Bestseller mit tierischen Hauptrollen

Foto: Stefanie Lategahn

Lisa Keil führt ein Doppelleben: Tagsüber arbeitet sie als Tierärztin, abends schreibt sie Bücher. Ihr Debütroman „Bleib doch, wo ich bin“ landete direkt auf der Bestsellerliste und diesen Monat erscheint bereits der letzte Band ihrer Neuberg-Trilogie. Lena Ernsting hat für die LZ mit der jungen Autorin über ihren inspirierenden Weg und die verschriftlichten Liebeserklärungen an das Landleben gesprochen.

LZ | Rheinland: Wie bist du auf die Idee gekommen zu schreiben?

L. Keil: Ich hatte ein bisschen Zeit und Energie übrig und habe mir gewünscht, etwas Kreatives damit zu machen, einfach nur für mich. Also habe ich angefangen, meinen ersten Roman zu ­schreiben. Ich wollte ihn vielleicht meinen Freundinnen zu Weihnachten schenken, mehr war damals nicht geplant. Schon mit den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, ein fehlendes Puzzleteil für mich gefunden zu haben. Als wäre ich durch das Schreiben irgendwie angekommen. Dabei war es noch viel mehr ein Aufbruch.

LZ | Rheinland: Wie viel fließt von der Arbeit als Tierärztin in die Bücher ein?

L. Keil: Wer meine Bücher liest, merkt schnell, dass sie ganz besonders von meinem Tierarztleben inspiriert sind. „Schreib, was du kennst!“ ist ein altbekannter Rat an Autoren und Autorinnen und eine Freundin hat für mich „Schreib, was du liebst!“ daraus gemacht. Und da gehört mein Traumjob einfach dazu. Der Praxisalltag ist voller Erlebnisse und Zwischenmenschlichkeiten, die sich ganz wunderbar in meine Geschichten einflechten lassen. Natürlich immer so, dass niemand befürchten muss, sich plötzlich im Roman wiederzufinden. Außer meinen besten Freunden …

LZ | Rheinland: Welche Resonanz hast du auf die ersten beiden Bücher bekommen – von Familie, Freunden oder auch fremden Lesern?

L. Keil: Die ersten Kapitel habe ich mit Herzklopfen meinem Mann vorgelesen und dann mit zittrigen Händen meinen Freundinnen in die Hand gedrückt. Alle waren ehrlich begeistert und wollten mehr davon. Um etwas über das Schreiben zu lernen, habe ich mich bei einem Seminar für Autoren angemeldet. Ich war völlig überrascht, dass die Dozenten mir dort nahegelegt haben, mehr aus meinem Schreiben zu machen.

Meine Familie und meine Freunde sind diesen Weg vom ersten Kapitel bis zum Bestseller mit mir zusammen gegangen, haben mitgefiebert und mitgejubelt und sind immer noch die größten Fans meiner Bücher.

Seit dem Erscheinen des ersten Romans bekomme ich viele, viele Nachrichten von Leserinnen und Lesern und ich freue mich über jede einzelne sehr. Es gibt da­runter auch ganz besondere Geschichten: dass mein Buch eine Auszeit von einem langen Klinikaufenthalt bedeutet hat, dass Opa Arthur zum ersten Mal etwas anderes als die Sportbild gelesen hat oder dass eine junge Frau mit meinem Roman die Liebe zu Büchern entdeckt hat. Da könnte ich als Autorin natürlich heulen vor Glück.

LZ | Rheinland: Gibt es „das beschauliche Neuberg“ aus den Romanen so wirklich?

L. Keil: Es gibt Neuberg nicht wirklich, ich habe mir diesen Ort – für ein Dorf zu groß, für eine Stadt viel zu klein, irgendwo mitten in Deutschland – ausgedacht. Aber natürlich ist Neuberg inspiriert von den Ortschaften hier in Nordrhein-Westfalen, wo ich seit vielen Jahren lebe und als Tierärztin arbeite. Aber auch von Ferien auf dem Land, die ich als Großstadtkind aus Frankfurt im Vogelsberg und im Westerwald zwischen Kühen und Pferden verbracht habe.

Wahrscheinlich spielt das Stadt-oder-Land-Thema deshalb auch immer wieder eine Rolle in meinen Geschichten. Für mich und meine Romane habe ich mich von Herzen für das Landleben entschieden.

LZ | Rheinland: Im neuen Buch „Auf und mehr davon“ sind die tierischen Hauptrollen mit Rindern und Bienen besetzt, welche davon hättest du lieber als „Haustiere“?

L. Keil: Schon seit dem Studium zählen Kühe zu meinen absoluten Lieblingstieren. Ich habe in meinen ersten Jahren als Tierärztin in einer Rinderpraxis gearbeitet und mag die grundsätzliche Gelassenheit, Freundlichkeit und Neugier der großen Wiederkäuer sehr. Eine eigene Kuh oder ein Reitochse wie „Mitternacht“ wäre schon ein Traum – vo­rausgesetzt, ich könnte das Tier unter Artgenossen halten.

Mit Bienen habe ich mich erst in letzter Zeit durch einen befreundeten Imker und dann für den Roman beschäftigt. Vorher habe ich nicht gewusst, dass auch hier eine ganz besondere Mensch-Tier-Beziehung im Zusammenleben entstehen kann. Ein eigenes Bienenvolk fände ich schon faszinierend, aber es braucht genug Zeit und auch die Bereitschaft, ab und zu gestochen zu werden. Deshalb säe ich doch lieber einfach bienenfreundliche Pflanzen im Garten und versorge die Wildbienen.

LZ | Rheinland: Wie würdest du die Neuberg-Trilogie in einem Satz zusammenfassen?

L. Keil: Mit einem Satz zum Anstoßen: Kleiner Ort, große Liebe!