Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat seine Forderung bekräftigt, die Milchviehhaltung im Rahmen der GAP-Förderung besser zu stellen. Anlässlich des Internationalen Tags der Milch am 1. Juni sprach sich DBV-Vizepräsident Karsten Schmal erneut dafür aus, im Rahmen der Öko-Regelungen einen „Grünland-Klima-Bonus“ einzuführen. „Kühe fressen Gras, Silage und pflanzliche Koppelprodukte aus der Lebensmittelerzeugung, die nicht durch den Menschen verwertet werden können“, gab Schmal zu bedenken. Mehrere Landwirtschaftsminister unterstrichen die regionale Bedeutung der Milchviehhaltung. Schleswig-Holsteins Agrarressortchef Werner Schwarz sprach von einem wichtigen Wertschöpfungsfaktor, der „auch in Zukunft zu erhalten“ sei.
Derweil machte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus auf die angespannte Lage am Milchmarkt aufmerksam. „Wir erleben gerade wieder harte Zeiten für Milchbauern“, sagte Backhaus. Die Preise seien aufgrund eines steigenden Angebots und einer stagnierenden Nachfrage „im freien Fall“. „Ich appelliere an die Milcherzeugenden, zu einem mengengesteuerten System zu kommen, um endlich Stabilität in die Preise zu bekommen“, so der SPD-Politiker. Der Appell richte sich auch an den Lebensmitteleinzelhandel. Die Erzeuger dürften nicht in einem „ruinösen Preiskampf kaputtgespielt“ werden, mahnte Backhaus.
Mit seiner Forderung nach eine Mengensteuerung gab der Schweriner Agrarressortchef dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) indirekt Rückendeckung. Dieser forderte angesichts eines wieder „zunehmenden Marktungleichgewichts“ eine europäische Krisenintervention. Laut BDM stehen die Milchbäuerinnen und Milchbauern vor einer „Milchmarktkrise 4.0“. „Wir weisen auf diese Marktsituation, die sich seit einigen Monaten auch in massiv fallenden Erzeugerpreisen realisiert, seit Mitte 2022 deutlich hin“, erklärte der BDM-Vorstandsvorsitzende Karsten Hansen. Aufgrund gestiegener Produktionskosten können laut BDM bei einem Preis von 0,43 €/kg nur noch die variablen Kosten der Betriebe gedeckt werden. Dieser Erzeugerpreis sei jedoch bereits in vielen Fällen unterschritten, berichtete der Verband. Hansen forderte daher eine „organisierte, befristete Reduzierung der EU-Milchmenge auf freiwilliger Basis“.
AgE