Was haben Schülerinnen und Schüler mit der biologischen Vielfalt auf Feldern im Rheinland zu tun? Diese Frage wurde am Donnerstag vergangener Woche an der Rupert-Neudeck-Gesamtschule in Tönisvorst bei der Vorstellung des Projekts „Rheinland³ – Lebensraum, Landwirtschaft, Lernort“ beantwortet. „Die biologische Vielfalt der Agrarlandschaft ist durch Veränderungen in der Bewirtschaftung, den anhaltenden Flächenverlust, wie beispielsweise für Siedlungs- und Gewerbegebiete, sowie den Klimawandel, wie beispielsweise Dürre und Starkregenereignisse, stark gefährdet“, hob Bernhard Conzen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, hervor.
Im Projekt „Rheinland³“ soll mit neuen Ansätzen von Naturschutzmaßnahmen der Lebensraum Agrarlandschaft für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verbessert werden. Durch die Kombination von Naturschutzmaßnahmen soll ein Effekt erzielt werden, der über den einzelner Maßnahmen hinausgeht. „Unter Einbeziehung von Naturschutzmaßnahmen, wie Blühstreifen in Kombination mit Nisthilfen für Wildbienen, sowie anschaulichen Experimenten werden Umweltbildungsangebote beziehungsweise Unterrichtseinheiten für Schulen angeboten. Unser Ziel ist es, mit Schülerinnen und Schülern der Unterstufe Maßnahmen und Experimente durchzuführen, um ihnen ökologische Zusammenhänge zu verdeutlichen, die für die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft und die Landwirtschaft von Bedeutung sind“, führte Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, den zweiten Projektansatz weiter aus.
Für die Klasse 7d der Rupert-Neudeck-Gesamtschule bedeutet dies, dass sie bei Experimenten zur biologischen Schädlingsbekämpfung die Beziehung von Nutzpflanzen (Erbsen), ihren Schädlingen (Blattläusen) und deren natürlichen Gegenspielern (Marienkäfern) kennenlernen. Hierbei wird die An- und Abwesenheit von natürlichen Gegenspielern simuliert. Auch das Anlegen von Blühflächen oder Aufstellen von Nisthilfen für Wildbienen sowie eine abschließende Exkursion auf einen landwirtschaftlichen Betrieb sollen Kompetenzen im Bereich der Artenkenntnis, des Naturschutzes sowie der nachhaltigen Lebensmittelproduktion vermitteln. Für Schulleiter Andreas Kaiser steht fest: „Unsere Schülerinnen und Schüler können im Projekt aus erster Hand erleben, wie sich Naturschutz und Landwirtschaft ergänzen und welchen hohen Stellenwert Artenvielfalt für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion hat. Das eröffnet einigen Schülerinnen und Schülern bestimmt auch Interessen- und Berufsfelder, die ihnen ansonsten nicht zugänglich wären.“
Neben der Rupert-Neudeck-Gesamtschule nehmen noch zwei weitere Schulen aus Hürth bei Köln und Waldbröl im Bergischen Land am Projekt teil. Die Schulen liegen in den drei Naturräumen Niederrheinische Bucht, Niederrheinisches Tiefland und Bergisches Land, in denen die Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden. „Auf insgesamt 16 landwirtschaftlichen Betrieben werden drei sich ergänzende Naturschutzmaßnahmen, nicht wie bisher in der landwirtschaftlichen Praxis üblich, an verschiedenen Stellen eines Betriebs angelegt, sondern als sich ergänzende Kombination gleichzeitig auf einer Fläche umgesetzt. Der positive Effekt der einzelnen Maßnahmen, wie zum Beispiel Blühstreifen, auf die biologische Vielfalt ist bereits bekannt. Im Projekt soll gezeigt werden, dass die kombinierten Naturschutzmaßnahmen einen deutlich positiveren Effekt auf die Biodiversität haben können als die Summe dreier separat angelegter Einzelmaßnahmen“, ergänzt Conzen die Projekt-inhalte weiter.
Was durch die Landwirtinnen und Landwirte im Großen angelegt wird, erproben die Schülerinnen und Schüler im Kleinen. So lernen sie im eigenen Schulgarten, wie wichtig für Wildbienen die Kombination von Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten ist. Dort ergänzt seit Kurzem ein 1,5 m hoher, mit zahlreichen Bohrlöchern versehener Eichenpfahl den frisch angelegten Blühstreifen. Ganz nach dem Stiftungsmotto „gemeinsam vielfältig engagiert“ wurde bei der Herstellung dieser „Bienenstöcke“ die Expertise der Schreinerei des Heilpädagogischen Zentrums Krefeld – Kreis Viersen gGmbH am Standort in Nettetal-Breyell eingeholt. Für Hans-Peter Braf, Werkstattleiter Produktion, und seine Mitarbeiter eine neue Aufgabe: „Wir haben uns sehr gefreut, Teil des Projekts zu sein und ein neues Zuhause für eine farbenfrohe Natur zu schaffen.“
Stiftung Rheinische Kulturlandschaft