetzt kommt die Zick, dass ihr wieder wach werdet. Aber das stimmt wirklich nicht. Die Landwirtschaft war mehr denn je ein Thema in Düsseldorf. Rot und Grün haben ihre Liebe zum Arten- und Flächenschutz neu entdeckt. Anträge zur Agrarförderung und zur Weidehaltung eingebracht. Die FDP, die Enquetekommission, die mit „Gesundes Essen. Gesunde Umwelt. Gesunde Betriebe“ imitiert.

Und die CDU-Ministerin musste sich in der Regierung mit all den Forderungen von uns Buure nach möglichen Anpassungen der Regelungen ausei­­nan­dersetzen, die ihr von Brüssel und Berlin unvollendet, fachlich schräg und häufig mit eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten vor die Füße geschmissen wurden. Genutzt wurde, was ging. Ob beim Pflanzenschutz, bei der Düngeverordnung oder bei der kommenden Agrarförderung. Eine Strategie für den rechtskonformen Umbau der Ställe wurde in den Bundesrat eingebracht, nur beim Wolf – komm leeve Ulla – los mer dat! Und wir singen dat Leedsche von der supergeilen Zick. Alles braucht sing Zick!

Im Leben bliev nix, wie es ist. Wir müssen es nemme, wie es kütt. Alles andre hätte auch keinen Zweck. Wat bliev, ist die Erinnerung. Wie gut, dass wir die haben. Die Zick geht weiter und wir gehen mit dʼr Zick. Aus diesem Blickwinkel sollten wir mit dem nötigen Optimismus in die Zukunft gehen, auch wenn die Welt auf dem Kopp steht und sich manchmal viel zu schnell dreht. Mit Helau und Alaaf in die kommenden Tage!

*) Gemeint ist Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir – auf gut Rheinisch „Schem“