Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) pochten vergangene Woche auf eine erleichterte Entnahme von Problemwölfen nach französischem Vorbild und eine größere finanzielle Unterstützung für die Weidetierhalter. Im Vorfeld einer Debatte im Umweltausschuss des Düsseldorfer Landtags zum Thema „Wolfsland NRW“ hatten die beiden Verbände in einer Stellungnahme vor einer „eskalierenden Situation am Niederrhein“ gewarnt. Sie wiesen darauf hin, dass im Wolfsgebiet Schermbeck nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zwischen 2018 und 2020 insgesamt 111 Weidetiere von Wölfen getötet worden seien. Mit wenigen Ausnahmen habe man die Übergriffe der ansässigen Wölfin „GW954f“, auch „Gloria“ genannt, zugeordnet. In mindestens vier Fällen sei dabei sogar ein nach den Empfehlungen des Bundes ausreichender Herdenschutz überwunden worden.
Ein vom Ministerium am Dienstag vergangener Woche vorgelegtes Rechtsgutachten kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass derzeit immer noch „zumutbare Alternativen zur Tötung der Wölfin oder des Rudels vorhanden sind“. Damit wäre eine Entnahme von Wölfen im Wolfsgebiet Schermbeck auch aktuell weiterhin nicht rechtssicher möglich. Diese Nachricht war für viele Weidetierhalter ein Schlag ins Gesicht. Laut Schermbeck Online versammelten sich am Mittwochabend vergangener Woche in Hünxe rund 40 Weidetierhalter zu einer Mahnwache, um an ihre vom Wolf gerissenen Tiere zu erinnern. Das Gahlener Bürgerforum (GBF) kritisierte das Rechtsgutachten am Montag in einer Stellungnahme. Das Forum bemängelte, dass darin lediglich von der viermaligen Überwindung des empfohlenen Herdenschutzes ausgegangen wird, und geht stattdessen von siebenmaligem Überwinden aus. Laut dem GBF hat die Wölfin Gloria insgesamt 188 Nutztiere gerissen und damit wären sie und ihre Rudel das schadensträchtigste Rudel in Deutschland.
AgE/kj