Andorra – das Herz der Pyrenäen

Foto: Petra Jacob

Der Anbau von Tabak war einmal äußerst wichtig für Andorra. Das war, bevor Tourismus und Wintersport die Wirtschaft des kleinen Landes in den Ostpyrenäen zwischen Frankreich und Spanien bestimmten. Heute wird in Andorra Tabak fast nur noch in den riesigen Duty-free-Läden verkauft, die es vor allem in der Hauptstadt Andorra la Vella en masse gibt, aber auch gleich hinter der Landesgrenze, wie zum Beispiel im Örtchen El Pas de la Casa, das man aus Toulouse über die Nationalstraße 22 kommend erreicht. Der Grenzposten liegt auf über 2 000 m, im Winter ist El Pas de la Casa ein Skiresort. Außerhalb der Skisaison schaut es – wie auch viele andere Orte, durch die sich die Straße auf und ab Richtung Hauptstadt schlängelt – traurig aus, viele der Geschäfte, Ferienwohnungen und Hotels haben verbarrikadierte Fenster.

 

Dabei waren die letzten Kilometer der Anreise von Frankreich aus ein Erlebnis. Die Fahrt geht durch eine beeindruckend grüne, wenn auch karge Bergwelt. Im Tal grast eine uralte Rinderrasse, die Bruna dels Pirineus, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts aus der Kreuzung lokaler Rassen mit Schweizer Braunvieh. Über die steil abfallenden Berghänge ziehen Schafe. Bei genauerem Hinsehen fallen auf den Bergen zahlreiche Umzäunungen aus uralten Feldsteinmauern auf. Sie erinnern daran, dass Viehhaltung und Landwirtschaft in den Pyrenäen eine lange Geschichte haben. Andorra wird als Gebirgsland mit über 70 Berggipfeln beschrieben. Über 90 % der Landesfläche (468 m²) sind offiziell als Berge, Wälder, Seen und Flüsse ausgewiesen, nur 8 % gelten laut Reiseführer als urbanisiert und bestellt.

 

Andorra ist flächenmäßig in etwa so groß wie Bremen, zählt zu den europäischen Zwergstaaten und gehört nicht zur EU. Die amtliche Bezeichnung ist Principat d‘Andorra, Fürstentum Andorra. Das kleine Land hat seit über 700 Jahren ein einzigartiges Staatswesen, offizielle Staatsoberhäupter sind zwei Kofürsten, ein Bischof aus Nordspanien und der französische Präsident. In der andorranischen Regierung spielt das zwar nur noch eine symbolische Rolle, doch zeigt es, wie eng das Land mit seinen Nachbarn verbunden ist. Weil sich einst die beiden Länder um das kleine Land gestritten hatten, einigte man sich da­­rauf, es neutral zu halten. Seit 1993 ist Andorra eine Demokratie.

 

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