In Deutschland herrscht Nachwuchsmangel. Daran lässt sich nichts beschönigen. Längst ist unter den verschiedenen Branchen ein heißer Kampf um den Berufsnachwuchs entbrannt. Auch die Landwirtschaft muss eine Menge tun, um junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen und vor allen Dingen zu halten.
Grüne Berufe sind in. Dies war einmal, leider. Insbesondere die Betriebe im Osten Deutschlands haben mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Und der rückläufige Trend setzt sich weiter fort. In NRW sieht die Situation etwas anders aus – zumindest bislang noch. Unser Bundesland vermeldet in den vergangenen Jahren stabile Ausbildungszahlen im Beruf Landwirt. Im Jahr 2023 wurden 547 neue Ausbildungsverträge im Beruf Landwirt abgeschlossen, im Jahr 2022 waren es567 Verträge. Auch für das neue Ausbildungsjahr, das in Kürze beginnt, geht die Landwirtschaftskammer von stabilen Ausbildungszahlen aus.
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft spiegelt sich dabei auch bei den Auszubildenden wider. Sprich, die Zahl der „Bauernkinder“ ist rückläufig. Es sind längst schon nicht mehr nur die Töchter und Söhne von den Bauernhöfen, die sich für den Ausbildungsberuf Landwirt entscheiden, sondern viele Quereinsteiger sind dabei. 50 % der Azubis kommen inzwischen nicht von einem landwirtschaftlichen Betrieb. An diesen Quereinsteigern kommt die Agrarbranche nicht vorbei. Ihnen gilt es, den Beruf Landwirt schmackhaft zu machen.
Und dieser Beruf hat was. Er bietet ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung sowie einen vielseitigen Umgang mit Pflanzen, Tieren, Technik und Natur. Welcher andere Beruf kann das schon bieten? Für die Azubis im Beruf Landwirt gibt es außerdem eine Reihe von Weiterbildungsmöglichkeiten: Fachschule, Meisterprüfung, Fachhochschule oder Universität – all dies ist möglich. Damit nicht genug: Auch die Jobaussichten für ehemalige landwirtschaftliche Auszubildende sind vielversprechend, denn Arbeitnehmer aus der Landwirtschaft sind gefragter denn je. Der Bedarf dafür ist einfach da.
In jedem Fall ist die Agrarbranche gefordert. Sie muss die jungen Leute für eine Ausbildung im Beruf Landwirtschaft begeistern. Immerhin konkurriert sie dabei mit anderen Branchen und die haben unter anderem eine Vier-Tage-Woche und Homeoffice zu bieten. Davon gilt es sich abzuheben. Nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Auch zukünftig heißt es: weiterhin junge Leute für den Beruf Landwirt zu gewinnen und vor allem zu halten. Klar, hier sind natürlich in erster Linie die Ausbildungsbetriebe gefordert. Sie müssen den Azubis nicht nur Fachwissen und praktische Fähigkeiten vermitteln, sondern ihnen den Beruf und die Tätigkeit in der Landwirtschaft schmackhaft machen. Und wie hält man die jungen Leute bei der Stange? Dazu gehören unter anderem eine Bezahlung über Tarif, das Einhalten der Arbeitszeit, die Vergütung der Überstunden und natürlich auch der Freizeitausgleich.
Und vor allen Dingen eins sollte man nicht unterschätzen: Auszubildende wünschen sich die Wertschätzung ihrer Arbeit (siehe Artikel S. 29). Jungen Leuten sollte man ruhig einmal etwas zutrauen und ihnen Verantwortung oder sogar einen eigenen Aufgabenbereich übertragen. Das kommt gut an bei den Auszubis, das motiviert und dürfte sich auch in einer guten Arbeitsleistung niederschlagen. Übrigens: Zufriedenheit ist das beste Aushängeschild für einen Ausbildungsbetrieb.
Nicht nur die Ausbildungsbetriebe, sondern auch der komplette Berufsstand ist gefordert, den Nachwuchs für den Beruf Landwirt zu begeistern. Dafür muss natürlich auch weiterhin verstärkt am Image gefeilt werden. Denn nach wie vor geistern noch völlig falsche Vorstellungen über die Landwirtschaft in den Köpfen der Bevölkerung. Dagegen muss man angehen. Öffentlichkeitsarbeit wird bereits in der Landwirtschaft großgeschrieben, aber hier darf man kein bisschen nachlassen.
Es gilt weiterhin, für ein gutes Image der Landwirtschaft zu kämpfen und natürlich für vernünftige politische Rahmenbedingungen. Dazu kann und muss auch die Politik beitragen. Das, was den Landwirtinnen und Landwirten viel Frust beschert und vor allen Dingen den jungen Leuten den Beruf madig macht, ist der regelrechte Wust an Bürokratie und Auflagen, die auf die Landwirtschaft einprasseln. Die Ampelregierung hat versprochen, Bürokratie abzubauen. Hier könnte man schnell zu Entlastungen kommen. Allerdings muss die Politik das auch wirklich wollen. Überbordende Politik hilft wenig und vergrault nur den Nachwuchs, den die Landwirtschaft aber weiterhin dringend braucht.
Jungen Leuten sollte man ruhig einmal etwas zutrauen und ihnen Verantwortung oder sogar einen eigenen Aufgabenbereich übertragen.