Pünktlich zum Internationalen Tag der Milch am 1. Juni wartete „Die faire Milch“ mit einem neuen Produkt auf und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) nutzte diese Markteinführung für ein Gespräch mit der Politik. Am Montag dieser Woche lud der BDM NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser sowie weitere Politiker und die Presse zur Produktvorstellung und zum Austausch über die Lage der Milchviehhalter auf den Betrieb von Lambert und Matthias Stöcker in Rösrath ein. „Wir werden künftig neben der H-Milch auch frische Bio-Weidemilch anbieten. Ab Mitte Juni gibt es sie in 480 Edeka-Märkten in NRW“, erläuterte Michael Braun, Geschäftsführer von „Die faire Milch“. Diese Milchmarke sei auf Initiative des BDM 2010 eingeführt worden, faire Preise für die Milcherzeuger seien dabei das Hauptanliegen der Marke. Laut Braun erhalten die am Programm teilnehmenden Höfe – 100 sind es bundesweit und davon 20 in NRW – für die frische Bio-Weidemilch 58 Cent pro Liter.
Faire Preise für die Milcherzeuger – diese Forderung war bei dem Gespräch der BDMler mit der Ministerin in Rösrath immer wieder zu hören. „Die Milchbauern brauchen kostendeckende Preise, sonst kriegen wir in zehn Jahren einen Strukturbruch, der nicht mehr zu kippen ist“, warnte Lambert Stöcker. Er selbst und sein Sohn, die derzeit 130 Milchkühe halten, haben inzwischen einen weiteren Betriebszweig aufgebaut, und zwar die Direktvermarktung von Fleisch. Lambert Stöcker sieht die Zukunft der Milcherzeugung düster. „Es gibt immer mehr Auflagen für uns Milchbauern. Diese erfüllen wir gerne, aber dafür brauchen wir auch 5 Cent mehr für die Milch.“
Ministerin Heinen-Esser zeigte ein offenes Ohr für die Sorgen der Milcherzeuger. Sie wies darauf hin, dass Nordrhein-Westfalen – zusammen mit Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen – im Bundesrat einen Prüfauftrag zur fairen Preisbildung in der Wertschöpfungskette eingebracht hat, zum Beispiel zum Verbot des Verkaufs unter Produktionskosten. „Außerdem werden wir mit der Landwirtschaft zur GAP-Reform Gespräche führen, wie wir die Auflagen in der
Zweiten Säule praxistauglich gestalten“, kündigte Heinen-Esser an. Darüber hinaus sieht sie in Konzepten zur Nachhaltigkeit und Regionalität zusätzliche Chancen zur Wertschöpfung und Wertschätzung in der Lebensmittelerzeugung. el