Andere Schweinehaltung braucht Konsens

Foto: Sabine Hildebrandt

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) forderte auf ihrer Mitgliederversammlung ein Gesamtkonzept, wie die Schweinehaltung künftig aussehen soll – und wie der Umbau bezahlt werden kann.

Die Schweineproduktion in Deutschland befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Gefordert ist nicht nur mehr Tierwohl in den Ställen, es geht ebenso um mehr Umwelt- und Klimaschutz. Schweinehalter sind bereit, die dafür nötigen Veränderungen in ihren Ställen anzugehen. Das betonte der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes am Dienstag vergangener Woche auf der Mitgliederversammlung seiner Organisation in Osnabrück.

Für ihn ist eine nationale Nutztierstrategie der richtige Weg, um die verschiedenen Anforderungen unter einen Hut zu bringen, auch weil es viele unterschiedliche Vorstellungen gibt, wo die Schwerpunkte zu setzen sind. Er begrüßte die einen Tag zuvor in Berlin vorgestellten Vorschläge des „Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung“ unter Leitung des früheren Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert als gute Diskussionsgrundlage dazu.

Einig war sich Dierkes mit Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, die bei der ISN zu Gast war, dass zu einem Gesamtkonzept auch tragfähige Finanzierungsmöglichkeiten gehören. Denn der Umbau der Tierhaltung kostet viel Geld. Dies muss irgendwo herkommen, entweder vom Markt oder aus öffentlichen Mitteln. Dierkes brachte es auf den Punkt: „Landwirte sind Unternehmer und Unternehmer brauchen Gewinne.“ Für Ministerin Otte-Kinast sind öffentliche Mittel zur Finanzierung einer anderen Tierhaltung unabdingbar, dieses Geld allein an der Ladenkasse erlösen zu können, hält sie für illusorisch.

Otte-Kinast betonte, dass mit einer Nutztierstrategie in Niedersachsen, die derzeit von Vertretern verschiedener Gruppierungen entwickelt wird, Strukturbrüche in der Landwirtschaft unter allen Umständen vermieden werden sollen, auch im Sinne der „Lebensfähigkeit“ ländlicher Räume. In den Regionen mit intensiver Veredlung müssten die verschiedenen Interessen vor Ort jedoch in Einklang gebracht werden, zusammen mit den Landwirten und den kommunalen Einrichtungen. Otte-Kinast kündigte an, dass es künftig analog zum Nährstoffbericht einen jährlichen „Tierhaltungsbericht“ geben soll. Hierin soll transparent über die Entwicklungen und auch die aktuellen Tierzahlen informiert werden.

In der Podiumsdiskussion mit Vertretern der Schlacht- und Verarbeitungsbranche kritisierte Dierkes, dass Label des Lebensmittelhandels wie auch die geplante dritte Runde bei der Initiative Tierwohl nur die Maststufe im Blick hätten, sprich, es nur hierfür Bonuszahlungen gebe, die Sauenhaltung aber außen vor bleibe. Für ihn ist es unabdingbar, dass die Ferkelerzeugung mit einbezogen wird bei Extrazahlungen für mehr Tierwohl. Sonst werde die Sauenhaltung hierzulande noch massiver wegbrechen, als dies ohnehin schon der Fall sei. Die Problematik verschärft sich seines Erachtens noch dadurch, dass die geplanten Neuregelungen der Tierschutz-Nutztierhaltung Sauenhalter betreffen und hier für Mehrkosten sorgen. Er hoffte in diesem Sinne auf praxisorientierte Ergebnisse bei der anstehenden Entscheidung des Bundesrates (Hinweis: Die ISN-Mitgliederversammlung fand drei Tage vor der Bundesratssitzung zur Novelle der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vergangene Woche Freitag statt). Auch Otte-Kinast äußerte sich bei der ISN zur anstehenden Entscheidung des Bundesrates. Für sie habe es oberste Priorität, dass das Thema Sauenhaltung endlich abgeräumt werde und stellte gleichzeitig klar: „Es wird hartes Brot werden.“

Die ISN hat derzeit 9 811 Mitglieder, das ist ein kleiner Rückgang gegenüber dem Vorjahr (–182), man rechnet jedoch in den kommenden Jahren mit weiteren Rückgängen aufgrund des fortschreitenden Strukturwandels in der Schweineproduktion. Wirtschaftlich gesehen ist die ISN gut aufgestellt.

Christa Diekmann-Lenartz