Der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) stellte am Donnerstag vergangener Woche den ersten Teil seiner „Junglandwirt:innen-Studie“ vor, der sich mit der Zukunft der Interessenvertretung beschäftigt. Ausgangslage für die Studie war laut Stefan Schmidt, stellvertretender Vorsitzender BDL, die Frage, was eine angemessene Interessenvertretung junger Landwirte ausmacht. „Es waren häufig Aussagen auf Demos, in den sozialen Medien und der Fachpresse zu vernehmen, dass sich die Mitglieder verschiedener Verbände nicht richtig vertreten fühlen. Gleichzeitig bemängeln die Interessenvertretungen fehlendes Engagement von jungen Mitgliedern“, erläuterte er. Der BDL will mit seiner Studie herausfinden, was an diesen Aussagen dran ist und was es braucht, um Interessenvertretungen zukunftsfähig zu machen.
Wichtige Eigenschaften
Um die wichtigsten Verbandseigenschaften zu bewerten, haben die Befragten eine Liste an Eigenschaften zur Auswahl bekommen. Aus der Gesamtliste sollten die Befragten jeweils die für sie wichtigste und unwichtigste Eigenschaft angeben. Über alle Bereiche hinweg waren für die Befragten die Eigenschaften „Fokus auf Interessen und Bedürfnisse der Mitglieder“ mit 15 %, „Fokus auf gesellschaftlicher, öffentlicher Vertretung der Mitglieder gegenüber Nicht-Landwirt:innen“ mit 13 % und „Transparenz über Inhalte, aktuelle Vorhaben und gesetzte Ziele“ mit 12 % am wichtigsten.
Aus diesen Ergebnissen leitet der BDL folgende These ab: „Veränderungsbereitschaft ist ein Schlüsselfaktor, um Positionen von Mitgliedern besser und moderner vertreten zu können. Verzweifeltes Festhalten an verknöcherten Verfahren und Strukturen zerstört Verbände. Verbände müssen anpassungsfähig sein.“ Eine weitere These lautete: „Wenn das Verbandsklima nicht stimmt, sich die Mitglieder nicht mit dem Verband identifizieren und sich nicht in ihm zu Hause fühlen, dann kann auch keine wirksame politische Vertretung wahrgenommen werden. Das Verbandsklima spielt für die politische und gesellschaftliche Interessenvertretung die entscheidende Rolle.“
Idealer Verband
Die Studienteilnehmer wurden außerdem dazu befragt, welche Aufgaben ein idealer Verband erfüllen sollte. Miriam Rüger, Leiterin des Projekts „Junglandwirt:innen“, stellte die aus der Befragung abgeleiteten Thesen vor. Die erste lautete: „Interessenvertretung muss auf agrarpolitischer Ebene wirken und die Wirksamkeit muss konkret erfahrbar sein.“ Weitere Thesen sind: „Mitglieder wollen aktiv in die Verbandsarbeit und Vertretung einbezogen werden“ und „Verbände sollen in fachlichen Fragen vor allem beraten.“ Eine weitere These lautete: „Gesetze beeinflussen reicht nicht. Verbände sind komplexe Systeme und keine reinen Lobbyorganisationen, sie sind mehr als die Summe ihrer Teile und müssen mit vielfältigen Aufgabenfeldern auf verschiedenen Ebenen den Anforderungen ihrer Mitglieder gerecht werden.“
Um einen Praxisbezug aus den wichtigsten Verbandseigenschaften herzustellen, wurden die Befragten gebeten, Interessenverbände anhand einiger Eigenschaften zu bewerten. Bewertet wurden zusammengefasst Bauernverband und Weinbauverband, der Deutsche LandFrauenverband, zusammengefasst Landjugend und Jungzüchter sowie Land schafft Verbindung. Zwei weitere Teile der Studie, die sich mit der Zukunft ehrenamtlichen Engagements und mit Frauen in der Landwirtschaft beschäftigen, sind in Vorbereitung und werden im nächsten Jahr vom BDL vorgestellt.
kj