Ich muss mal wieder ausmisten – wer regelmäßig nicht nur in Stall und Scheune, sondern darüber hinaus in seinem Kleiderschrank, im Keller und in der Küche für Ordnung sorgt, schafft wohltuenden Freiraum, auch für Kopf und Seele. Die globale Welt an sich wird immer unüberschaubarer. Da ist es gut, zumindest zu Hause alles im Griff zu haben – das hält den Rücken frei für die weiteren Anforderungen des Lebens. Zudem trainiert Aufräumen die Entscheidungsfähigkeit; es geht um Loslassen, Prioritäten setzen, Veränderungen leben.
„Aber vielleicht brauche ich das alte Fahrrad doch noch … und die Jacke hier hat mal viel Geld gekostet, auch wenn ich sie schon lange nicht mehr anhatte!“ Warum finden viele Menschen nicht den Dreh, das Ausmisten konsequent durchzuziehen beziehungsweise überhaupt erst mal anzufangen? Dabei ist etliches von dem, was sie besitzen, nicht mehr mit einem guten Gefühl verbunden. Kleidungsstücke, auf die frau keine Lust mehr hat, das Geschirr der Tante, das noch nie wirklich geliebt wurde, der fünfte Hammer in der Werkzeugkiste, die dritte Leiter in der Hofecke.
Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie gab es Warteschlangen vor den Mülldeponien, da sich viele Menschen an das schon lange überfällige Aussortieren des Kellers gemacht hatten. Und die Youtube-Videos von Aufräumprofis wie Marie Kondo wurden vermehrt studiert.
Wir kaufen, schenken, vererben und blockieren Raum und Aufmerksamkeit mit zu vielen Dingen. Das meiste davon hatte seine Zeit und seine Berechtigung, brachte Freude und Nutzen, auch wenn ab und an Fehlkäufe dabei gewesen sein mögen. Das alte Steiftier zaubert ein Lächeln auf die Lippen und vergangene schöne Momente hervor. Es bleibt! Daneben gibt es Gegenstände, die mit belastenden Erinnerungen verbunden sind; ihre Entsorgung wirkt besonders befreiend. Ein aufgeräumter Schrank macht stolz, er ist eine Freude für die Augen und das neue System erleichtert die Suche. Eine entrümpelte Scheune lässt Platz für Entfaltung, für neue Ideen, das E-Bike oder den Motorroller.
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