Berges vermisst Solidarität beim Umbau der Landwirtschaft

Foto: Land NRW/Ralph Sondermann

Das Düsseldorfer Agrarressort drückt in der Debatte um die Transformation der deutschen Nutztierhaltung aufs Tempo. „Angesichts des anhaltenden Erosionsprozesses in der Veredlungswirtschaft muss der Prozess endlich Fahrt aufnehmen“, sagte Staatssekretär Dr. Martin Berges beim Zukunftsforum des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), das am Freitag vergangener Woche auf Gut Havichhorst bei Münster stattfand. Dass akuter Handlungsbedarf seitens des Bundes bestehe, werde sein Haus einmal mehr bei der Agrarministerkonferenz (AMK) in Quedlingburg deutlich machen, wo das Thema diese Woche auf der Tagesordnung stehe. Rückendeckung für die Landwirte bei der gesellschaftlich gewollten Transformation vermisst Berges nicht nur in Teilen der Berliner Ampelkoalition, sondern auch in der agrarischen Wertschöpfungskette, insbesondere im Handel. „Hätten wir in der Kette Partner, die voll und ganz hinter dem Borchert-Konzept stehen, wären wir in Sachen Tierwohl längst weiter“, steht für den Staatssekretär fest. Berges selbst hält den Borchert-Plan zum Umbau der Nutztierhaltung für alternativlos und sieht den größten Knackpunkt im Bau- und Emissionsrecht.

Für lösbar hält er hingegen die politisch stark umstrittene Finanzierungsfrage. Mehr Unterstützung für den landwirtschaftlichen Berufsstand hätte Berges sich zuletzt auch in der Diskussion zur vorübergehenden Aussetzung der Flächenstilllegung gewünscht. „Hier wurden die Landwirte einmal mehr alleingelassen“, kritisierte der frühere Kammerdirektor. Aus der Kette sei bis hin zum Handel keine breitere Unterstützung für das Angebot der deutschen Ackerbauern gekommen, ihren Beitrag zur Sicherung der Welternährung zu leisten. Berges trat in seinem Vortrag zum Auftakt des WLV-Zukunftsforums dem Eindruck entgegen, es sei im Düsseldorfer Agrarressort nach dem Wechsel an der Ministeriumsspitze nach der Landtagswahl 2022 „noch etwas zu ruhig“. „Das ist nur der Außeneindruck. Nach innen ist es ziemlich vital, denn aktuell werden bei uns Findungs- und Trennungsprozesse durchlaufen“, berichtete Berges.