Auch NRW will ans Wasser

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Der Tag des Wassers, der am 22. März begangen wird, soll auf die Bedeutung von Wasser als Lebensgrundlage hinweisen. Ein Woche zuvor hat die Bundesregierung einer Nationalen Wasserstrategie zugestimmt. Damit will sie die Grundlagen für ein modernes Wassermanagement legen. Die LZ Rheinland hat beim Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) in Düsseldorf nachgefragt, wie die Landesregierung in NRW dazu steht.

LZ Rheinland: Die Bundesregierung hat eine Wasserstrategie aufgelegt. Sind Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung genügend berücksichtigt?

MLV: Die Landwirtschaft ist an zahlreichen Stellen der Strategie betroffen. Zur Erläuterung: Die Rolle der Landwirtschaft wird vorrangig aus zwei Aspekten thematisiert: Erstens als relevanter Nutzer von Wasser, dessen Bedarf künftig zielgerichteter zu steuern ist, zum Beispiel durch effizientere Bewässerungsverfahren, gegebenenfalls aber auch durch ordnungsrechtliche Vorgaben. Zweitens soll die Landwirtschaft stärker für eine höhere Infiltration von Wasser in das Grundwasser Sorge tragen, zum Beispiel durch Steuerung von Drainagen oder Entwässerungsgräben sowie Maßnahmen der Bodenbewirtschaftung. Bezüge zur Lebensmittelversorgung finden sich ausschließlich über die Bereitstellung ausreichender Mengen von Trinkwasser. Im Ergebnis: Die Rolle der Bewässerung für eine ausreichende Versorgung mit Obst, Gemüse, Kartoffeln oder sonstigen pflanzlichen Produkten wird aus Sicht des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in weiten Teilen nicht hinreichend berücksichtigt.

LZ Rheinland: NRW ist gerade dabei, eine eigene Wasserstrategie für die Landwirtschaft aufzulegen. Weshalb ist das wichtig?

MLV: Die Folgen des Klimawandels haben schon jetzt zu Dürren in den vergangenen Jahren und damit verbunden zu einem deutlichen Absinken der Grundwasserstände geführt. Aus Sicht des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz geht es jetzt darum, sich frühzeitig auf mögliche Knappheitssituationen vorbereiten und diesen entgegenzusteuern. Dazu bedarf es vieler Aktivitäten, die in der Wasserstrategie des Bundes auch grundsätzlich richtig aufgezeigt werden. Allerdings unterscheidet sich die Situation bei der Wasserversorgung – sowohl was die Niederschläge als auch den Wasserverbrauch angeht – zwischen den Bundesländern und auch zwischen verschiedenen Regionen in NRW sehr deutlich. Hier fehlt noch eine Differenzierung in der Strategie des Bundes und deshalb macht daran anknüpfend eine eigene Wasserstrategie für Nordrhein-Westfalen sehr viel Sinn.

LZ Rheinland: Was sind die Ziele von NRW?

MLV: Die Strategie steht am Anfang, hier arbeiten wir mit verschiedenen Ressorts zusammen und legen aktuell die Ziele fest.

LZ Rheinland: Welche Ansätze gibt es, beim Wasserbedarf in der Landwirtschaft zu sparen?

MLV: Die wichtigsten Ansatzpunkte sind erstens die Verbesserung der Effizienz der Wassernutzung, das heißt: Wie schafft man es, das benötigte Wasser möglichst verlustfrei an und in die Pflanzen zu bekommen? Und zweitens: Wie ist eine möglichst schlagspezifische und exakte Bestimmung des Bewässerungsbedarfs einschließlich der exakten Steuerung der erforderlichen Wasserzufuhr möglich? Für beide Ansatzpunkte gibt es gute technische Lösungen, die vermehrt in die Praxis eingeführt werden sollten. Keine Lösung ist der dagegen ein ausschließlicher Anbau trockenheitsresistenter Sorten oder Kulturen und zum Verzicht auf Kulturen mit hohem Wasserbedarf. Bewässerung erfolgt in Nordrhein-Westfalen vorrangig für die Kulturen Obst und Gemüse, bei denen ohnehin nur ein sehr geringer Selbstversorgungsgrad vorliegt und deren Import aus noch wasserärmeren Regionen – zum Beispiel des Mittelmeers – definitiv keine Lösung ist.

LZ Rheinland: Wie lässt sich ein höherer Bedarf im Anbau wegen zunehmender Trockenheit sicherstellen, Stichwort Nutzungsrechte für Oberflächen- und Grundwasser sowie Nutzung von Brauchwasser?

MLV: Die Nutzung von Oberflächenwasser insbesondere in Trockenphasen wird künftig kein Weg sein, höheren Wasserbedarf der Landwirtschaft zu decken. Die Nutzung von Brauchwasser kann möglicherweise einen begrenzten Lösungsbeitrag leisten, allerdings befindet man sich hier noch im frühen Stadium der Umsetzung solcher – durchaus interessanter - Konzepte. Als wichtigste Quelle der Wasserversorgung wird weiterhin das Grundwasser dienen. Wenn jedoch über höhere Entnahmen nachgedacht wird, sollten zuvor die oben genannten Ansätze für eine gezieltere und effizientere Wassernutzung ausgeschöpft werden. Vor allem müssen wir unsere Datenlage für die Nutzung von Grundwasser noch weiter verbessern, um die Nutzung von Grundwasser abhängig von der Verfügbarkeit und Bedarf auch nachhaltig steuern zu können. Ein weiterer und wichtiger Punkt ist die Grundwasserneubildung. Hierfür bedarf es landwirtschaftlicher Flächen, denn dort findet natürlich auch Neubildung bei Niederschlag statt. Auch deshalb ist es wichtig, sich für den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen einzusetzen.

ds