ASP: Vorsorge ist alles

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„Wir müssen situativ entscheiden“ – das war der Satz des Abends am vergangenen Montag bei der Informationsveranstaltung des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) in Schleiden-Gemünd. Und es steckt viel Wahres darin. Denn niemand weiß, ob, wo und wann die Afrikanische Schweinepest (ASP) auftauchen kann. Und das macht es nicht nur für Ministerien und Veterinärämter schwierig, sich auf die Situation vorzubereiten, sondern natürlich auch für die Landwirte. Einige Fragen der rund 200 Besucher konnten geklärt werden, bei anderen heißt es: Abwarten.

Was sagen die Experten?

Die Gäste, die sich den Fragen der Jäger und Landwirte stellten, beschäftigen sich seit Monaten mit der Frage: Wie reagieren wir bei einem Ausbruch? Dr. Arno Piontkowski, Leiter des Referats Tiergesundheit und Tierseuchenbekämpfung des MULNV, Walter Schmitz, Leiter des Referats Jagd und Fischerei des MULNV, und die Leiterin des Veterinäramtes des Kreises Düren, Dr. Mounira Bishara-Rizk. Der Kreis Düren gilt in Sachen ASP-Vorsorge als Vorreiter. So machte Bishara-Rizk auch direkt klar: „Bei einem Ausbruch ist in der Kernzone alles denkbar.“

Die Kernzone, das ist der Bereich, der rund um ein durch ASP verendetes Wildschwein gezogen wird. Wie genau das in der Eifel ablaufen könnte, spielte Schmitz anhand von Karten theoretisch durch. Richtigerweise betonte er dabei auch die Dringlichkeit, tot aufgefundene Wildschweine sofort zu melden. „Angenommen, am Rand unserer hypothetischen Kernzone wird noch ein verendetes Tier gefunden, so vergrößert sich das betroffene Gebiet rasant. Bitte melden sie alle toten Wildschweine. Umso größer ist die Chance, die Sache schnell in den Griff zu bekommen.“

Landesweite Zusammenarbeit

Dass das geht, zeigte Piontkowski am Beispiel von Tschechien, wo die Seuche im Juni 2017 zum ersten Mal auftrat. „So wie es aktuell aussieht, hat es Tschechien geschafft, die Seuche zu tilgen. Das ist bemerkenswert!“

Für viele Eifler eine interessante Frage: Wie genau kooperieren die Bundesländer mitei­nan­der? Eine Seuche würde sich ja schließlich nicht an die Grenzen halten und Rheinland-Pfalz sei sehr nahe. „Jedes Bundesland bereitet sich ganz unterschiedlich vor“, erklärte Piontkowski. Das sei jedoch auch dadurch bedingt, dass die Länder in Sachen Schweinehaltung und Wildschweinbestand ganz unterschiedlich aufgestellt seien. „Wir müssen uns mit Niedersachsen ganz anders abstimmen als mit Rheinland-Pfalz“, so der Experte. Daher seien auch grenzübergreifende Übungen geplant, sodass man sich automatisch zwinge, Probleme bereits jetzt zu lösen. Seit Monaten gäbe es zudem Fachgespräche innerhalb der Ministerien. Wie Bishara-Rizk betonte, sei jedoch auch ein guter Austausch innerhalb einer Region zwischen allen Beteiligten, egal ob Jäger, Landwirt oder Veterinär, unverzichtbar.

Jägern helfen

Frust zeigte sich bei manchen anwesenden Jägern. Mehr Schweine schießen sei an sich kein Problem, jedoch durchaus mittlerweile mit Einschränkungen verbunden. Die Jagd werde durch Eichel- und Buchenmast aufwendiger, hieß es aus dem Publikum. Die Motivation fehle, übrigens genauso wie bei einer möglichen Kadaversuche im Seuchenfall, und es gebe nach wie vor das Jagdverbot an Sonn- und Feiertagen, das es schwierig mache, eine Gesellschaftsjagd zu organisieren. Prämien für die Suche oder geschossene Schweine könnten helfen. „Diese Gedanken sind natürlich auch bei uns angekommen“, erklärte Schmitz. Im Rahmen der Trichinenuntersuchung seien ja bereits Anreize geschaffen worden. „Über weitere Prämien wurde noch nicht entschieden“, stellte er klar.

Die Frage nach konzentriert gelegenen Behältern für Aufbruch sei ebenfalls noch nicht geklärt. „Wir haben aktuell noch ausreichend Zeit, doch wenn der Frost kommt, wird das ein Thema“, sicherte Bishara-Rizk zu. Im Sommer und während der hohen Temperaturen habe es noch keinen Sinn gemacht, Kadavercontainer aufzustellen, da der Waldboden die bessere Alternative sei. „Wir sollten hierbei mit Augenmaß vorgehen“, ist sich die Amtsveterinärin sicher. Eine Aufhebung des Drückjagdverbots an Sonn- und Feiertagen sei laut Schmitz aktuell keine Lösung, da man mit „Freizeitsuchenden zu sehr ins Gehege käme“.

Betriebe im Ernstfall

Dass in der Kernzone an Einschränkungen alles denkbar ist, schließt auch die Möglichkeit von Acker- und Betretungsverboten mit ein. Ein Punkt, der bei den anwesenden Landwirten für Nervosität sorgte. Laut Piontkowski könne es dazu kommen, muss aber nicht. „Man muss hierbei je nach Jahreszeit entscheiden. Seien Sie sicher, dass auch die Kreisbauernschaft dazu gehört wird.“ Auch Bishara-Rizk versprach, dass ohne Landwirte und Jägerschaft keine Entscheidung möglich wäre. Das gelte auch für die Ausweisung von Kern- und Beobachtungsgebieten. Es mache keinen Sinn, mit dem Zirkel ein Gebiet zu umreißen. Es müssten eben auch, so stellten die Podiumsteilnehmer auf Nachfrage klar, die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Selbst wenn es zu extremeren Maßnahmen kommen würde, dürften die Landwirte nicht mit den Kosten alleine gelassen werden.

Wachsam bleiben

Ein Ernteverbot in der Kernzone sei dann möglich, wenn man die Wildschweine beispielsweise durch ein großes Angebot an Mais in der Zone halten wolle. Für Landwirte bei einem ASP-Ausbruch pro­blematisch könne außerdem ein Verbot werden, Stroh und Heu, also Aufwuchs zu nutzen. „Nach einem halben Jahr hat sich das Material selbst dekontaminiert“, erläuterte Bishara-Rizk. Ein kurzer Schreckmoment für die milchviehhaltenden Betriebe, doch Piontkowski gab Entwarnung: Die Seuche heiße nicht umsonst Schweinepest, sie befalle nun mal nur Schweine. Diese dürften im Falle eines Ausbruchs nicht in Kontakt mit möglicherweise kontaminiertem Material kommen.

Viele Fragen konnten am vergangenen Montag beantwortet werden, doch die Angst bleibt. Die wirtschaftlichen Einbußen eines Ausbruchs wären zweifelsohne massiv, auch deshalb heißt es weiter: vorsichtig sein und Vorbereitungen treffen! Denn eins wurde nur zu gut deutlich: Der Seuche kann man nur gestärkt gegenübertreten, wenn man zusammenarbeitet und von der Expertise des anderen profitiert und Gebrauch macht. mk