Deutlich und scharf hat die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) das Krisenmanagement von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) kritisiert. Nach Berechnungen der ISN beläuft sich der kurzfristige Gesamtschaden für die Schweinehalter im Emsland und in der Grafschaft Bentheim aufgrund der Vermarktungsbeschränkungen auf mindestens 15 Mio. €. Laut ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack haben alle Betriebe erhebliche Schäden zu verkraften, einige stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. Dabei seien die Landwirtschaftsministerien von Niedersachsen und des Bundes mehrfach aufgefordert worden, die betroffenen Betriebe zu entschädigen und die Quarantänevorgaben für künftige Fälle anzupassen.
Als „blanken Hohn und vollkommen unsensibel“ wertete Staack in dem Zusammenhang das Verhalten Özdemirs, der sich vergangene Woche auf dem Twitter-Account seines Hauses als Krisenmanager geäußert und mit Umweltverbänden über die Krisenbewältigung unter anderem in der Landwirtschaft diskutiert habe. Im gleichen Zuge unterlasse er es, den mehr als 250 unverschuldet in Not geratenen niedersächsischen Schweinehaltern zu helfen, monierte Staack. Er bemängelte zudem, dass das Berliner Agrarressort „scheinbar jegliche Verantwortung“ bezüglich der Vorgaben für die Restriktionen und der Vermarktung der Schweine von sich weise. Im gleichen Zuge verweise das Ministerium aber auf das Vorgehen etwa in Italien und Polen, wo die betroffenen Betriebe finanzielle Hilfe erhalten hätten und wo Hilfsprogramme aufgelegt worden seien. Dennoch lasse das Bundeslandwirtschaftsministerium die Bauernfamilien „sehenden Auges im Stich“. Der Ressortchef unterlasse es, den Betrieben zu helfen, und sorge zugleich für weitere Wettbewerbsnachteile angesichts der Hilfen in anderen EU-Ländern.
AgE