Bauern, fallt nicht darauf rein!

Wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch mehr daher. Das dürften sich gerade viele Landwirte und Landwirtinnen denken. Lidl fährt eine Sonderaktion mit polnischer Rohwurst und jeder Schweinehalter muss sich zwangsläufig denken: „Wie sensibel sind die denn? Haben die gar keinen Blick dafür, dass wir in Deutschland gerade mächtig Sorge haben, dass von dort die Afrikanische Schweinepest mit rohen Wurstwaren ins Land kommt?“

Detlef Steinert

Zu allem Überfluss lanciert ein Kommunalpolitiker der Grünen auch noch eine App, mit der jeder X-Beliebige Landwirte bei den Behörden anschwärzen kann, weil sie vorgeblich Umweltsünden begehen würden. Gar nicht davon zu reden, dass einmal wieder Bilder von Tierschutzverstößen in einem Schlachthof über die Bildschirme flimmern. Das Krönchen setzen dem noch Briefe auf, in denen anonyme Schreiber die Landwirte bezichtigen, sie seien selbst daran schuld, wenn ihre Kinder gehänselt und gemobbt werden. Kurz: Bauern bekommen zurzeit gefühlt mal wieder die volle Packung ab. Das verstärkt den Frust, den sowieso schon viele unterschwellig oder bewusst verspüren. Der sorgt dafür, dass mancher daran zweifelt, ob er auch angesichts schwieriger Marktverhältnisse nicht langsam alles hinschmeißen und sich einen anderen Beruf suchen sollte; oder zumindest seinen Kindern abraten sollte, in seine Fußstapfen zu treten.

Natürlich ist es leicht dahin gesagt, die dauernden Anfeindungen einfach von sich abprallen zu lassen. Gerade weil offensichtlich ist, dass manches, was da lauthals angeprangert wird, gar nicht in den Verantwortungsbereich der Landwirte fällt, sondern ihnen sogar selbst missfällt, wie Tierschutzverstöße bei Transporten oder der Schlachtung. Da tut es auch gut, wenn mal Dritte sich reinspreizen, wie im Fall der erwähnten Melde-App, und dieses Denunzianten-Instrument verurteilen und darauf hinweisen, dass viele die Arbeit von Landwirten gar nicht beurteilen könnten und daher selbstredend auch nicht einschätzen könnten, wann deren Tun legal oder gesetzeswidrig ist.

Aber am Ende kommt es auf die so Angeprangerten selbst an, ob sie sich davon mitreißen lassen oder nicht. Und darauf, wie sie den eigenen Kindern vorleben, wie sie zum eigenen Tun stehen oder nicht. Ich meine: Landwirte brauchen sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen; sie können selbstbewusst zu dem stehen, was sie tun. Wenn sie beginnen, Zweifel an der grundsätzlichen Richtigkeit an dem zu hegen, was sie einmal gelernt und für richtig erachtet haben, haben die, die eine Landwirtschaft nicht wollen, wie wir sie vertreten, gewonnen. Wer wenn nicht die Bauern selbst könnten dieses Feld gegen Populismus und die Fremdbestimmtheit verteidigen, die daraus folgen dürften. Es geht nicht darum, sich Veränderungen und konstruktiven Dialogen zu verschließen. Aber es geht auch darum, seine Selbstachtung zu wahren. Denn: Wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Licht daher. Und manchmal hilft schon Gelassenheit, sich nicht selbst von jeder Sau, die gerade mal wieder durchs Dorf getrieben wird, verrückt machen zu lassen.