Die Landfrauen im Rheinland haben sich angesichts des Klimawandels eine „Vielgestaltige Nachhaltigkeit“ auf die Fahnen geschrieben – in diesem Jahr mit Fokus auf „Bewusste Ernährung“. So luden die Klever Landfrauen am 1. April zu ihrem traditionellen „Frühstück mit Vortrag“ Dr. Margareta Büning-Fesel, Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE), mit einem Vortrag über den „Speiseplan der Zukunft“ nach Haus Riswick in Kleve ein. Die Referentin freute sich, dass unter den über 100 anwesenden Landfrauen auch etliche Bäuerinnen/Erzeugerinnen waren, denn Gespräche über Ernährung könnten nur erfolgreich und zielführend sein, wenn sowohl Verbraucher als auch Erzeuger und ebenso Vertreter der Politik daran beteiligt seien. Den Verbrauchern müsse bewusst werden, dass gesunde Lebensmittel ihren Preis haben. Damit in der Landwirtschaft hochwertige Lebensmittel produziert werden, müsse die Politik langfristig verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Und damit sprach sie besonders den anwesenden Bäuerinnen aus dem Herzen, die gerade zu Hause die Betriebsübergabe an die Hofnachfolger vorbereiten und ihren Kindern auf dem Hof eine sichere Zukunft wünschen.
Die Fachfrau betonte, „dass Ernährung das wirksamste Mittel ist, das uns zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit und der ökologischen Nachhaltigkeit auf der Erde zur Verfügung steht“. Bei der Vorstellung des „Speiseplans der Zukunft“ wurde schnell klar, dass hier die mengenmäßige Aufteilung der Lebensmittelgruppen (pflanzliche, tierische Lebensmittel und Getränke) vergleichbar ist mit der Aufteilung in der „Ernährungspyramide“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die man schon seit vielen Jahren kennt. Wie Dr. Büning-Fesel erläuterte, empfehlen beide Pläne eine „pflanzenbetonte Ernährung“ mit überwiegend pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen, jedoch nicht den vollständigen Verzicht tierischer Produkte, da beide Lebensmittelgruppen sich ergänzen. Die Realität sehe allerdings anders aus: Der Pro-Kopf-Verbrauch sei in der Statistik bei pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln mengenmäßig gleich, obwohl der Fleischkonsum in seiner gegenwärtigen Menge ernährungsphysiologisch nicht erforderlich sei. Daher werde empfohlen, den aktuellen Fleischkonsum zu halbieren und den Verbrauch von pflanzlichen Lebensmitteln zu verdoppeln. Durch geringere Fleischproduktion würden Wasser- und Futterpflanzenverbrauch deutlich gesenkt, während gleichzeitig Ackerfläche für den Anbau von zusätzlichen pflanzlichen Lebensmitteln frei wird, erläuterte die BZfE-Leiterin. Es sollten Gemüse und Obst aus der Region verwendet werden zu der Zeit, in der sie geerntet werden. Um diese Vorgaben umzusetzen, brauche es fundierte Ernährungskompetenz – diese zu vermitteln sei wiederum Aufgabe der (Bildungs-)Politik.
So schloss Dr. Büning-Fesel ihren Vortrag mit der These, dass Lösungen der globalen Ernährungs- und Klimaprobleme nur von Verbrauchern, Erzeugern und Politikern gemeinsam gefunden werden können. Bei der Verabschiedung bedankte sich Hildegard Geurtz, 1. Vorsitzende der Klever Landfrauen, bei der Referentin dafür, dass sie mit ihren Ausführungen alle Anwesenden dafür sensibilisiert habe, dass jeder in seinem Umfeld mit kleinen Stellschrauben die Möglichkeit habe, den Klimawandel aufzuhalten.
Marlies Wollschläger