Drei trockene Jahre in Folge erlebten die Bauern nun schon im Rheinland. Grund genug, sich gegen den Hitzestress und trockene Böden zu rüsten. „Nach dem sehr trockenen Jahr 2018 ist bei uns Bauern die Idee entstanden, einen Bewässerungsverband zu gründen“, berichtet Kartoffelanbauer Heinz-Georg Olligs aus Bedburg-Kirchherten.
Gemeinsam mit fünf anderen Landwirten und allen Organisationen und Verbänden aus der Wasserwirtschaft hat er zwei Jahre lang die Gründung des „Bewässerungsverbandes Pütz“ vorbereitet. „Jetzt können wir den Verband endlich bewerben“, freut sich der Vorsitzende des Verbandes. Landwirte rund um die Orte Pütz, Kirch-Grottenherten und Kirch-/Kleintroisdorf, die Interesse hätten, könnten sich noch bei ihm melden. Bisher sind 15 landwirtschaftliche Betriebe plus viele Eigentümer Mitglieder.
Zukunft sichern
„Unser Ziel ist, eine Beregnung der Äcker auch in extrem trockenen Monaten zu sichern“, sagt Heinz-Georg Olligs. Bis zum Jahr 2022 soll die Bewässerungsanlage für eine Fläche von
2 500 ha gebaut sein. Dazu sollen rund um Kirchtroisdorf bis zu sechs Brunnen gebohrt werden. Die jeweils zwei 10 km langen Leitungen sollen unterirdisch verlegt werden und pro Jahr 1,5 Mio. m³ Wasser befördern. „Der Bau wird noch eine Mammutaufgabe. Schließlich müssen wir stellenweise auch einige Höhenmeter überwinden. Aber das ist alles eingeplant“, gibt er zu bedenken.
Wenn dem Boden Wasser entzogen wird, wie wird dies wieder ausgeglichen? „Das regelt das Wasserentnahmegesetz. Wir dürfen nicht mehr Wasser entziehen, als dem Boden auf natürliche Weise wieder zugefügt wird. Aber die Experten prognostizieren, dass es in Zukunft feuchtere Winter und trockene Sommer geben soll. Daher rechnen wir damit, dass die Speicher im Winter wieder aufgefüllt werden“, betont Olligs.
Im Bereich Kosten haben sich die Landwirte von einem neutralen Berater, Alois Herbst, beraten lassen. „Wir planen mit folgenden Kosten: Eine Investition von rund 6 Mio. €. Diese Summe ist aber nach der neuen Bewässerungsrichtlinie des Landes bis zu 70 % förderfähig. Jeder Landwirt zahlt zudem einen Beitrag pro Hektar. Die laufenden Kosten werden über den Wasserpreis von den Mitgliedern bestritten, etwa
50 Cent pro Kubikmeter“, sagt Olligs.
An die Nachfolger denken
Warum hat der Kartoffelanbauer gemeinsam mit den anderen Gründer-landwirten den Bewässerungsverband überhaupt auf den Weg gebracht? „Es ist wichtig, mit den Organisationen rund um die Wasserwirtschaft zusammenzuarbeiten und an einem Strang zu ziehen. Auch wir Landwirte müssen zusammenhalten“, betont er.
Mit der Verlegung der Wasserleitung erhält jeder Landwirt für die Fläche die Wasserrechte beziehungsweise das Recht, die Fläche zu bewässern. „Das macht unser Projekt einzigartig!“, hebt er hervor.
Olligs denkt bei dem Bewässerungsprojekt auch an die nachfolgenden Generationen. „Eine gute Wasserversorgung wird in Zukunft entscheidend für die landwirtschaftlichen Betriebe sein. Auch die jungen Landwirte sollen über ausreichend Wasser verfügen. Nur so können sie trotz aller Wetterextreme Erzeugnisse in gleichbleibender Qualität abliefern. Das ist elementar wichtig“, sagt er abschließend. Ah